Österreichische Bundesliga

Kommentar: Befindet sich die österreichische Bundesliga im Sinkflug?

Dundee United, ETO Györ, Banik Ostrava oder etwa Bodo Glimt lauten nur einige der Namen jener Angstgegner, an denen sich österreichische Mannschaften dieser Tage die Zähne ausbeißen und an ihre Leistungsgrenzen stoßen. Sehr zum Ärger vieler Fans, die den österreichischen Klubfußball wieder im Abwärtstrend in Richtung düsterer Tage der Vergangenheit sehen.

Warum sollten Teams aus Ländern wie Tschechien, Ungarn, Schottland & Co es eigentlich als Lospech betrachten, Klubs aus Österreich zugelost zu bekommen. Ist es nicht überheblich und dezent unrealistisch zu denken, dass österreichische Teams zweifellos über den genannten Gegnern stehen müssten? Irgendwie Ansichtssache, denn wer sind Rapid, Austria, Sturm oder Wolfsberg nüchtern betrachtet schon wirklich auf der internationalen Fußballbühne? Eigentlich auch nicht mehr als bemühte Zwerge, die für gewöhnlich nicht allzu lange am Parkett der Großen mitzutanzen haben. Wie mittlerweile auch Salzburg, die seit dem Abgang von Mastermind, Sportdirektor und Transferzauberer Christoph Freund nicht mehr viel zusammenbringen und international nur noch schwer mithalten können. Wie das bei jenen Transfer-Erlösen der letzten Jahre überhaupt möglich ist, ist nicht nur eine merkwürdige Kunst für sich, sondern auch eine dringlich zu beantwortende und brennende Frage. Alleine diesen Sommer soll Salzburg nämlich bereits Einnahmen von 60 Millionen (!) Euro nur durch Transfers generiert haben. Zwischen 2015 und 2024 sollen um die 615 (!) Millionen Euro durch Transfers eingenommen worden seien. Kurzum: ein unfassbarer Wahnsinn in der Folge sportlich so dazustehen.

Und gerade der Abwärtstrend der Salzburger ermöglicht auch einen ungeschönten Blick auf nackte Tatsachen. Denn seit die Mozartstädter nicht mehr als internationaler Punktesammler agieren, schlittert Österreich in der Fünf-Jahreswertung wieder Richtung Niemandsland (aktuell Platz 15, bei negativem Verlauf könnte gar der 17. Platz warten). Salzburg schaffte es nicht Christoph Freund zu ersetzen und einen erfolgreich eingeschlagenen Weg weiterzugehen oder einen neuen Weg zu erdenken. Wie sehr Salzburg eigentlich eine „Freund’sche One-Man-Show“ war, konnte man mit schmerzverzerrtem Gesicht an den darauffolgenden Personalbestellungen sehen. Bernhard Seonbuchner als Sportdirektor und Pep Lijnders als Trainer waren der desaströse Beweis, dass ohne Freund keiner eine Idee davon zu haben scheint, wie das Werkl auf höherem Niveau funktioniert. Man muss auch fragen dürfen, ob man mit derartigen budgetären Möglichkeiten denn eigentlich keine anderen personellen Optionen findet. Weitere Besetzungen mit Struber, Letsch oder nun auch Rouven Schröder versinnbildlichen und bestätigen die Missstände nur noch weiter mit traurigen Zahlen und entbehrlichen Ergebnissen.

Für die anderen ÖFB-Clubs ist dies natürlich ein Albtraum. Es reicht plötzlich nicht mehr ein paar Pünktchen zu sammeln, sich im Schatten von Salzburg aufzuplustern und so zu tun, als wäre man auch ein Großer. Phasenweise gelang es ja immer wieder groß aufzuzeigen wie etwa dem WAC und so das Wagnis größerer Träume einzugehen. Aber auf einmal ist die Realität zu Besuch und bringt unangenehme Erkenntnisse mit. Es zeigt sich, wo die einzelnen Vereine tatsächlich stehen. Und das ist leider nicht unbedingt der Platz im Sonnenschein. Ein Grund dafür gefällt der österreichischen Seele, da er den Finger auf einen anderen als sich selbst zeigen lässt. Der Transfermarkt hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Es wird immer schwieriger hochwertige Spieler an Land zu ziehen und bei halbwegs guten Leistungen auch zu halten. Viel damit zu tun hat die Liga der Saudis und die Geldmaschinerie der Premier League, die am Transfermarkt Kettenreaktionen auslösen, die österreichische Vereine stark zu spüren bekommen. Selbst Klubs wie Bournemouth tätigen mittlerweile mehrfach Transfers in der Höhe von 30 Millionen Euro und holen Spieler aus der Ligue 1 oder sogar Topclubs der Serie A, wie zuletzt von der AS Roma. Die Saudi-Clubs kaufen inzwischen ebenso Top-Spieler im besten Alter ein. Die betroffenen und abgebenden Vereine wiederum verlieren damit Leistungsträger und greifen daher ein Regal tiefer, um dort das beste „Spielermaterial“ einzuheimsen und damit entstandene Personallücken zu schließen. Eine Spirale, die sich nach weit unten dreht und den Markt unter eine Spannung setzt, die wir so bisher nicht kannten.

Gerade hier bräuchte es bei österreichischen Fußballvereinen zunehmend sportliche Leiter, die internationale Netzwerkkompetenzen, Marktverständnis, Erfahrung und Perspektiven besitzen. Mehr als das aktuell der Fall ist. Viel zu oft werden Positionen einfach gefühlt nach dem Freunderl-Schema besetzt und sogenannte Entwicklungen von heute auf morgen wieder sorglos mit dem Vorschlaghammer bearbeitet. Inmitten des Trümmerhaufens hören wir uns dann die allseits beliebten Standardfloskeln an: „Wir befinden uns auf einem guten Weg. Wir benötigen Zeit.“ und so weiter. Vor zwölf Jahren erreichte die Wiener Austria mit Nenad Bjelica als Coach die Gruppenphase der Champions League. Alles sprach von Entwicklung. Heute scheint es bereits finanzielle Spannungen beim Druckpreis der Eintrittskarten zu geben. In der gleichen Zeitepoche schien in Hütteldorf etwas heranzuwachsen als man Ajax, Aston Villa & Co niederspielte. Jahre darauf stand man auf Augenhöhe gegen Vaduz im Ring, den man folglich mit zwei blauen Augen verließ. Zwei zynische Vergleiche, die sich endlos fortführen ließen und leider viele Klubs in Österreich einen. Man baut es etwas auf und liebt nichts mehr, als es selbst wieder einzureißen.

Außer beim Stadionbau: da verhält es sich umgekehrt. Lieber würde man die Wände der Happel-Ruine mit bloßer Hand vorm Umstürzen bewahren, als dort ein neues Stadion hinzustellen. Dafür können die Clubs zwar nichts, aber es ist ein beispielgebendes Szenario des Fußballlandes Österreich. Dabei sind gerade Infrastruktur und Professionalisierung auf allen Ebenen tragende Säulen in der Wahrung der Konkurrenzfähigkeit. Ähnlich die Nachwuchsförderung, die gefühlt allen ausländischen Konkurrenznationen hechelnd hinterherläuft. Zudem ist der Sport in Österreich zu stark mit der Politik verworren, was Fortschritt und Entwicklung an allen Enden und Ecken verhindert. Siehe die ÖFB-Präsidentschaftswahl oder die ewige Posse um die Landesfürsten der Liga. Zu einem Fortschritt gehöre auch, dass man mit allen Mitteln versuchen müsste, große Investoren und Werbepartner aus dem Ausland anzulocken, um finanziell besonders im internationalen Vergleich halbwegs konkurrenzfähig zu bleiben. Genau davor scheinen sich viele Verantwortliche aber zu fürchten, da dies die Abgabe von Kontrolle und Macht bedeuten würde.