England

Trainersuche bei Manchester United: Oliver Glasner einer der Top-Kandidaten

Manchester United trennte sich am 5. Januar 2026 von Ruben Amorim. Die Entscheidung beendete eine nur 14 Monate lange Amtszeit, in der Amorim in 63 Pflichtspielen auf 24 Siege, 18 Unentschieden und 21 Niederlagen kam. In der Premier League fiel die Bilanz besonders schwach aus: 15 Siege aus 47 Spielen, im Schnitt 1,23 Punkte pro Partie – nach Darstellung englischer Medien die schlechteste Ausbeute eines United-Trainers seit Einführung der Premier League.

Der Bruch erfolgte nicht allein aus sportlichen Gründen. Nach dem 1:1 gegen Leeds United kritisierte Amorim in einer Pressekonferenz offen die Klubführung und forderte Sportdirektor Jason Wilcox auf, „seinen Job zu machen“. Übereinstimmenden Berichten zufolge eskalierten damit ohnehin bestehende Spannungen. Ein zentraler Streitpunkt war Amorims Weigerung, sein 3-4-3-System an Kaderstruktur und Spielverlauf anzupassen.

In der anschließenden Nachfolgedebatte tauchte ein Name in nahezu allen großen englischen Medien auf: Oliver Glasner. The Independent berichtete gestern, Manchester United habe Glasner als Top-Kandidaten identifiziert. Gleichzeitig betonte das Blatt, dass der Klub eher eine Entscheidung im Sommer anstrebte als eine sofortige Fixlösung. Auch der Telegraph bezeichnete Glasner als einen der Top-Kandidaten und BBC Sport schrieb ebenfalls, er sei wahrscheinlich das Top-Ziel von Manchester United. Der Evening Standard führte ihn zudem als Buchmacher-Favoriten für den Job.

Oliver Glasner führte Crystal Palace 2025 zum FA-Cup-Sieg, dem ersten großen Titel der Klubgeschichte, und gewann anschließend auch den Community Shield. Zuvor hatte er sich mit dem Europa-League-Sieg 2022 mit Eintracht Frankfurt international einen Namen gemacht. The Independent hob hervor, dass Palace unter Glasner zu einem der unangenehmsten Gegner der Liga wurde.

Ein weiterer Punkt war Glasners Umgang mit Systemfragen. Während Amorim für seine Starrheit kritisiert wurde, bescheinigten ihm mehrere Medien eine deutlich höhere Anpassungsfähigkeit. Die Dreierkette galt bei Glasner nicht als Selbstzweck. Glasner richtet sich nach den Stärken und Schwächen seines Kaders und ist hier deutlich flexibler. Genau dieser Gegensatz wurde in der Berichterstattung immer wieder als Argument angeführt.

Hinzu kommt die vertragliche Situation. Glasners Kontrakt bei Palace läuft im Juni 2026 aus, eine Verlängerung galt laut mehreren Berichten als unwahrscheinlich. Der Trainer zeigte sich offen für ein größeres Projekt. Für United wäre das finanziell attraktiv, da bei einem Wechsel im Sommer keine Ablöse fällig werden würde.

Parallel dazu dokumentierten englische Medien eine zunehmende Unzufriedenheit Glasners mit der Transferpolitik seines aktuellen Klubs. Bereits im Sommer 2025 kritisierte er öffentlich die fehlende Aktivität am Markt und verwies auf nicht eingehaltene Zusagen. Im Herbst folgten weitere Aussagen, in denen er mehr Unterstützung einforderte. The Independent berichtete, Glasner habe sich wiederholt gegen mögliche Verkäufe ausgesprochen und zusätzliche Verpflichtungen verlangt.

United könnte bis zum Sommer warten und die Saison mit einer Übergangslösung beenden. The Times und BBC berichteten übereinstimmend, dass erst nach Saisonende ein dauerhafter Trainer installiert werden sollte. Beim Independent hieß es zudem, Glasner wolle die Spielzeit mit Palace abschließen, auch mit Blick auf einen möglichen Titelgewinn in der Conference League.

Es gibt jedoch auch kritische Stimmen, die ein Glasner-Engagement als nicht ideal für United betrachten. The Independent verweist auf die Spielphilosophie des Österreichers: Passt ein Trainer, der häufig aus einer kompakten Struktur heraus agierte, zu einem Klub, der Ballbesitz und Dominanz erwartete? The Guardian lieferte bereits im Oktober 2025 eine ausführliche Analyse und wies darauf hin, dass Palace mit durchschnittlich 41,3 Prozent Ballbesitz zu den Schlusslichtern der Liga in dieser Kategorie zählte. Paul Merson äußerte sich entsprechend skeptisch und hielt Glasner für keine ideale Besetzung.

Im November 2025 verteidigte Oliver Glasner noch Amorims Ansatz und erklärte, das 3-4-3 sei weniger eine Frage der Formation als der Umsetzung. Entscheidend sei, wie ein Team arbeite und welche Prinzipien hinter dem System stünden. Eine Analyse vom Athletic stellte später heraus, dass Glasner und Amorim zwar dieselbe Grundordnung nutzten, aber völlig unterschiedliche Spielideen verfolgten: weniger Ballbesitz, dafür klarere defensive Abläufe und schnelleres Umschalten durch die Mitte.

Neben Glasner kursieren natürlich noch weitere Namen. Enzo Maresca wurde von talkSPORT als Kandidat genannt, vor allem wegen seiner Verbindungen zu Wilcox und CEO Omar Berrada aus gemeinsamen Zeiten bei Manchester City. Kieran McKenna, ehemaliger United-Assistent und Aufstiegstrainer von Ipswich Town, gilt laut Independent ebenfalls als Option. Auch Julian Nagelsmann wurde genannt; seine Verbindung zu Uniteds Rekrutierungsdirektor Christopher Vivell spielt dabei eine Rolle. Darüber hinaus tauchten Gareth Southgate, Marco Silva und Eddie Howe in einigen Berichten auf.