Nationalteam

Rangnick vor Israel: „Gregoritsch Kapitän, Schlager Nummer Eins“

Österreich startet heute Abend in Linz gegen Israel in die neue Nations-League-Saison. Einen Tag vor der Partie sprach Teamchef Ralf Rangnick über die Stimmung im neu formierten ÖFB-Kader, den Gegner, die Torhütersituation und die Ziele für die kommenden Monate. Dabei bestätigte er bereits, dass Alexander Schlager gegen Israel im Tor stehen wird.

Das sagt Ralf Rangnick über…

…die Stimmung nach der Weltmeisterschaft…

Rangnick sieht keine Gefahr, dass die Enttäuschung der vergangenen Weltmeisterschaft noch in den neuen Länderspielzyklus hineingetragen wird.

„Zum einen ist da die Energie, die alleine in den letzten drei Tagen im Training zu spüren war. Wir haben den Jungs auch gesagt: Es gibt dieses Mal keinen Grund für einen Hangover. Dazu kommt, dass wir zu Hause vor ausverkauftem Haus und in der richtigen Heimspielatmosphäre spielen.“

Auch personell sei die Situation mit jener nach früheren Großereignissen kaum vergleichbar: „Zehn Spieler, die bei der WM dabei waren, sind dieses Mal nicht im Kader. Das ist fast die Hälfte. Auf der anderen Seite sind neun Spieler dabei, die bei der WM nicht dabei waren. Deswegen ist es eine völlig andere Situation.“

…Michael Gregoritsch als Kapitän…

Gregoritsch wird Österreich gegen Israel als Kapitän aufs Feld führen. Rangnick begründete die Entscheidung mit dessen Erfahrung und Rolle innerhalb der Mannschaft.

„Bei unserer Spielweise ist es wichtig, dass jeder Spieler, der auf dem Platz steht, Verantwortung und Führung übernimmt. Wenn wir mit Schwarmintelligenz spielen wollen – und das ist eine Voraussetzung für unsere Spielweise –, dann müssen sich alle einbringen.“

Einen einzigen klassischen Führungsspieler brauche es deshalb nicht. „Gregerl ist aber derjenige, der mit Abstand die meisten Einsätze hat, der am meisten Erfahrung hat und der auch als Persönlichkeit in der jetzigen Konstellation für diese Rolle prädestiniert ist.“ Rangnick kündigte gleichzeitig an, dass Gregoritsch vermutlich nicht alle vier kommenden Länderspiele durchspielen werde und die Kapitänsbinde daher auch wechseln könnte.

…den Fokus auf das erste Nations-League-Spiel…

„Jetzt geht es in allererster Linie um das Spiel morgen. Wir wollen gut in die Gruppenphase starten, das Spiel gewinnen und auch ein richtig gutes Spiel machen. Mich interessiert vor allem die Art und Weise, wie wir spielen.“

Für die vier Spiele in kurzer Zeit soll jeweils möglichst viel Frische vorhanden sein: „Wir werden versuchen, in jedes dieser Spiele die bestmögliche, frischest mögliche und ausgeruhteste Mannschaft zu schicken. Aber unser gesamter Fokus ist jetzt auf morgen gerichtet.“

Die ersten Einheiten hätten Rangnick dabei optimistisch gestimmt: „Wir hatten gestern und heute zwei Einheiten, in denen schon genug Intensität zu spüren war. Jetzt geht es darum, genau diese Energie, diese High Energy, morgen auch auf den Platz zu bringen.“

…die Spielweise der Israelis…

Rangnick erwartet einen Gegner, der sich keineswegs ausschließlich auf die Defensive konzentrieren wird.

„Grundsätzlich ist Israel eine Mannschaft, die gerne den Ball hat, die auch gerne hinten heraus aufbaut und spielerische Lösungen sucht. Sie versuchen mit Kombinationsspiel, sich nach vorne zu orientieren. So haben sie zumindest zuletzt eigentlich immer gespielt und natürlich haben wir uns viele dieser Spiele noch einmal angeschaut.“

Entscheidend sei allerdings die eigene Leistung: „Alles andere liegt an uns. Wir haben in Linz schon gezeigt, zu welchen Leistungen wir fähig sind. Wir haben hier viele richtig gute Spiele gemacht und sind in Linz noch ungeschlagen. Diese Serie wollen wir natürlich weiter ausbauen.“

…Alexander Schlager als Nummer eins gegen Israel…

Trotz seiner aktuellen Rolle als Ersatzkeeper bei Werder Bremen wird Alexander Schlager gegen Israel beginnen.

„Im Moment sehe ich darin noch kein Problem, weil er auch im Pokal schon gespielt hat und davor bei uns eine richtig gute WM gespielt hat. Deswegen kann ich schon vorwegnehmen: Er wird morgen von Beginn an spielen.“

Langfristig bleibt die Position allerdings offen: „Als Dauerlösung müssen wir schauen, was das bedeutet. Natürlich gibt es auch dort eine Konkurrenzsituation. Wir haben bewusst die beiden Jungen dazu genommen, die bisher einen richtig guten Eindruck gemacht haben. Auch da gilt das Leistungsprinzip. Jeder muss es zeigen.“

…einen möglichen Wechsel von David Alaba zu Udinese…

Zu den aktuellen Spekulationen um David Alaba wollte Rangnick keine Details verraten.

„Ich war mit David in den letzten zehn, zwölf Wochen in regelmäßigem Austausch. Wir haben einige Male telefoniert. Ich weiß auch, in welche Richtungen seine Überlegungen gehen und wie die Situation aussieht. Aber solange von offizieller Seite nichts bestätigt ist, werde ich mich dazu nicht äußern.“

…die Besetzung der Innenverteidigung…

Grundsätzlich bevorzugt Rangnick auch im ÖFB-Team die Kombination aus Links- und Rechtsfuß.

„Mir ist es lieber, wenn wir links einen Linksfuß und rechts einen Rechtsfuß haben. Aber das hängt natürlich trotzdem auch ein Stück weit von der Form der einzelnen Spieler ab. Wir hatten auch schon richtig gute Spiele mit zwei Rechtsfüßen.“

Bei der Auswahl der Startelf für Israel seien vor allem die aktuellen Eindrücke ausschlaggebend gewesen: „Wir haben geschaut, dass diejenigen auflaufen, die zuletzt im Verein, aber auch in den letzten beiden Tagen den besten, dynamischsten, frischesten und athletischsten Eindruck gemacht haben.“

…das Ziel in der Nations League…

Dass Rangnick gegen Israel bereits sein 50. Länderspiel als österreichischer Teamchef bestreiten wird, war ihm nach eigener Aussage gar nicht bewusst. Wichtiger sei für ihn die weitere Entwicklung der Mannschaft.

„Das Ziel ist klar: Wir wollen es dieses Mal schaffen, wieder in die A-Gruppe der Nations League aufzusteigen. Vor allem wollen wir die Mannschaft weiterentwickeln. Dass wir jetzt eine neue Konstellation im Kader haben, ist allen bewusst, aber das hat auch viele gute Seiten.“

Seine Entscheidung, langfristig beim ÖFB weiterzumachen, sieht Rangnick dementsprechend auch als Verpflichtung: „Ich habe mich entschieden, hier in Österreich zu bleiben und bis zur Europameisterschaft weiterzumachen. Jetzt ist es wichtig, dass wir gute Spiele machen und die Mannschaft in der Nations League weiterentwickeln.“

…den politischen Hintergrund der Partie…

Auf die politische Dimension des Spiels angesprochen, stellte Rangnick zunächst den sportlichen Fokus in den Vordergrund: „Es spielt nicht zum ersten Mal Österreich gegen Israel. Unser Fokus liegt ganz klar auf einem fußballerischen Vergleich und einem Fußballspiel.“

Grundsätzlich äußerte sich der Teamchef dennoch: „Alle Kriege auf dieser Welt, egal wann und wo sie stattgefunden haben, sind völlig sinnlos, kosten unnötige Menschenleben. Ich wünsche mir, dass wir endlich begreifen, dass wir alle miteinander auf diesem Planeten eine Verantwortung haben und dafür sorgen müssen, dass alle Menschen in Frieden leben können.“