Lehren aus dem Argentinien-Spiel und die Baumgartner-Vermissung
Die 0:2-Niederlage am zweiten Gruppenspieltag gegen Argentinien war für die österreichische Nationalmannschaft durchaus lehrreich und zeigte ganz besonders, wie sehr der Ausfall von Christoph Baumgartner schmerzt.
Wie bereits in unserer Analyse zum 0:2 gegen Argentinien beschrieben, war die Nominierung von Paul Wanner auf der Zehnerposition aufgrund fehlender Bindung eine Fehlbesetzung. Die grundsätzliche Idee, den gebürtigen Dornbirner im offensiven Mittelfeld aufzubieten, war natürlich dennoch nachvollziehbar.
Wanner sollte die Weiterverarbeitung im letzten Drittel verbessern
Speziell in der Rückwärtsbewegung sollte Wanner, der bei seinem Klub PSV Eindhoven zuletzt hauptsächlich im defensiven und zentralen Mittelfeld, also als Sechser oder Achter, zum Einsatz kam, schneller hinter den Ball kommen und die Doppelsechs bestehend aus Schlager und Seiwald unterstützen. Dies war allerdings gegen Argentinien auch deswegen kaum der Fall, weil Solospitze Michael Gregoritsch häufig in den Zehnerraum antizipierte, um dort Zweikämpfe ziehen zu können, während Wanner als einer der ersten Anläufer eher nach vorne als nach hinten rückte und somit „rund um die Spitze“ arbeiten sollte.
Ziel war es hierbei, die Ball- und Passsicherheit des 20-Jährigen auszunützen und gegebenenfalls nach Balleroberungen im letzten Drittel eine bessere Entscheidungsfindung ins Offensivspiel zu bringen.
Baumgartner wäre der ideale „Rundumarbeiter“
Dies ist eine Rolle, für die Leipzig-Legionär Christoph Baumgartner, den das ÖFB-Team aktuell schmerzlich vermisst, prädestiniert wäre. Dieser vereint dabei nicht nur eine hervorragende Entscheidungsfindung und schnelle Reaktionszeit nach hohen Ballgewinnen, sondern anders als Wanner auch ein höheres Maß an Torgefährlichkeit und einen höheren Energielevel, wenn es zu tatsächlichen Gegenpressingmomenten kommt. Baumgartner wäre somit in der aktuellen Konstellation der Nationalmannschaft der perfekte „Rundumarbeiter“ im offensiven Zentrum. Das Gesamtpaket, das er mitbringt, kann allerdings derzeit kaum ersetzt werden.
Entwarnung bei Wanners Wade
Wanner war bei der Niederlage gegen Argentinien schließlich nach 68 Minuten ausgewechselt worden und musste sich auch einer Magnetresonanz unterziehen, nachdem er einen Schlag auf die Wade bekam. Mittlerweile gab es jedoch Entwarnung und der langjährige Bayern-Nachwuchsspieler, der sich erst im März für einen Wechsel zum österreichischen Verband entschied, sollte gegen Algerien wieder einsatzbereit sein.
Wiederholung der Zehnerrolle vorerst unwahrscheinlich
Dass er erneut die Rolle als Zehner einnimmt, scheint allerdings eher unwahrscheinlich. Wenn man das „Rund-um-den-Stürmer-Arbeiten“ als Basis des offensiven Matchplans für diese Position sieht, hat Rangnick im Grunde zwei Optionen, die aktuell besser geeignet scheinen, als Wanner auf seiner eigentlich angestammten Position im offensiven Mittelfeld.
Die eine Option wäre hierbei, Werder-Legionär Romano Schmid ins Zentrum zu ziehen und dafür Patrick Wimmer die rechte Außenbahn beackern zu lassen. Schmid ist zwar technisch nicht so außergewöhnlich beschlagen wie Wanner, bringt aber in anderen Spielphasen mehrere Vorteile mit sich und könnte im Zehnerraum rund um einen nach hinten antizipierenden Angreifer mit seiner Quirligkeit etwas mehr umrühren.
Die physische Option mit Chukwuemeka
Die andere, etwas defensivere Option wäre die Nominierung von Carney Chukwuemeka fürs offensive Mittelfeld, was wiederum gegen den Ball dieselbe Idee wie mit Wanner verfolgen würde, nämlich dass der etatmäßige Achter möglichst schnell hinter den Ball kommen kann und das Mittelfeld somit kompakter wird.
Chukwuemeka wiederum gilt als intensiver Akteur sowohl mit als auch gegen den Ball und könnte dem algerischen Spielaufbau auch mit seinen häufig fahrig wirkenden, aber schlussendlich sehr dynamischen Bewegungen das Leben schwer machen. Weiters bringt er mit seinen 187cm noch ein wenig mehr Physis und wohl auch den einen oder anderen Vorteil bei Standardsituationen mit sich.
Keine Extremexperimente
Grundsätzlich ist aber eher damit zu rechnen, dass Rangnick in der letzten Gruppenpartie, die man im Idealfall schlichtweg nicht verlieren sollte, keine großen Experimente wagen wird. Am wahrscheinlichsten sind demnach zwei Veränderungen in der Startelf der Österreicher, die das offensive Mittelfeld und wahrscheinlich auch die Rolle der Solospitze betreffen.
Auf der „Neun“ kommt es sehr stark auf den Fitnesszustand von Marko Arnautovic an, der weiterhin auf seinen ersten Startelf-Einsatz bei diesem Turnier wartet. Ob Gregoritsch, Arnautovic oder Kalajdzic als Speerspitze des ÖFB-Teams beginnt, hängt wohl auch stark von der Trainingsleistung der letzten Tage ab und ist aufgrund der grundsätzlichen Ähnlichkeit dieser Akteure auch ein wenig Rangnick’sche Geschmackssache…
