Ritschers Standards werden zur neuen ÖFB-Waffe
Maximilian Ritscher ist erst seit diesem Lehrgang Teil des Trainerteams von Ralf Rangnick – und dennoch lässt sich seine Handschrift bereits erkennen. Der 32-jährige Co-Trainer des LASK wurde speziell mit dem Schwerpunkt Standardsituationen zum Nationalteam geholt. Nach vier Nations-League-Partien haben ruhende Bälle bereits mehrfach entscheidenden Anteil an wichtigen ÖFB-Treffern gehabt.
Ritscher arbeitet weiterhin unter Dietmar Kühbauer beim LASK und unterstützt Rangnick lediglich während der Nationalteam-Lehrgänge. Beim ÖFB folgte er auf Lars Kornetka und arbeitet im Trainerstab gemeinsam mit Onur Cinel und Stefan Oesen. Der Fokus auf Standards war von Beginn an klar definiert.
Gegen Israel beginnt Ritschers Arbeit
Beim 3:1 gegen Israel feierte Ritscher sein Debüt im ÖFB-Trainerstab. Einen einstudierten Standardtreffer gab es dabei zwar noch nicht, dennoch fiel das 1:0 nach einem ruhenden Ball: Sasa Kalajdzic holte einen Elfmeter heraus, Romano Schmid verwandelte sicher.
Die beiden späten Treffer durch Phillipp Mwene und Kalajdzic entstanden aus dem laufenden Spiel. Schon wenige Tage später sollte sich aber zeigen, dass die intensive Standardarbeit im Training Früchte trägt.
Affengruber trifft nach einstudierter Variante
Beim 3:1-Heimsieg gegen den Kosovo brachte ein Freistoß Österreich auf Kurs. Romano Schmid zirkelte den Ball aus dem Halbfeld in den Strafraum, David Affengruber löste sich von seinem Gegenspieler und köpfte präzise ins lange Eck.
Rangnick verwies nach der Partie ausdrücklich auf Ritschers Arbeit: „Solche Aktionen haben wir in den vergangenen Tagen ständig mit unserem neuen Standardtrainer Max Ritscher trainiert.“
Auch Affengruber verriet, dass die Hereingaben bereits im Training gut funktioniert hatten. Schmid habe dort gemeint, dass irgendwann nur noch jemand einen seiner Bälle verwerten müsse. Im Spiel klappte es schließlich.
Gregoritsch überrascht Irlands Torhüter
Noch wichtiger wurde ein ruhender Ball vier Tage später in Dublin. Österreich lag zur Pause mit 0:2 gegen Irland zurück, Alexander Prass verkürzte nach 71 Minuten. Wenig später wurde der eingewechselte Prass zentral vor dem Strafraum gefoult.
Michael Gregoritsch übernahm den Freistoß und erwischte Caoimhín Kelleher im Torwarteck. Eine komplizierte Variante war dafür nicht notwendig – dafür viel Cleverness beim Routinier und auch ein wenig die Überraschung, dass Gregoritsch es war, der den Freistoß schoss.
„Ich habe ein bisschen gespielt mit dem Tormann“, erklärte Gregoritsch danach. Mit seinem extrem kurzen Anlauf wollte er Kelleher dazu verleiten, früh auf einen Schuss über die Mauer zu spekulieren. Genau das passierte, Gregoritsch traf zum 2:2 und rettete Österreich einen Punkt.
Einwurfvariante rettet Österreich im Kosovo
Den bislang deutlichsten Ritscher-Stempel gab es schließlich beim 1:1 in Prishtina. Österreich fand auf dem schwierigen Rasen lange kaum Lösungen und lag nach 70 Minuten zurück. Fünf Minuten vor Schluss half wieder eine einstudierte Standardsituation.
Kevin Danso schleuderte einen weiten Einwurf in den Strafraum, Sasa Kalajdzic verlängerte per Kopf und Christoph Lang köpfte den Ball sehenswert vom Elferpunkt zum Ausgleich ins Tor.
Diesmal bestätigten die Spieler nach der Partie ausdrücklich, dass die Variante unter Ritscher trainiert worden war. „Ich freue mich auch für ihn, dass es geklappt hat“, sagte Lang über den neuen ÖFB-Co-Trainer.
Danso erklärte wiederum, dass seine Einwürfe durchaus noch weiter fliegen könnten. Entscheidend sei aber nicht die maximale Distanz, sondern die vereinbarte „Zielzone“, die er treffen müsse. Und die wiederum ist im Idealfall eben dort, wo der Zwei-Meter-Mann des LASK lauert…
Vier Spiele, mehrere entscheidende Standards
Österreich erzielte in den ersten vier Nations-League-Partien neun Treffer. Zählt man Schmids Elfmeter gegen Israel mit, hatten vier davon ihren Ursprung in ruhenden Bällen: Ein Elfmeter, ein Freistoß mit Kopfballabschluss, ein direkt verwandelter Freistoß und nun eine einstudierte Einwurfvariante.
Zumindest zwei davon sind den neuen Standardfinessen Ritschers zuzuschreiben – ein durchaus guter Schnitt, wenngleich auch bemerkt werden muss, dass aus den insgesamt 19 Eckbällen, was für vier Partien, in die man weitgehend als Favorit ging, nicht viel war, nichts Zählbares herausschaute.
Der Trend ist dennoch deutlich. Standards waren unter Rangnick nicht immer eine besondere Stärke des Nationalteams. Mit Ritscher wurde nun bewusst ein Spezialist ins Trainerteam aufgenommen – und bereits beim ersten Lehrgang haben ruhende Bälle Österreich mehrere wichtige Tore und Punkte eingebracht. Eine weitere Verfeinerung der neuen Waffe soll dann im nächsten Lehrgang im November folgen…
