Später Doppelschlag: Österreich ringt Israel mit 3:1 nieder
Österreich ist mit einem Sieg in die neue Nations-League-Saison gestartet. Die Mannschaft von Ralf Rangnick setzte sich vor 15.200 Zuschauern in Linz mit 3:1 gegen Israel durch, benötigte trotz langer Überzahl aber zwei späte Treffer von Phillipp Mwene und Sasa Kalajdzic, um die drei Punkte zu fixieren.
Romano Schmid hatte das ÖFB-Team kurz vor der Pause per Elfmeter in Führung gebracht. Nach dem Seitenwechsel gelang Sayed Abu Farchi zunächst der Ausgleich, unmittelbar danach flog Israels Torschütze allerdings mit Gelb-Rot vom Platz. Österreich erhöhte anschließend den Druck, fand gegen den tiefen israelischen Block aber lange keine entscheidende Lösung.
Israel erschwert Österreich zunächst den Zugriff
Rangnick begann wie erwartet in einem 4-2-3-1. Vor Alexander Schlager verteidigten Stefan Posch, Philipp Lienhart, Kevin Danso und Phillipp Mwene. Nicolas Seiwald und Xaver Schlager bildeten die Doppelsechs, davor spielten Patrick Wimmer, Romano Schmid und Marco Grüll hinter Kapitän Michael Gregoritsch.
Israel stellte dem ÖFB-Team eine ähnliche Grundordnung entgegen. Eliel und Dor Peretz besetzten das Zentrum, Oscar Gloukh agierte davor, Anan Khalaili und Manor Solomon kamen über die Flügel. Gerade in der Anfangsphase gelang es den Gästen ordentlich, sich aus dem österreichischen Pressing zu lösen. Israel wollte konsequent flach eröffnen und hatte genügend Ruhe am Ball, weil Österreichs erste Pressinglinie zunächst nicht immer geschlossen nachschob.
Gefährlich wurde die Mannschaft von Ran Ben Shimon daraus allerdings kaum. Israels Ballbesitz war über weite Strecken wenig raumgreifend, Gloukh und Solomon erhielten zwischen den österreichischen Linien nur selten genügend Platz, um das Tempo zu erhöhen. Rangnick erklärte nach dem Spiel, dass seine Mannschaft etwa ab der 30. Minute deutlich besseren Zugriff gefunden habe.
Schon zuvor führte ein erfolgreicher Pressingmoment zur ersten großen ÖFB-Chance. Österreich zwang Israel in der 24. Minute im Aufbau zum Fehler, Xaver Schlager leitete weiter zu Wimmer, dessen Abschluss aus spitzem Winkel Daniel Peretz parierte. Wenig später kam Posch nach einer Hereingabe von Xaver Schlager zum Kopfball, setzte diesen aber knapp am Tor vorbei.
Kalajdzic kommt für verletzten Gregoritsch ins Spiel
Für Michael Gregoritsch war die Partie bereits nach 36 Minuten beendet. Der erstmals als Kapitän aufgelaufene Angreifer verletzte sich am rechten Sprunggelenk und musste durch Sasa Kalajdzic ersetzt werden. Eine MRT-Untersuchung soll Aufschluss über die genaue Schwere geben.
Der Wechsel sollte sich zumindest für das Spiel rasch bezahlt machen. Kalajdzic sorgte mit seiner Präsenz im Strafraum sofort für Probleme und wurde kurz vor der Pause von Idan Nachmias gefoult. Schiedsrichter Georgi Kabakow entschied auf Elfmeter, Romano Schmid verwertete diesen in der 43. Minute sicher zur Führung.
Österreich hatte die Partie zu diesem Zeitpunkt zunehmend in die gegnerische Hälfte verlagert. Kurz vor dem Pausenpfiff kam Posch noch einmal zum Abschluss, eine höhere Führung wäre angesichts einer insgesamt lange zähen ersten Halbzeit allerdings zu viel gewesen.
Auf den Ausgleich folgt der Platzverweis
Rangnick reagierte zur Pause und brachte Paul Wanner für Grüll. Der Neo-Nationalspieler suchte häufiger den Weg nach innen und sollte zusätzliche spielerische Lösungen zwischen Israels Mittelfeld und Abwehr schaffen.
Zunächst hatte Österreich auch die Chance auf das 2:0. Nach einem Eckball von Schmid köpfelte Lienhart in der 53. Minute knapp über das Tor. Praktisch im Gegenzug fiel jedoch der Ausgleich. Österreich konnte eine israelische Ecke nicht vollständig bereinigen, eine abgefälschte Hereingabe landete bei Abu Farchi, der Schlager per Kopf zum 1:1 bezwang. Es sollte Israels einziger Schuss auf das österreichische Tor im gesamten Spiel bleiben.
Sekunden später schwächte sich Israel selbst. Abu Farchi, der kurz zuvor bereits verwarnt worden war, zog beim Torjubel die Eckfahne aus der Verankerung und benutzte sie für seine bekannte Jubelgeste. Kabakow wertete die Aktion als Unsportlichkeit und zeigte dem Torschützen die zweite Gelbe Karte. Israel musste ab der 56. Minute zu zehnt weiterspielen.
Österreich läuft lange gegen den tiefen Block an
Die Überzahl veränderte das Spielgeschehen deutlich. Israel zog sich nun fast vollständig in die eigene Hälfte zurück, verteidigte eng und überließ Österreich die Initiative. Genau damit tat sich die Rangnick-Elf allerdings lange schwer.
Die Gastgeber kamen zwar immer wieder in die Nähe des Strafraums, die Ballzirkulation war gegen die kompakte israelische Defensive aber häufig etwas zu langsam. Österreich versuchte es zunehmend über die Außenbahnen und brachte insgesamt 26 Flanken in den Strafraum. Kalajdzic köpfelte in der 71. Minute über das Tor, Wanner prüfte Peretz später mit einem Distanzschuss.
Rangnick brachte mit Christoph Lang und Sascha Horvath zwei LASK-Spieler, die in ihrer Heimstätte für zusätzliche Energie sorgten. Später kam auch Carney Chukwuemeka. Österreich drängte Israel nun immer tiefer zurück, musste aber bis zur 90. Minute auf die Erlösung warten.
Mwene trifft spät, Kalajdzic setzt den Schlusspunkt
Dann ging es doch noch schnell. Wanner bekam auf der linken Seite Platz und brachte den Ball in den Strafraum. Mwene setzte sich vor seinem Gegenspieler durch und bugsierte die Hereingabe mit einer ungewöhnlichen Direktabnahme ins Tor – sein erster Treffer für das österreichische Nationalteam.
Israel musste nun seine defensive Haltung aufgeben, was Österreich sofort zu nutzen wusste. In der dritten Minute der Nachspielzeit leitete der eingewechselte Lang einen schnellen Angriff ein und bediente Kalajdzic, der aus kurzer Distanz zum 3:1 vollendete.
Das Endergebnis fiel damit deutlicher aus, als es der lange offene Spielverlauf vermuten ließ, war aufgrund des Chancenverhältnisses aber verdient. Österreich kam auf 19 Abschlüsse, davon neun aufs Tor, Israel lediglich auf fünf Versuche und einen einzigen Schuss auf das Gehäuse von Alexander Schlager.
Für Rangnick waren vor allem die verbesserte Arbeit gegen den Ball und die Energie seiner neu zusammengestellten Mannschaft positiv. Am Sonntag wartet im ausverkauften Ernst-Happel-Stadion bereits die nächste Aufgabe: Gegen den von Franco Foda betreuten Kosovo kann Österreich mit einem weiteren Sieg den perfekten Start in die Nations League fixieren.
