Österreichische Bundesliga

3. Runde: Rapid-Gala und ein kurioser xG-Abend in Tirol

Die dritte Runde der Bundesliga brachte einen historischen Rapid-Kantersieg, einen effizienten LASK und mehrere Partien, bei denen Ergebnis und Chancenqualität deutlich auseinanderlagen. Besonders auffällig waren die Zahlen dabei beim 0:3 der WSG Tirol gegen Salzburg und beim knappen Sturm-Heimsieg gegen Altach.

LASK – SV Ried 4:1 (3:1)

Ried erwischte in Linz den besseren Start und ging bereits in der achten Minute durch Pape Sissoko in Führung. Die Antwort des LASK fiel umgehend: Samuel Adeniran glich zwei Minuten später aus, Moses Usor drehte die Partie in der 18. Minute und Adeniran sorgte nach 27 Minuten mit seinem zweiten Treffer bereits für klare Verhältnisse. Der eingewechselte Christoph Lang stellte in der 57. Minute auf 4:1, ehe Robert Ljubičić in der 74. Minute Rot sah und für vier Spiele – davon zwei bedingt – gesperrt wurde.

Der LASK war vor dem Tor enorm effizient. Aus 14 Abschlüssen und 1,84 xG machten die Linzer vier Treffer, während Ried bei nur fünf Schüssen und 0,77 xG blieb – keine Mannschaft ließ an diesem Spieltag weniger gegnerische Abschlüsse zu. Adenirans Doppelpack entstand lediglich aus einem Wert von 0,19 xG. Usor traf selbst und verbuchte zudem zwei Assists, Lang wiederum wurde seiner Rolle als verlässlicher Joker ebenfalls wieder gerecht.

Ebenfalls auffällig: Die Rieder kamen auf einen PPDA-Wert von 9,41 und eroberten somit die Bälle schneller zurück als der LASK, der mit 13,30 auf einen doch klar höheren Wert kam.

Austria Lustenau – Wolfsberger AC 2:1 (2:1)

Austria Lustenau feierte gegen den Wolfsberger AC den ersten Saisonsieg. Antonio Verinac brachte die Vorarlberger mit einem Doppelpack in der 23. und 32. Minute auf Kurs, Giacomo Vrioni verkürzte unmittelbar vor der Pause auf 2:1. Danach fiel trotz deutlicher Wolfsberger Ballbesitzvorteile kein weiterer Treffer.

Der WAC kam auf 64,6 Prozent Ballbesitz und spielte mit 91 progressive Pässe und damit die meisten aller Teams in der 3. Runde, Lustenau benötigte für 20 Abschlüsse und starke 3,49 xG aber nur 35,4 Prozent Ballbesitz. Verinac kam auf vier Schüsse und sieben Ballkontakte im gegnerischen Strafraum. Emmanuel Chukwu sammelte 19 Balleroberungen – Bestwert aller Spieler an diesem Wochenende.

SK Sturm Graz – SCR Altach 1:0 (0:0)

Sturm musste für den zweiten Saisonsieg hart arbeiten. Altach hatte in der Anfangsphase mehrere gute Möglichkeiten, doch der starke Daniil Khudyakov hielt die Grazer im Spiel. Erst in der 78. Minute fiel die Entscheidung, als Seedy Jatta per Kopf zum 1:0 traf.

Die Daten unterstreichen, wie eng die Partie war. Sturm hatte zwar 17 Abschlüsse – gegenüber neun von Altach –, die Vorarlberger brachten aber vier Schüsse aufs Tor, die Grazer nur zwei. Auch beim xG-Wert lagen die Gäste mit 1,57 : 1,51 knapp vorne. Sturm stellte mit einem PPDA-Wert von 7,40 den Bestwert der Runde, Altach folgte mit 8,83 auf Rang drei. Die Vorarlberger verbuchten außerdem 58 Interceptions und damit mehr als jedes andere Team.

TSV Hartberg – Austria Wien 0:2 (0:1)

Austria Wien holte in Hartberg die ersten drei Punkte der Saison. Daniel Nnodim erzielte in der 33. Minute nach Vorarbeit von Tae-seok Lee das 1:0, Julian Hettwer entschied die Partie in der 76. Minute nach Zuspiel von Manfred Fischer. Für beide waren es die ersten Bundesligatore für die Austria.

Hartberg hatte mit 56,9 Prozent mehr Ballbesitz und lag bei den Abschlüssen nur knapp mit 12:13 zurück, erzeugte daraus aber lediglich 1,05 xG. Die Austria kam auf 1,30 xG. Tae-seok Lee verzeichnete neben seinem Assist 18 Balleroberungen und elf Interceptions und war damit einer der auffälligsten Spieler der Veilchen. Hettwer gab fünf Schüsse ab – gemeinsam mit Rapids „Viererpacker“ Tonni Adamsen war das der Höchstwert der Runde.

WSG Tirol – RB Salzburg 0:3 (0:2)

Salzburg stellte die Weichen innerhalb weniger Minuten auf Sieg. Karim Konaté traf in der 15. Minute, Frans Krätzig legte in der 17. Minute nach. Nach der Pause sorgte Sota Kitano in der 70. Minute für den Endstand. Das klare Resultat täuscht allerdings über den ungewöhnlichen Spielverlauf hinweg.

Salzburg kam auf 4,07 xG, die WSG trotz der drei Gegentore auf bemerkenswerte 3,88 xG. Die Tiroler hatten mit durchschnittlich 0,30 xG pro Abschluss sogar die hochwertigsten Schüsse aller Mannschaften dieser Runde, verwerteten aber keine ihrer Chancen und ließen durch Lukas Hinterseer auch einen Elfmeter ungenutzt. Salzburg blockte sieben Abschlüsse mit insgesamt 1,73 xG. Gleichzeitig war die WSG mit einem PPDA-Wert von 29,82 die Mannschaft mit dem passivsten Pressing des Spieltags, was aber angesichts des Gegners keine Überraschung war. Der extrem hohe Wert hat dennoch Seltenheitscharakter.

SK Rapid – Grazer AK 8:0 (5:0)

Das spektakulärste Spiel der Runde war nach einer Viertelstunde praktisch entschieden. Ercan Kara traf in der fünften und zwölften Minute, Tonni Adamsen erhöhte in der 14. Minute. Noch vor der Pause legten Nenad Cvetković und erneut Adamsen nach. Yusuf Demir erzielte in der 56. Minute das 6:0, ehe Adamsen mit zwei weiteren Treffern seinen Viererpack komplettierte. Kara wurde mit seinem zweiten Treffer zum alleinigen Rekordtorschützen im Allianz Stadion, Adamsen gelang dort der erste Viererpack überhaupt.

Rapid dominierte auch statistisch. 73,6 Prozent Ballbesitz, 26 Abschlüsse, 16 Schüsse aufs Tor und 5,80 xG standen nur 0,77 xG des GAK gegenüber. Dazu spielten die Hütteldorfer 790 Pässe, von denen 733 ankamen – eine Quote von 93 Prozent, die noch beeindruckender wirkt, wenn man betrachtet in welch hohen Zonen sich die Hütteldorfer durchwegs aufhielten.

Mit 39 Strafraumkontakten führte Rapid ebenfalls die Runde klar an. Trainer Johannes Hoff Thorup hob speziell Demir hervor: „Er spielt auf einem ganz anderen Niveau, als ich es bisher von ihm gewohnt war. Vor allem ohne Ball arbeitet er im Moment unglaublich hart.“

Spieler der Runde: Yusuf Demir

Yusuf Demir war beim 8:0 nicht der erfolgreichste Scorer, prägte Rapids Offensivspiel aber über viele Bereiche. In 84 Minuten erzielte er das 6:0 und leitete zahlreiche aussichtsreiche Aktionen ein. Das Publikum ließ er auch immer wieder mit einem einen oder anderen „Kabinettstückerl“ raunen. Sein Treffer entstand aus einer Chance von nur 0,17 xG, wurde aber mit 0,59 xGOT sehr präzise abgeschlossen.

Dazu führte Demir mit fünf Schlüsselpässen die gesamte Runde an, wurde siebenmal gefoult – ebenfalls Höchstwert – und gehörte mit fünf progressiven Läufen zu den Besten des Spieltags. Die Kombination aus Kreativität, Ballprogression, Tor und verbesserter Arbeit gegen den Ball macht ihn zum Spieler der Runde – auch wenn seine Kollegen Kara und vor allem Adamsen mit mehr Zählbarem aufwarten konnten, als der 23-Jährige.