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Österreichs Testgegner im Check: Südkoreas Debakel im Jubiläumsspiel

Vor zwei Tagen bestritt die südkoreanische Nationalmannschaft ihr tausendstes offizielles A-Länderspiel – ausgerechnet in England, dem Land des ersten offiziellen Länderspiels aus dem Jahr 1948. Der Gegner war die Elfenbeinküste, gespielt wurde im Stadium MK in Milton Keynes vor nur 5.917 Zuschauern. Die Partie endete in einer klaren 0:4-Niederlage, wobei das Ergebnis klarer ausfiel, als der Spielverlauf. Die Südkoreaner, die bei den WM 2026 Weltmeisterwetten natürlich klarer Außenseiter sind, trafen drei Mal Aluminium.

Südkorea startete in einem 3-4-3-System, mit Jo Hyeon-woo im Tor, Kim Min-jae zentraler und Cho Yu-min sowie Kim Tae-hyeon als äußere Innenverteidiger. Seol Young-woo und Kim Moon-hwan besetzten die Flügel, im Angriff standen Hwang Hee-chan, Oh Hyeon-gyu und Bae Jun-ho. Son Heung-min saß zunächst auf der Bank. Austria-Legionär Tae-seok Lee musste ebenfalls auf der Ersatzbank Platz nehmen und wurde in der gesamten Partie nicht eingewechselt.

Die Anfangsphase verlief ausgeglichen. Oh Hyeon-gyu traf nach 20 Minuten die Stange. Doch nach der obligatorischen dreiminütigen Trinkpause verlagerte sich das Spielgeschehen: Die Elfenbeinküste übernahm mit die Initiative und zeigte immer mehr gute Aktionen. In der 35. Minute überlistete Martial Godo den gegnerischen Innenverteidiger Cho Yu-min mit einer Körpertäuschung und legte quer auf Evann Guessand, der zur 1:0-Führung abschloss. Unmittelbar vor der Halbzeitpause ließ Monaco-Legionär Simon Adingra denselben Verteidiger erneut aussteigen und erhöhte auf 2:0.

Zur Halbzeit reagierte Trainer Hong Myung-bo und wechselte einige Akteure aus. Son Heung-min, Lee Kang-in und Cho Gue-sung kamen gleichzeitig aufs Feld, am Charakter der Partie änderte sich aber wenig. In der 62. Minute erzielte Godo nach einem Zweikampfgewinn das 3:0. In der Nachspielzeit vollendete Wilfried Singo einen Konter zum 4:0-Endstand. Südkorea hatte aber auch Pech und traf in dieser Partie drei Mal Aluminum. Neben Oh Hyeon-gyu waren auch Seol Young-woo und Lee Kang-in knapp an einem Treffer dran.

Reaktionen

Nationaltrainer Hong Myung-bo erklärte nach dem Spiel: „In den Momenten, in denen wir Gegentore kassierten, wurden unsere Schwächen offenbart, aber wir konnten auch einige positive Aspekte bestätigen.“ Er ergänzte, dass ein Wechsel zu einem Viererkettensystem möglich sei, aber auch das Dreierkettensystem weiterentwickelt werden solle.

Südkoreanische Medien und Fachleute kritisierten das taktische Konzept. Die Dreierkette, die Hong Myung-bo seit dem Sommer 2025 aufbaut, soll die Verteidigung verstärken – sah aber bei schnellen Spielzügen des Gegners und individuellen Aktionen schwach aus. Bereits beim 0:5 gegen Brasilien im Oktober 2025 wurden dieselben strukturellen Probleme sichtbar. Das Kernproblem: Wenn die Flügelverteidiger offensiv stehen, fehlt die Absicherung auf den Flanken. Die Innenverteidiger werden auseinandergezogen und es entstehen große Lücken.

Dazu kommt der Ausfall von Gladbach-Legionär Jens Castrop, der als Schlüsselspieler für die Flügelpositionen eingeplant war. Castrop konnte wegen mangelnder Fitness weder gegen die Elfenbeinküste antreten, noch wird er gegen Österreich auf dem Platz stehen.

Son Heung-min fasste das Ergebnis nach dem Abpfiff nüchtern zusammen: „It is fortunate this is not the World Cup.“