FIFA WM 2026

Rangnick und Sabitzer vor Argentinien: „Eigene Geschichte schreiben“

Österreich steht vor einem der größten Spiele der jüngeren Verbandsgeschichte. Nach dem 3:1-Auftaktsieg gegen Jordanien trifft die Mannschaft von Ralf Rangnick im zweiten Gruppenspiel der WM auf Titelverteidiger Argentinien. In Dallas wartet nicht nur Lionel Messi, sondern eine Mannschaft, die Rangnick auf der Pressekonferenz vor dem Spiel nahezu ohne erkennbare Schwächen beschrieb. Wir haben die wichtigsten Aussagen der Pressekonferenz für euch zusammengefasst!

Der ÖFB-Teamchef blieb seiner kommunikativen Linie treu. Er sprach mit großem Respekt über den Gegner, vermied aber jede Form von Ehrfurcht. Argentinien sei nicht nur Messi, sondern auf allen Positionen außergewöhnlich besetzt. Rangnick verwies auf die individuelle Qualität, die taktische Flexibilität und die Fähigkeit der Südamerikaner, während eines Spiels auf unterschiedliche Muster zu wechseln.

Mehr als nur Messi

Natürlich drehte sich ein großer Teil der internationalen Pressekonferenz um Lionel Messi. Der 38-Jährige startete mit einem Hattrick gegen Algerien in das Turnier und steht vor dem Duell mit Österreich erneut im Mittelpunkt. Rangnick ordnete den Weltstar klar ein, machte aber gleichzeitig deutlich, dass Österreich den Fokus breiter anlegen muss.

„Er ist wahrscheinlich der beste Spieler aller Zeiten, aber Argentinien ist viel mehr als Messi“, betonte Rangnick. Messi kann Spiele in einzelnen Momenten entscheiden, doch Argentinien ist unter Lionel Scaloni seit Jahren mehr als eine Mannschaft, die um ihren Kapitän kreist. Der Weltmeister kann über Ballbesitz kontrollieren, aber auch schnell vertikal spielen, lange Bälle einbauen und in Umschaltmomenten sofort gefährlich werden. Man findet quasi keinerlei Schwächen bei den „Gauchos“, egal in welchen Spielphasen.

Rangnick beschrieb Argentinien deshalb nicht als reine Ballbesitzmannschaft. Die Südamerikaner würden gerne den Ball haben, aber sehr zielgerichtet nach vorne spielen. Genau diese Mischung macht den Gegner schwer berechenbar. Österreich muss also nicht nur einzelne Zonen schließen, sondern auch gedanklich schnell genug sein, um plötzliche Tempowechsel und tiefe Pässe früh zu antizipieren.

Taktische Disziplin und Mut

Rangnick betonte mehrfach, dass Österreich gegen Argentinien auf einem außergewöhnlich hohen Niveau spielen müsse. „Wir müssen zeigen, dass wir eines der besten Teams dieser Weltmeisterschaft sind. Wir müssen auf einem sehr hohen taktischen Niveau spielen, und Energie und Mut müssen ebenfalls auf Topniveau sein“, erklärte der Teamchef. Das ist ein hoher Anspruch, aber gegen einen Gegner dieser Qualität auch notwendig.

Österreich wird Phasen ohne Ball überstehen müssen. Entscheidend wird sein, wie kompakt das Mittelfeld bleibt, wie gut die Abstände zwischen den Linien funktionieren und ob es gelingt, Messi und die anderen Offensivspieler aus den gefährlichsten Zonen fernzuhalten. Gleichzeitig darf die Rangnick-Elf nicht nur verteidigen. Der Teamchef sprach ausdrücklich davon, dass Österreich auch mutig sein müsse.

Das passt zur Identität, die Rangnick seit seiner Übernahme aufgebaut hat. Österreich will nicht passiv „leiden“, sondern über Pressing, klare Abläufe und schnelle Entscheidungen ins Spiel kommen. Gegen Argentinien wird das schwieriger als gegen Jordanien.

Sabitzer will den Moment genießen

Marcel Sabitzer sprach auf der Pressekonferenz über die besondere Bühne, aber auch über die eigene Form. Der Offensivspieler geht mit Selbstvertrauen in die Partie und betonte, dass Österreich nicht nur dabei sein, sondern seinen eigenen Weg gehen wolle. „Wir wollen hier unsere eigene Geschichte schreiben“, sagte Sabitzer sinngemäß.

Der Routinier verwies auf die gute Stimmung nach dem Auftaktsieg, blieb aber ebenso klar in der Einschätzung der Aufgabe. Gegen Argentinien müsse Österreich an die eigene Leistungsgrenze gehen. Für Sabitzer selbst ist das Spiel auch emotional besonders. Ein großes Stadion, ein Gegner mit Weltstars, ein WM-Spiel gegen den Titelverteidiger – genau für solche Momente arbeitet man als Spieler.

Gleichzeitig sprach Sabitzer nicht nur über die Atmosphäre, sondern auch über Verantwortung. Er will seine Torserie fortsetzen und der Mannschaft mit Abschlüssen, Läufen und Präsenz im letzten Drittel helfen. Unter Rangnick gehört er zu den wichtigsten Spielern, weil er Pressing, Spielintelligenz und Torgefahr verbindet.

Stadion, Rhythmus und die Posch-Frage

Auch die äußeren Bedingungen waren bei der Pressekonferenz Thema. Das Spiel findet in einem riesigen Stadion mit geschlossenem Dach statt, erwartet wird eine außergewöhnliche Kulisse. Rangnick sprach von einer Atmosphäre, die für die Spieler besonders werden könne. Die klimatisierten Bedingungen im Stadion sind für Österreich eher ein Vorteil, weil extreme Hitze dadurch weniger ins Gewicht fällt.

Personell bleibt Stefan Posch ein Thema. Der Rechtsverteidiger trainierte nach seinem Kieferbruch mit einer eigens angepassten Schutzmaske. Rangnick erklärte, dass Posch grundsätzlich verfügbar sei. Ob er von Beginn an spielt oder zunächst auf der Bank sitzt, hängt von seinem endgültigen Gefühl und der Einschätzung des Trainerteams ab.

Auch die Startelf wurde laut Rangnick erst nach den letzten Eindrücken und Fitnesschecks intern kommuniziert. Mit Spielern, die nicht beginnen, wurden Einzelgespräche geführt. Der Teamchef betonte dabei die Bedeutung des gesamten Kaders. Gerade bei einer WM brauche man mehr als elf Spieler, weil unterschiedliche Gegner und Spielverläufe verschiedene Lösungen verlangen.

Gegen alle Wahrscheinlichkeiten

Argentinien ist Favorit, daran ließ Rangnick keinen Zweifel. Gleichzeitig sieht er seine Mannschaft nicht chancenlos. Entscheidend sei, welches Niveau Österreich selbst erreiche. Die Mannschaft habe einen eigenen Stil, Mut und Widerstandskraft. In einem Ball- und Mannschaftssport sei immer etwas möglich, wenn die eigene Leistung stimmt.

Nach dem Sieg gegen Jordanien könnte Österreich mit einem Punkt gegen Argentinien einen großen Schritt Richtung KO-Phase machen. Ein Sieg wäre natürlich eine Sensation. Rangnick und Sabitzer machten aber deutlich, dass es nicht um Ehrfurcht geht, sondern um Umsetzung. Österreich will gegen den Weltmeister nicht nur reagieren, sondern die eigene Geschichte weiterschreiben.