Auswärtssieg nach 25 Jahren: Bayern gewinnt mit Laimer im Bernabéu
Der FC Bayern legte im Hinspiel im Estadio Santiago Bernabéu den Grundstein für den Aufstieg und gewann mit 2:1 gegen Real Madrid. Die Art und Weise wie der Sieg eingefahren wurde, war dabei durchaus beeindruckend. Über weite Strecken kontrollierten Konrad Laimer und seine Kollegen das Spiel mit klaren Strukturen im Ballbesitz und wiederkehrenden Mustern im Positionsspiel.
Kompany setzte auf ein variables 4-2-3-1, das sich im Aufbau regelmäßig zu einem 2-3-5 formierte. Die erste Linie bestand situativ aus einem Innenverteidiger und Manuel Neuer, der aktiv ins Aufbauspiel eingebunden wurde. Davor verschoben sich die Rollen flexibel: Ein Spieler kippte wiederholt in die klassische Sechser-Zone ab oder besetzte den rechten Halbraum, während gleichzeitig Bewegungen aus der letzten Linie ins Mittelfeld stattfanden. Ziel war es, das Zentrum zu überladen und die erste Pressinglinie von Real zu binden.
Madrid verteidigte überwiegend in einem 4-4-2 mit nur einem aktiv anlaufenden Stürmer. Dadurch blieb das Mittelfeld zunächst stabil, Bayern konnte aber kontrolliert zirkulieren und suchte gezielt nach Momenten, in denen ein Madrider Mittelfeldspieler aus der Ordnung gezogen wurde. Sobald das passierte, öffneten sich Räume zwischen den Linien, die konsequent bespielt wurden.
Die Flügelspieler hielten im Ballbesitz beim 2-3-5 die Breite, während sich die Achter und Außenverteidiger wechselseitig in Halbräume und Zentrum bewegten. Diese Fluidität erzeugte wiederholt Zuordnungsprobleme bei Real. Rückte ein Flügelspieler heraus, entstanden sofort Überzahlsituationen auf der ballnahen Seite. Blieb er tief, konnte Bayern den Halbraum besetzen.
Eine zentrale Rolle spielten dabei Harry Kane und Serge Gnabry als bewegliche Bezugspunkte im Offensivspiel. Beide ließen sich situativ fallen oder wichen auf die Flügel aus, wodurch Madrids Innenverteidiger gebunden wurden und Räume im Zentrum frei wurden. Genau in diese Zonen stießen nachrückende Spieler wie Olise oder Pavlović.
Das 1:0 entstand aus genau einer solchen Situation: ein vertikaler Pass hinter die letzte Linie nach vorheriger Positionsrotation, verwertet von Luis Díaz. Das 2:0 unmittelbar nach der Pause resultierte aus aggressivem Gegenpressing. Nach Ballgewinn im Zentrum wurde schnell in die Tiefe gespielt, Kane schloss aus der Distanz ab.
Das Gegenpressing war insgesamt ein wesentlicher Faktor. Bayern lief nach Ballverlust sofort mannorientiert an, insbesondere über Kane und Gnabry. Madrid wurde dadurch häufig zu Rückpässen gezwungen, teilweise bis zum Torwart. Einzelne Unsicherheiten im Aufbau verstärkten diesen Effekt.
Diese Spielweise hatte jedoch auch strukturelle Risiken. Durch die hohe Positionierung und das konsequente Nachschieben entstanden Räume hinter der Abwehrlinie und im Mittelfeld. Kylian Mbappé und Vinícius Júnior nutzten diese Zonen mehrfach im Umschaltspiel. Bayern verteidigte diese Situationen oft in Unterzahl, was mehrere klare Chancen für Madrid zur Folge hatte.
Auch Reals rechter Flügel entwickelte sich im Spielverlauf zu einem Faktor. Durch Rotationen zwischen Valverde, Bellingham und Trent Alexander-Arnold entstand dort ein variables Dreieck. In der zweiten Halbzeit blieb Alexander-Arnold tiefer, wodurch er mehr Zeit für vertikale Pässe erhielt. Eine dieser Aktionen führte zum Anschlusstreffer durch Mbappé.
Konrad Laimer als Linksverteidiger gefragt
Auf österreichischer Seite war Konrad Laimer als linker Außenverteidiger Teil dieser Struktur. Seine Rolle war primär absichernd angelegt. Gegen die dynamischen Flügelangriffe Madrids hielt er die Position, beteiligte sich situativ am Aufrücken, ohne die Balance zu verlieren. In Ballbesitz war er in die Rotationen eingebunden, rückte aber seltener ins Zentrum ein als die ballferne Seite. Sein Einsatz endete nach 69 Minuten.
In der Schlussphase verteidiger Bayern tiefer, löste sich teilweise aus der hohen Grundordnung und reduzierte die Abstände zwischen den Linien. Manuel Neuer blieb dabei ein zentraler Faktor mit mehreren Paraden gegen Abschlüsse aus Umschaltsituationen. Im Rückspiel wird Bayern erneut versuchen, über Ballbesitz, Überladungen und Gegenpressing Kontrolle zu erzeugen. Die Königlichen werden sicherlich wieder im Umschaltspiel gefährlich werden. Noch ist nichts entschieden, aber der deutsche Rekordmeister und Konrad Laimer sind im Rückspiel gegen die Madrilenen nun nicht mehr der Außenseiter.
