Rangnick nach Israel-Sieg: „Entscheidend war, dass wir drangeblieben sind“
Österreich ist mit einem 3:1-Sieg gegen Israel in die neue Nations-League-Saison gestartet. Nach der Partie zeigte sich Teamchef Ralf Rangnick vor allem mit der Arbeit gegen den Ball und der Reaktion seiner Mannschaft auf das zwischenzeitliche 1:1 zufrieden. Gleichzeitig sprach er über Verbesserungsmöglichkeiten im eigenen Ballbesitz, die Verletzung von Michael Gregoritsch, die starken Einwechslungen von Sascha Horvath und Christoph Lang sowie die Aussichten von Vasilije Markovic auf erste Einsatzminuten.
Das sagt Ralf Rangnick über…
…die Leistung gegen Israel…
„Ich habe den Jungs unmittelbar vor dem Spiel gesagt, dass ich mir wünsche, dass wir zu null spielen und dem Gegner möglichst gar keine Torchance geben. Ich bin sogar so weit gegangen und habe gesagt: Ich möchte, dass wir keinen Schuss auf unser Tor zulassen. Das Letzte ist gelungen. Wir haben keinen einzigen Schuss auf unser Tor zugelassen und keine einzige Torchance hergegeben.“
Beim Gegentreffer sah Rangnick dennoch Verbesserungspotenzial: „Das Tor fiel nach einer Ecke, bei deren Entstehung wir sicher nicht gut ausgesehen haben. Danach hatten wir den Ball eigentlich schon abgewehrt, dann kam der zweite Ball noch einmal rein und sie machen das Kopfballtor. Das war ihre einzige Aktion.“
Besonders zufrieden war der Teamchef mit dem Pressing: „Gerade bei Ballbesitz des Gegners haben wir es gegen eine spielstarke Mannschaft richtig gut gemacht. Wir hatten auch einige hohe Balleroberungen. Das hat mir gut gefallen.“
…die Schwierigkeiten gegen Israels tiefen Block…
Nach der gelb-roten Karte stellte Israel auf eine Fünferkette um und verteidigte sehr tief.
„Es war natürlich doppelt schwer, da durchzukommen, mit vielen großen, kopfballstarken Spielern im Zentrum. Aber wir sind bis zum Schluss drangeblieben und haben immer wieder versucht, Lösungen zu finden. Am Ende wurden wir für dieses beharrliche Dranbleiben belohnt.“
Rangnick bezeichnete den Sieg als „klar verdient“, sieht aber weiterhin Reserven: „Wir können bei eigenem Ballbesitz noch bessere Lösungen finden und vor allem aus unseren Balleroberungen noch mehr Kapital schlagen. Das ist klar und das wissen wir auch.“
…die Bedeutung der Einwechslungen…
Rangnick hob hervor, dass die Spieler von der Bank einen entscheidenden Einfluss auf die Partie hatten.
„Alle Einwechslungen haben heute gezündet. An allen drei Toren waren im Prinzip eingewechselte Spieler beteiligt, und das ist sicherlich eine Sache, die mich sehr freut.“
Besonders Christoph Lang und Sasa Kalajdzic überzeugten ihn: „Wir haben ein Tor gebraucht und wollten das Spiel unbedingt gewinnen. Beide sind gut drauf. Langi spielt bisher eine super Saison und ist mit sechs Toren, glaube ich, momentan Erster in der österreichischen Torschützenliste. Er hat auch im Training mehrere Tore gemacht. Wenn wir ein Tor brauchen, war es für mich im wahrsten Sinne des Wortes naheliegend, ihn zu bringen.“
Auch Kalajdzic erhielt ein Sonderlob: „Sasa war bei der WM dabei und hat dort schon ein ganz wichtiges Tor gegen Algerien geschossen. Heute war er an zwei Toren beteiligt. Was mir besonders gefallen hat, war seine physische Präsenz. Das war beim LASK in den bisherigen Spielen noch nicht ganz so der Fall. Heute war das ein Schritt nach vorne. Deshalb sind die beiden Tore auch nicht zufällig gefallen.“
…die Verletzung von Michael Gregoritsch…
Österreichs Kapitän musste bereits in der ersten Halbzeit angeschlagen ausgewechselt werden.
„Er ist umgeknickt und hat es danach mit einem Tape noch einmal probiert. Er konnte aber nicht mehr richtig abstoppen, weil er dabei Schmerzen hatte. Wahrscheinlich ist es eine Bänderverletzung.“
Die erste Einschätzung fiel zumindest nicht dramatisch aus: „Im Moment sieht es nicht so aus, als wäre es mega schlimm, aber der Knöchel ist geschwollen. Wir machen morgen früh in Wien ein MRT, dann wissen wir mehr. Für Sonntag wird es wahrscheinlich knapp. Wenn es nicht ganz so schlimm ist, haben wir aber hoffentlich noch eine Chance für die anderen beiden Spiele.“
…Marco Grülls Startelfeinsatz und Paul Wanners Einwechslung…
Grüll erhielt nach seiner starken Saison bei Werder Bremen den Vorzug auf dem linken Flügel.
„Marco Grüll hat bisher eine hervorragende Saison gespielt. Er hat sechs Scorerpunkte, zwei Tore und vier Vorlagen, und ist damit momentan Erster in der Scorerliste der deutschen Bundesliga. Auch bei uns hat er die beiden Trainingseinheiten richtig gut gemacht.“
In der Partie selbst lief es für Grüll allerdings nicht optimal: „In der ersten Halbzeit war er nicht ganz so im Spiel. Wir haben schon vor dem 1:0 überlegt, was wir tun können, um noch mehr spielerische Lösungen und Chancen herauszuspielen. Deshalb haben wir uns entschieden, Paul Wanner zu bringen, und der hat das in der zweiten Halbzeit auch gut gemacht.“
…die Flanken und die Strafraumbesetzung in Überzahl…
Trotz langer Überzahl kam Österreich nicht sofort zu klaren Möglichkeiten. Rangnick wollte die Kritik an der Strafraumbesetzung aber nur teilweise gelten lassen.
„Wir haben serienweise Bälle in den Strafraum geflankt und hatten auch riesige Chancen. Der Kopfball von Kalajdzic und der Kopfball von Lienhart nach der Ecke sind normalerweise sehr gute Möglichkeiten.“
Gegen die tief stehende Fünferkette sei es dennoch schwierig gewesen: „Mit lauter groß gewachsenen und kopfballstarken Spielern war es nicht einfach. Durch die Mitte war ebenfalls wenig Platz. Entscheidend war, dass wir drangeblieben sind. Beide späten Tore sind letztlich nach Aktionen über außen gefallen.“
…Vasilije Markovic und mögliche Minuten gegen den Kosovo…
Der erst 18-jährige Markovic schaffte es gegen Israel nicht in den Spieltagskader, erhielt von Rangnick allerdings viel Lob.
„Es war extrem schwierig, überhaupt drei Spieler zu streichen. Auch Felix Bacher und Maxi Wöber haben im Training richtig gut gearbeitet. Weil in der Nations League aber nur 20 Feldspieler auf dem Spielbericht stehen dürfen, mussten wir jemanden draußen lassen.“
Markovics Profil passe grundsätzlich sehr gut zum Rangnick-Fußball: „Gerade im Spiel gegen den Ball ist er ein Spieler, der wie gemalt ist für unsere Spielweise. Bei eigenem Ballbesitz hat er sicher noch Steigerungspotenzial, aber der Junge ist 18. Wenn Einstellung, Bereitschaft und Mentalität stimmen, können solche Spieler die anderen Dinge absolut noch lernen.“
Für Sonntag stellte Rangnick dem Youngster sogar Einsatzchancen in Aussicht: „Er wird ziemlich sicher beim nächsten Spiel im Kader sein. Und wenn es irgendwie geht, möchte ich ihn natürlich auch gerne zum Einsatz bringen.“
…den Fokus auf das Kosovo-Spiel…
Für Rangnick war besonders wichtig, dass Österreich nach der Weltmeisterschaft wieder mehr von seiner bekannten Energie zeigte.
„Für mich ging es darum, dass wir heute wieder unser eigentliches Gesicht zeigen und viel mehr Energie auf den Platz bringen. Das war der Fall.“
Nun gehe es bereits um die nächste Aufgabe: „Wir wollen schauen, wer am Sonntag wieder richtig frisch ist und wer helfen kann, dieses Spiel zu gewinnen. Das Stadion ist ausverkauft. Wenn wir auf den Sieg heute noch einen draufsetzen, wären wir perfekt in die Nations League gestartet.“
Dass mit Franco Foda sein Vorgänger auf der gegnerischen Trainerbank sitzt, spielt für Rangnick hingegen kaum eine Rolle: „Das hat wahrscheinlich für euch mehr Brisanz als für mich. Ich verstehe mich mit ihm sehr gut, er ist ein sehr angenehmer und sympathischer Kollege. Für mich ist entscheidend: Wir wollen das Spiel gewinnen, wir spielen zu Hause und wollen dieses Jahr wieder in die A-Gruppe aufsteigen.“
