Über Umwege ins Team: Das ist Teamneuling David Affengruber!
Teamchef Ralf Rangnick hat mit der Bekanntgabe seines Kaders für die WM-Testspiele gegen Ghana und Südkorea aufhorchen lassen. Mit dabei sind diesmal gleich vier Neulinge. Paul Wanner und Carney Chukwuemeka haben sich erst kürzlich für den ÖFB entschieden. Tormann Florian Wiegele hat sich im Dezember das Einserleiberl bei Viktoria Pilsen geschnappt. Neu im Teamkader ist mit David Affengruber ein vertrauter Name für Fans der österreichischen Bundesliga. Warum es für ihn einen Umweg brauchte, um sich in die Notizbücher des Teamchefs zu spielen und warum er dem Team helfen kann, versuchen wir in diesem Artikel zu beleuchten.
Am Wochenende kam es in LaLiga aus österreichischer Sicht zu einem Match mit absolutem Seltenheitswert. Zumindest auf dem Papier stand ein Österreicher-Duell auf dem Spielplan. Das große Real Madrid empfing den Aufsteiger aus Elche. David Alaba, lange Zeit „Edelverletzter“ der Madrilenen, kam in den letzten Wochen in der Liga zwar wieder zum Zug. Im Duell gegen den Tabellennachzügler musste er jedoch auf der Tribüne Platz nehmen.
David Affengruber, einst für seinen Wechsel vom Meister Sturm Graz in die zweite spanische Liga belächelt, ist beim Aufsteiger zum unumstrittenen Stammspieler avanciert. In der tief stehenden Abwehr war er bemüht, die rollenden Attacken von Vinícius Jr., Federico Valverde und Co. zu entschärfen. Affengruber wurde nach 75 Minuten gelbvorbelastet ausgewechselt und konnte gegen die klare 1:4-Niederlage seiner Grün-Weißen letztlich wenig ausrichten. Seine persönliche Entwicklung gibt trotz der klaren Niederlage vom Wochenende und des beinharten Abstiegskampfes seines Teams in Spanien Grund zur Freude für Fans des österreichischen Nationalteams.
Von Niederösterreich nach Salzburg
Doch der Reihe nach: Affengruber begann seine Karriere im Nachwuchs des SC Wieselburg. Der FC Red Bull Salzburg sicherte sich früh die Dienste des talentierten Burschen. In der ÖFB-Jugendliga avancierte der Niederösterreicher sogar zum Kapitän der Salzburger. In der Saison 2019/20 lieferte Affengruber mit dem Einzug der Salzburger ins Youth-League-Halbfinale eine beeindruckende Talentprobe ab. Erst gegen den Nachwuchs von Real Madrid war Schluss für die Salzburger. Auch beim FC Liefering in der zweiten Liga lief es gut für den Innenverteidiger. Affengruber konnte sich in seiner ersten Saison als Stammspieler etablieren – was auch erste Team-Einsätze für Österreichs U19-Nationalteam zur Folge hatte.
In Graz in der Bundesliga etabliert
In der Saison 2020/21 spielte Affengruber weiterhin hauptsächlich für den FC Liefering in der zweiten Liga und absolvierte vereinzelt Kurzeinsätze für die Kampfmannschaft der Salzburger. Sein Bundesliga-Debüt gab Affengruber im Jänner 2021 beim 3:0-Auswärtserfolg der Salzburger in Hartberg. Am 28.4. folgte schließlich das erste Match über 90 Minuten für Salzburg (1:1 gegen Wolfsberg). Die Konkurrenz in der Salzburger Innenverteidigung war in dieser Saison enorm (Maxi Wöber, Jérôme Onguéné, André Ramalho, Oumar Solet). Um mehr Spielpraxis zu erlangen, zog es Affengruber schließlich nach Graz zum SK Sturm – wo er sich auch nachhaltig in der Bundesliga etablieren konnte. Bei Sturm war Affengruber als Stamm-Innenverteidiger an der Seite von Gregory Wüthrich auch von Anfang an gesetzt. International zog der SK Sturm in dieser Saison in die Europa-League-Gruppenphase ein – wo man zwar wenige Punkte, aber umso mehr Erfahrung sammeln konnte.
Titel, Vertragspoker und der Wechsel nach Spanien
In den kommenden Saisonen war Affengruber aus der Grazer Innenverteidigung kaum wegzudenken und maßgeblich mitverantwortlich für den Höhenflug der Steirer. Es folgten bekanntlich der Cupsieg 2022/23 sowie das Double 2023/24.
Affengrubers Vertrag beim SK Sturm endete im Sommer nach der Meistersaison. Es bestand die realistische Chance, mit den Grazern in der Champions League zu spielen. Letztlich konnte man sich aber nicht über neue Vertragsmodalitäten einigen und der Innenverteidiger ablösefrei zu haben. Gerüchteweise wurde Affengruber mit einem Wechsel zu Trabzonspor, FC Sevilla, FC Turin, Werder Bremen oder Gladbach in Verbindung gebracht. Erst am 28.8. konnte schließlich eine Einigung erzielt werden, und so begann für den Niederösterreicher ein neues fußballerisches Kapitel in Spanien bei Elche CF.
Kurios war zu diesem Zeitpunkt, dass der Stamm-Innenverteidiger des österreichischen Meisters mit Champions-League-Ambitionen in die zweite spanische Liga wechselte. Affengruber konnte sich bald nach seinem Wechsel als Stamm-Innenverteidiger des ambitionierten Teams aus der Provinz Alicante durchsetzen. Elche beendete die Saison letztlich auf dem zweiten Platz und stieg somit direkt in La Liga auf.
Auch in Spaniens erster Liga ist Affengruber gesetzt – auch wenn Elche als Aufsteiger bisweilen keine gute Figur abgibt. Nach einem recht ordentlichen Saisonstart ist man nun im beinharten Abstiegskampf angekommen – eine neue Situation für Affengruber. Zum aktuellen Zeitpunkt ist das Team bereits zwölf Spiele in Folge ohne Sieg – die Nominierung für das Nationalteam unterstreicht hingegen die individuelle Entwicklung des Spielers.
Stärken und Schwächen – Wie kann er dem Team helfen?
Im Vergleich zu seiner Zeit beim SK Sturm wirkt Affengruber deutlich robuster. Er ist ein Innenverteidiger mit Stärken im Zweikampf sowie im Positionsspiel. Er ist ballsicher und strahlt Ruhe aus. Ausbaufähig sind hingegen sein Umschaltspiel, sein „Drive“ nach vorne und die Grundgeschwindigkeit.
Für das Team wäre Affengruber insbesondere interessant, wenn kompaktes, intelligentes Verteidigen gefragt ist. Etwa, wenn man eine knappe Führung über die Zeit bringen muss. Ins Team rücken könnte Affengruber anstelle des verletzten Maxi Wöber. Der Bremen-Legionär bringt zwar einiges an Erfahrung mit, lieferte im Team aber auch schon kritische „Aussetzer“ und bringt aktuell keine Spielpraxis mit.
