Nationalteam

Rangnick nach 3:1 gegen Kosovo: „Heute hat es fast 90 Minuten gescheppert“

Österreich hat auch das zweite Spiel der neuen Nations-League-Saison gewonnen und sich mit dem 3:1 gegen den Kosovo nach zwei Partien bereits sechs Punkte gesichert. Teamchef Ralf Rangnick zeigte sich nach dem Heimspiel vor allem mit dem Energielevel seiner Mannschaft, dem aggressiven Spiel gegen den Ball und den Umschaltmomenten zufrieden. Zudem sprach er über Xaver Schlager, die vielen Änderungen in der Startelf, die Torhütersituation und mehrere Personalfragen.

Das sagt Ralf Rangnick über…

…die Leistung gegen den Kosovo…

„Mir ging es darum, wie wir uns heute auf dem Platz präsentieren, vor allem was den Energielevel angeht. Es war klar, dass wir eine höhere Energie brauchen als der Gegner, wenn wir dieses Spiel gewinnen wollen und, dass wir bei der Intensität auf höchstem Niveau performen müssen.“

Genau das habe seine Mannschaft umgesetzt: „Ich finde, dass das heute fast über das gesamte Spiel der Fall war. Deswegen haben wir das Spiel auch dominiert und kontrolliert. Das war genauso, wie wir uns das vorgestellt hatten.“

…die vielen Veränderungen in der Startelf…

Rangnick betonte erneut, dass Fitness und aktueller Trainingszustand bei seiner Auswahl entscheidend seien.

„Wir haben den Kader bewusst so zusammengestellt, dass wir ausschließlich Spieler eingeladen haben, die nicht nur gesund, sondern auch matchfit sind. Im ersten Spiel haben schon diejenigen gespielt, bei denen das zu 100 Prozent der Fall war. Und diesmal habe ich auch gesagt: Wir stellen nur Spieler auf, die absolut matchfit sind und uns im Training gezeigt haben, dass sie gut drauf sind.“

Die veränderte Formation habe diese Entscheidung bestätigt. Den Begriff „Umbruch“ wollte Rangnick dennoch nicht überstrapazieren: „Umbruch gefällt mir als Wort nicht besonders. Es ist doch klar: Wenn so viele Spieler, die bei der WM dabei waren und teilweise in der Startelf standen, nicht da sind, dann spielen andere. Und die machen es gut. Das ist eigentlich das, was zählt.“

…das gewünschte „Scheppern“…

Schon zu Beginn des Lehrgangs hatte Rangnick eine deutlich höhere Trainingsintensität eingefordert.

„Ich habe gesagt: Es muss wieder scheppern im Training. Und ich finde, heute hat es fast 90 Minuten gescheppert. Im Training war es genauso.“

Nun gehe es darum, dieses Niveau beizubehalten: „Wir müssen auf diesem Energielevel weitertrainieren und weiterspielen. Dann ist es so wie heute eben nicht so angenehm, gegen uns zu spielen.“

Ganz zufrieden war der Teamchef dennoch nicht mit jeder Phase. Vor allem nach Ballgewinnen seien in der ersten Halbzeit einige Anschlussaktionen noch zu unsauber gewesen. „Da waren zwei, drei Bälle dabei, die wieder beim Gegner oder im Seitenaus gelandet sind. Das haben wir danach besser gemacht.“

…die wiedergewonnene Konterstärke…

Besonders zufrieden war Rangnick mit Österreichs Umschaltspiel.

„Heute waren wir wirklich wieder richtig kontergefährlich. Ich habe schon vor 35 oder 40 Jahren als Trainer zu meinen Mannschaften gesagt: Wer kontert und vor allem wer gut kontert, gewinnt.“

Mit Patrick Wimmer habe Österreich viel Geschwindigkeit im Spiel gehabt, nach den Wechseln sei weiteres Tempo dazugekommen. „Das war genau das, was wir wollten: Ein richtig aggressives Spiel gegen den Ball und dann die entsprechenden Umschaltmomente, die zu klaren Torchancen geführt haben. Das zweite Tor kann man als Konter eigentlich nicht viel besser ausspielen und das dritte genauso.“

…Xaver Schlager…

Nach einer aus Rangnicks Sicht nicht optimalen Weltmeisterschaft zeigte sich Xaver Schlager nun wieder deutlich verbessert.

„Heute war er wieder der alte Xaver. Gegen Israel war er schon gut, aber heute hat er sicher noch einmal einen draufgesetzt. So hätten wir ihn natürlich auch bei der WM gebraucht.“

Auch die taktische Anpassung im Zentrum hob Rangnick hervor: „Wir haben die Grundordnung im Mittelfeld ein bisschen verändert und mit der Spitze nach hinten gespielt, also mit einem Sechser und zwei Achtern. Das haben wir ganz bewusst gemacht, um mehr Zugriff auf ihre Dreier- bzw. Fünferkette zu bekommen. Xaver so, wie er heute gespielt hat, ist der Xaver, den wir brauchen.“

…die jungen Spieler und Debütanten…

Einzelne Akteure wollte Rangnick nach dem Sieg bewusst nicht zu stark herausheben.

„Heute wäre es nicht korrekt, jemanden hervorzuheben. Dass die Jungen es gut gemacht haben und dass die Debütanten es gut gemacht haben, hat jeder gesehen.“

Entscheidend sei vielmehr das Gesamtbild: „Wenn wir so als Mannschaft auftreten, können wir auch Positionen kompensieren, auf denen wir vielleicht zahlenmäßig weniger Alternativen haben. Dann können wir trotzdem so spielen wie heute.“

…Christian Zawieschitzky und die Torhüterfrage…

Großes Lob erhielt der erst 19-jährige Christian Zawieschitzky nach seinem Debüt.

„Wir wussten, was für ein großes Talent da heranwächst. Wenn man sieht, wie er das heute gespielt hat, kann man eigentlich gar nicht glauben, dass er erst 19 ist und vorher noch nie für die A-Nationalmannschaft gespielt hat.“

Zawieschitzky soll nun voraussichtlich zur U21 weiterreisen. Für die nächsten beiden Spiele ließ Rangnick die Torhüterfrage bewusst offen: „Es ist gut möglich, dass am Donnerstag ein Dritter die Chance bekommt und vielleicht im vierten Spiel sogar auch noch der vierte. Das will ich nicht ausschließen. Aber ich möchte die Trainingswoche abwarten.“

…Sasa Kalajdzic und die Belastungssteuerung…

Bei Sasa Kalajdzic sei die Entscheidung gegen einen Startelfeinsatz in enger Abstimmung mit dem Stürmer gefallen.

„Normalerweise hätte er womöglich von Anfang an spielen sollen. Aber ich habe mich gestern länger mit ihm unterhalten und er hat mir gesagt, dass es ihm lieber wäre, wenn er wieder von außen reinkommt.“

Hintergrund sei dessen Verletzungshistorie. Kalajdzic hatte zuvor auf Klubebene nie länger als rund 30 Minuten gespielt und gegen Israel bereits deutlich mehr Einsatzzeit erhalten. „Er hatte schon einmal eine Situation in Frankfurt, wo er ein richtig gutes Spiel gemacht hat, vier Tage später wieder gespielt hat und sich dann den erneuten Kreuzbandriss zugezogen hat. Deswegen war das aus meiner Sicht die absolut richtige Entscheidung.“

…Mwene, Veratschnig, Affengruber und Wanner…

Phillipp Mwene spürte im Abschlusstraining ein Problem an der hinteren Oberschenkelseite. „Es war keine Verletzung, aber wenn der Muskel in diesem Bereich zumacht, warum soll man das riskieren?“

Dadurch bekam Nikolas Veratschnig seine Chance. Rangnick lobte dessen Auftreten ausdrücklich: „Er hat weder im Verein noch bei uns im Training oder heute gewirkt wie ein Debütant. Auch er hat es richtig gut gemacht.“

David Affengruber habe sich seinen Einsatz ebenfalls verdient. „Er macht einen super Eindruck und hat nach seinem Wechsel zwei Topspiele gegen Gegner wie Liverpool und Manchester United gemacht. Das musst du erst einmal machen.“

Philipp Lienhart wiederum war deshalb nicht auf dem Spielberichtsbogen, weil Rangnick ohnehin nicht mit einem Einsatz geplant hatte. Für die nächste Partie sei er aber wieder ein Kandidat, „auch gut möglich, dass er von Anfang an spielt“.

Bei Paul Wanner gab es schließlich leichte Beschwerden im Fußgewölbe. Rangnick sprach von einer Schmerzproblematik und zeigte sich zuversichtlich, dass der Offensivspieler für Donnerstag wieder zur Verfügung stehen könnte.

…die Rotation in den nächsten Spielen…

Rangnick machte abschließend deutlich, dass die breite Rotation kein Zufall ist.

„Wir haben aus einem früheren Lehrgang mit vier Spielen gelernt. Damals wurde das Energielevel mit jedem Spiel ein Stück weniger und im letzten Spiel hatten wir gar keine Power und keinen Sprit mehr im Tank.“

Diesmal soll es anders laufen: „Wir haben gesagt, dass wir in größerem Stil rotieren werden, ohne Qualität zu verlieren. Das ist der entscheidende Faktor. Heute war das ganz klar der Fall. Im Gegenteil: Wir haben vielleicht sogar noch einmal einen draufgesetzt gegenüber Israel.“

Nach zwei Siegen zum Auftakt richtet sich der Blick nun auf das kommende Auswärtsspiel in Dublin. Rangnick erwartet dort eine andere Atmosphäre und eine andere Herangehensweise des Gegners. Nach einem Regenerationstag soll die konkrete Vorbereitung darauf beginnen.