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Zyperns Nationalelf: Wie man strukturelle Probleme mit Routine kaschieren will

Es lässt sich nicht leugnen, dass der zyprische Fußball sich in einer veritablen Krise befindet. Während Europacupspiele auf der oft brütend heißen Urlaubsinsel stets eine Herausforderung für die Gegner darstellen, erwies sich die Nationalmannschaft häufig als Kanonenfutter.

Dabei wirkte Zypern vor allem in den 2000er Jahren so, als wäre man ein wenig im Aufwind. Nach der Jahrtausendwende gab es immer wieder Achtungserfolge, etwa Testspielsiege gegen Griechenland oder die Schweiz oder starke Partien in der EM-Qualifikation 2008, als man Irland mit 5:2 vom Platz schoss und Deutschland ein 1:1 abluchste.

Legionärsflut macht Zyperns Fußball früh zu schaffen

In den 2010er Jahren folgte allerdings ein merklicher Rückschritt, der auch stark mit den zahlreichen Legionären in der zyprischen Liga zusammenhing. Die Talenteförderung wurde zugunsten des kurzfristigen Erfolgs der Klubs hintangestellt und tatsächlich sorgte der eine oder andere zyprische Klub in Europa immer wieder für Furore. Der Nationalmannschaft tat man damit aber nichts Gutes.

Das ist auch sichtbar, wenn man sich den aktuellen Kader, der vom 55-jährigen Griechen Apostolos Mantzios betreut wird, zu Gemüte führt. Im 26-Mann-Aufgebot stehen derzeit zehn Legionäre, die aber größtenteils bei kleinen Klubs im Ausland spielen oder in größeren Vereinen keine tragende Rolle spielen. Dass etwa Offensiv-Talent Antonio Foti, das Trikot von Borussia Dortmund überstreift, dies allerdings nur in der zweiten Mannschaft tut, oder Innenverteidiger Stelios Andreou, einer der Top-Leute des polnischen Traditionsvereins Widzew Lodz ist, sind beinahe schon die glamourösesten Erkenntnisse.

xG-Werte als Warnung

Die Mannschaft läuft zumeist in einem 4-2-3-1-System auf und versteht es über recht einfache Abläufe und solides Konterspiel immer wieder gefährlich zu werden, scheitert allerdings häufig an der eigenen Effizienz.

Die 1:2-Niederlage in Bosnien-Herzegowina im vergangenen März sollte dennoch eine Warnung für die ÖFB-Elf sein: Diese kam nämlich mit einem Expected-Goals-Wert von 1.88 : 1.61 zugunsten der Zyprer zustande. Auch beim 2:2 im Testspiel in Bulgarien hatte Zypern beim xG-Wert am Ende mit 1.99 : 1.26 die Nase vorn.

Viele Ballverluste im eigenen Drittel

Man kommt also grundsätzlich in Abschlusssituationen, ist auf der anderen Seite aber auch eine Mannschaft, die mit intensivem Pressing nicht gut zurechtkommt. Gegen Bosnien fabrizierte man 26 von 114 Ballverlusten im eigenen Drittel, was ein recht hoher Wert ist. Auch beim 0:2 in Rumänien verlor man etwa ein Viertel der Bälle unmittelbar vor dem eigenen Tor.

Auffällig ist auch, dass Zypern über recht große Defensivspieler, dafür aber über eher kleine Offensivspieler verfügt. Exemplarisch dafür stehen etwa Torhüter Joel Mall mit seinen 197cm, Außenverteidiger Giorgos Malekkidis mit 190cm oder der für Watford spielende Abräumer vor der Abwehr Hector Kyprianou mit 189cm.

Auffälligste Kicker in der Offensive

Die markantesten Schlüsselspieler Zyperns sind in der Offensive zu finden, auch weil die Defensive vor allem als Kollektiv funktioniert. Man verfügt über drei Zielspieler, die je nach Geschmack allesamt auf der Mittelstürmerposition zum Einsatz kommen könnten.

Der routinierteste von ihnen ist der 32-jährige Pieros Sotiriou, der aktuell wieder für APOEL Nikosia spielt und zuvor in Japan bei Sanfrecce Hiroshima, in Bulgarien bei Ludogorets, kurzzeitig im kasachischen Astana und davor erfolgreich beim FC Kopenhagen auf Torjagd ging.

Gut in Schuss ist auch Ioannis Pittas, der die letzten zwei Jahre in Schweden und Bulgarien verbrachte und aktuell für ZSKA Sofia spielt.

Nach einem kurzen Intermezzo bei AIK Solna in Schweden spielt auch Andronikos Kakoullis wieder in seiner Heimat: Aris Limassol holte den 24-jährigen Mittelstürmer zurück auf die Insel. In der vergangenen Saison erzielte Kakoullis beim 3:1-Conference-League-Erfolg von Omonia Nikosia gegen Rapid einen Treffer.

Routine als Trumpf im Mittelfeldzentrum

Im zentralen Mittelfeld sind es eher die Routiniers, die das Spiel der Zyprer tragen. In der Offensive vor allem Hellas-Verona-Legionär Grigoris Kastanos, in der Defensive der 32-jährige Kostakis Artymatas von Anoathosis Famagusta. Zusammen bringen es die beiden auf 148 Länderspiele.

Aber auch der bereits erwähnte Watford-Legionär Hector Kyprianou, der ebenso wie Omonia-Routinier Ioannis Kousoulos auf der Sechs eingesetzt werden kann, darf aufgrund seiner Kampfkraft nicht außer Acht gelassen werden.

Zyperns „ewiges Toptalent“ Loizou

Ein weiterer Spieler für besondere Momente ist der 22-jährige Loizos Loizou, der seit einer gefühlten Ewigkeit als Aushängeschild eines neuen jungen zyprischen Wegs gilt. Für die Nationalmannschaft debütierte der nur 168cm große Rechtsaußen kurz nach seinem 17. Geburtstag. Mittlerweile bringt er es auf 40 Länderspiele, wobei er aber nur selten glänzte und auf seiner Habenseite lediglich ein Tor und vier Assists stehen.

Auch eingebürgerter Brasilianer im Defensivverbund

Auch in der Defensive setzt Zypern größtenteils auf Routine, etwa in Person des 32-jährigen Abwehrchefs Konstantinos Laifis von APOEL Nikosia oder routinierten Außenverteidigern wie dem bereits erwähnten Georgos Malekkidis oder dem 34-jährigen, eingebürgerten Brasilianer Anderson Correia.

Bittere Karriereende

Einige der Stützen der letzten Jahre, wie etwa der ehemalige Glasgow-Rangers-Legionär Georgios Efrem oder der 71-fache Nationalspieler Dimitrios Christofi, beendeten in den letzten Jahren ihre Karrieren und ein Blick auf den zyprischen Kader zeigt, dass die Routine zwar noch die Überhand hat, aber immer wieder junge Talente wie der bereits erwähnte Dortmund-Legionär Antonio Foti oder Stürmerhoffnung Nikolas Koutsakos eingebaut werden.

Keine besonders positiven Zukunftsaussichten

Es ist ein langsames Hintasten auf einen neuen, jungen Weg, der für Zypern weiterhin kein leichter sein wird. Das zeigt schon ein Blick auf die Torschützenliste der abgelaufenen Saison in Zyperns A Katigoria, der höchsten Spielklasse des Landes. Unter den 25 besten Torschützen der Ligasaison befand sich mit Andreas Makris, der diesmal nicht im Teamkader steht, nur ein einziger Einheimischer…