Italien

Trainer-Coup kurz vor dem Abschluss: Glasner soll Milan-Coach werden

Oliver Glasner steht offenbar kurz vor einem Wechsel zum AC Milan. Laut der italienischen Sporttageszeitung „Corriere dello Sport“ hat der oberösterreichische Trainer dem Traditionsklub bereits grundsätzlich zugesagt. In den vergangenen Tagen soll es weitere Gespräche zwischen Glasner und den Verantwortlichen der Rossoneri gegeben haben, die positiv verlaufen seien.

Eine endgültige Entscheidung ist demnach noch nicht gefallen. Das letzte Wort sollen Klubbesitzer Gerry Cardinale und Berater Zlatan Ibrahimović haben. Dennoch deutet vieles darauf hin, dass Milan in Glasner den bevorzugten Kandidaten für die Nachfolge von Massimiliano Allegri sieht. Der 51-Jährige soll bereit sein, die Aufgabe möglichst zeitnah zu übernehmen.

Glasner entscheidet sich gegen andere Optionen

Glasner soll sich in den vergangenen Tagen auch gegen andere Möglichkeiten entschieden haben. Unter anderem wurde Feyenoord Rotterdam als Interessent genannt. Der niederländische Traditionsklub soll beim früheren Trainer von Eintracht Frankfurt und Crystal Palace angefragt haben, im Werben um Glasner aber leer ausgegangen sein.

Für den Oberösterreicher wäre Milan der nächste große Schritt in einer Karriere, die ihn über Österreich, Deutschland und England nun möglicherweise zu einem der größten Klubs Italiens führen könnte. Nach Stationen bei Ried, dem LASK, dem VfL Wolfsburg, Eintracht Frankfurt und Crystal Palace wäre es seine erste Trainerstation in der Serie A.

Bei Milan käme Glasner in eine Phase des Umbruchs. Der Klub verpasste unter Allegri die Qualifikation für die Champions League, intern werden sowohl sportliche als auch strukturelle Veränderungen diskutiert. Genau in diese Situation würde Glasner mit seinem klaren, intensiven und gut organisierten Fußball passen.

Intensität statt Verwaltung

In Mailand wird Glasner laut italienischen Berichten vor allem wegen seiner Spielidee geschätzt. Seine Mannschaften stehen für hohes Pressing, schnelle Balleroberungen, klare Abläufe gegen den Ball und intensive Umschaltmomente. Es ist ein Ansatz, der sich deutlich von der zuletzt stärker defensiv geprägten Ausrichtung unter Allegri unterscheiden würde – und das, was die Fans der „Rossoneri“ gerne sehen würden.

Glasner gilt dabei nicht als Trainer, der extreme Experimente forciert. Seine Teams sind in der Regel klar strukturiert, rollenfest und auf hohe Wiedererkennbarkeit ausgelegt. Beim LASK baute er eine Mannschaft auf, die über Pressing, Tempo und kollektive Intensität funktionierte. In Wolfsburg führte er den – mittlerweile abgestiegenen – Klub in die Champions League. Mit Eintracht Frankfurt gewann er 2022 die Europa League, bei Crystal Palace gelang ihm zuletzt mit der Conference League ein weiterer internationaler Titel.

Gerade diese Mischung aus Ordnung, Erfahrung und Intensität dürfte für Milan interessant sein. Der Klub braucht nach einer enttäuschenden Saison nicht nur einen neuen Trainer, sondern auch wieder eine klare sportliche Richtung – für die Glasner ganz klar steht.

Milan sucht auch strukturell nach Stabilität

Die Trainersuche ist allerdings nur ein Teil der offenen Fragen. Beim AC Milan wird aktuell auch über die Besetzung wichtiger Führungspositionen diskutiert. Neben der Trainerposition sind auch Rollen im Management und in der sportlichen Leitung heiße Themen.

In diesem Zusammenhang fällt weiterhin der Name Ralf Rangnick. Der ÖFB-Teamchef soll als Kandidat für den Posten des Technischen Direktors gelten. Gleichzeitig ist unklar, ob der österreichische Verband Rangnick überhaupt ziehen lassen würde. Der ÖFB möchte mit ihm über die WM hinaus weiterarbeiten und den Vertrag verlängern.

Als Alternativen werden in Italien auch Ramon Planes und Devin Özek genannt. Özek war zuletzt bei Fenerbahçe tätig und zuvor in Leverkusen Teil jener sportlichen Struktur, die unter Xabi Alonso eine außergewöhnliche Entwicklung nahm.

Österreichischer Trainer vor Topklub-Aufgabe

Sollte Glasner tatsächlich beim AC Milan unterschreiben, wäre das ein weiteres starkes Signal für österreichische Trainer im internationalen Fußball. Nach seinen Erfolgen in Deutschland und England würde er nun einen Klub übernehmen, bei dem der Erwartungsdruck deutlich höher ist als bei seinen bisherigen Stationen.

Milan ist kein Entwicklungsprojekt im klassischen Sinn, sondern ein Verein mit Titelanspruch, großer Geschichte und unruhigem Umfeld. Genau darin liegt die Herausforderung. Glasner müsste nicht nur eine Mannschaft formen, sondern auch in einer Phase arbeiten, in der der Klub seine sportliche Struktur neu ordnet.

Noch ist der Wechsel nicht offiziell. Die Berichtslage aus Italien deutet aber klar darauf hin, dass Glasner in Mailand in der Pole Position steht. Für den Oberösterreicher wäre es der bislang prominenteste Trainerjob seiner Karriere.