Rangnick vor Spanien: „Wir müssen über uns hinauswachsen“
Österreich steht im Sechzehntelfinale der WM 2026 vor einer Mammutaufgabe. Gegen Spanien trifft das ÖFB-Team auf den amtierenden Europameister und eine der bisher formstärksten Mannschaften des Turniers. Ralf Rangnick und David Alaba sprachen auf der Pressekonferenz über den Gegner, die geplante Herangehensweise, die körperliche Verfassung des Teams und die besondere Bedeutung des Spiels. Wir haben die wichtigsten Aussagen der Pressekonferenz für euch zusammengefasst.
Rangnick machte gleich zu Beginn klar, wie hoch er Spanien einschätzt. Nach dem Spiel gegen Weltmeister Argentinien warte nun der nächste Turnierfavorit. „Natürlich ist Spanien eine der spielstärksten Mannschaften, die es im Moment auf der Welt gibt“, sagte der Teamchef. Die Spanier hätten seit langer Zeit kein Spiel mehr verloren und bei dieser WM noch kein Gegentor kassiert. Wie Österreich taktisch auftreten werde, wollte Rangnick aber nicht verraten: „Wie wir spielen, werden Sie morgen sehen.“
Auch Alaba sprach von einem sehr speziellen Spiel. Ein KO-Duell bei einer Weltmeisterschaft sei für ihn persönlich, aber auch für die gesamte Mannschaft etwas Besonderes. „Wir spielen ein KO-Spiel bei einer Weltmeisterschaft. Dementsprechend ist es natürlich ein Spiel, das wirklich sehr speziell ist“, sagte der ÖFB-Kapitän. Körperlich fühle er sich gut, auch wenn er in den bisherigen drei Gruppenspielen jeweils vorzeitig ausgewechselt wurde.
Spanien als Favorit, Österreich mit eigenem Plan
Alaba kennt viele spanische Spieler aus seiner Zeit bei Real Madrid und aus LaLiga sehr genau. Er sieht eine Mannschaft mit enormer Qualität und Einzelspielern, die Partien entscheiden können. Gleichzeitig betonte er, dass Österreich nicht nur reagieren wolle. „Wir wollen unser Gesicht zeigen, unsere Stärken auf den Platz bringen und dann können wir sicherlich auch so eine Mannschaft ärgern.“
Später wurde Alaba noch deutlicher. Spanien spiele attraktiven und technisch hochwertigen Fußball, Österreich habe den Gegner in den vergangenen Tagen genau analysiert. Auf der einen Seite wolle man auf die eigenen Stärken bauen, auf der anderen Seite müsse man sich auf Spaniens Spiel einstellen. „Wir wollen uns nicht verstecken, im Gegenteil, wir wollen unser Spiel durchziehen und versuchen, erfolgreich zu sein.“
Rangnick verwies auf das Gruppenspiel Spaniens gegen Uruguay. Dort habe Spanien nur wenige klare Chancen herausgespielt, was auch an der mutigen, körperbetonten und aggressiven Spielweise der Uruguayer gelegen habe. Dieser Ansatz könnte für Österreich zumindest Hinweise liefern. Gleichzeitig hob Rangnick hervor, dass Österreich bei dieser WM bisher sogar ein Tor mehr erzielt habe als Spanien: Sechs Treffer gegenüber fünf.
Besonders angesprochen wurde auch Spaniens Offensivjuwel Lamine Yamal. Rangnick nannte ihn einen Spieler, der die nächsten 12, 13 oder 14 Jahre prägen könne, wenn er gesund und klar im Kopf bleibe. Für Österreich werde es darum gehen, ihm möglichst wenig Raum zu geben und ihn nicht in seine Tempodribblings kommen zu lassen.
Diskussion über Fitness und Belastung
Ein größeres Thema war die körperliche Verfassung der österreichischen Mannschaft. Nach dem 3:3 gegen Algerien war Kritik aufgekommen, einzelne Spieler oder das Team seien nicht bei 100 Prozent. Rangnick wies darauf hin, dass alle Mannschaften am Ende einer langen Saison stehen. Die Nationalmannschaft habe die Spieler nur wenige Male im Jahr zur Verfügung, bei einem Turnier könne man im Training eher zu viel als zu wenig machen.
Für den Fitnesszustand seien in erster Linie die Spieler selbst und die Vereine zuständig. Unterschiedliche Ausgangslagen gebe es dennoch. Rangnick nannte Alaba, der nach seiner schweren Verletzung immer wieder mit Rückschlägen umgehen musste und Sasa Kalajdzic, der vor einigen Monaten wohl nicht einmal davon geträumt hätte, bei dieser WM dabei zu sein. Die Zusammenarbeit mit den Vereinen und innerhalb des ÖFB sei aus seiner Sicht sehr sorgfältig gewesen.
Alaba sprach ebenfalls über seine Zeit bei Real Madrid und seine schwierige Verletzungsphase. Die Jahre in Spanien hätten ihn geprägt, sportlich wie persönlich. Zur Zukunft wollte er sich nicht festlegen. Sein voller Fokus liege derzeit auf der Weltmeisterschaft mit Österreich.
Mentale Stärke nach Algerien
Ein interessantes Thema war ein Workshop mit Ali Mahlodji im Vorfeld des Turniers. Alaba beschrieb die Einheit als „sehr inspirierend“. Mahlodji habe aus seinem Leben erzählt und davon, wie er mit Herausforderungen umgeht. Die Mannschaft habe danach darüber gesprochen und der Inhalt habe mit Sicherheit etwas mit dem Team gemacht.
Rangnick erzählte, dass er Mahlodji vor einigen Monaten kennengelernt und sich lange mit ihm ausgetauscht habe. Dessen Leben sei von Rückschlägen und unerwarteten Wendungen geprägt gewesen. Deshalb habe er ihn in die Vorbereitung eingebunden. Im Rückblick sieht Rangnick Parallelen zu den letzten Minuten gegen Algerien, als Österreich in der Nachspielzeit noch den Ausgleich erzielte. „In diesen letzten zweieinhalb, drei Minuten gegen Algerien hat tatsächlich vieles von dem stattgefunden“, sagte der Teamchef sinngemäß.
Mwene fällt aus
Personell muss Österreich gegen Spanien auf Phillipp Mwene verzichten. Rangnick erklärte, dass sich der Ausfall bereits nach dem Training abgezeichnet habe. Nach einem MRT-Termin spät am Abend stand fest, dass Mwene wegen einer Muskelverletzung nicht spielen kann. „Das ist natürlich extrem schade“, sagte Rangnick. Mwene wäre ein Kandidat für das Spiel gewesen, nun müsse man mit dieser Situation umgehen. Alternativen gebe es aber ausreichend.
„Alles in die Waagschale werfen“
Auf die Frage, ob es ihn als Deutschen besonders beschäftige, nach dem DFB-Aus noch im Turnier zu sein, antwortete Rangnick klar. Es interessiere ihn nicht, ob er als Deutscher weiterkomme. Entscheidend sei, ob Österreich die Reise fortsetzen könne. „Wir werden alles dafür tun, alles in die Waagschale werfen, was die Mannschaft im Tank und in petto hat.“
Rangnick ist überzeugt, dass Österreich gegen Spanien über sich hinauswachsen muss. Gleichzeitig traut er der Mannschaft genau das zu. Alaba sieht es ähnlich: Österreich habe in den ersten Spielen noch nicht durchgehend sein volles Potenzial gezeigt, aber viele gute Phasen gehabt. Gegen Spanien werde man „noch einmal eine Schippe drauflegen“ müssen.
Auch ein mögliches Elfmeterschießen wurde angesprochen. Rangnick und Alaba erklärten, dass man in den vergangenen Tagen Elfmeter trainiert habe, ein solches Szenario aber nur begrenzt simulieren könne. Der Fokus liege zunächst auf den 90 Minuten.
Für Österreich ist die Ausgangslage damit klar: Spanien ist Favorit, Österreich braucht eine Leistungssteigerung und ein Spiel am Limit. Rangnick formulierte es deutlich: Die Mannschaft muss über sich hinauswachsen – und genau darin liegt die Chance auf die nächste große Überraschung.
