England

15 Millionen Jahresgage: Oliver Glasner übernimmt Nottingham Forest

Oliver Glasner hat nach seinem Abschied von Crystal Palace eine neue Aufgabe gefunden. Der 51-jährige Oberösterreicher wurde am Montag offiziell als neuer Cheftrainer von Nottingham Forest vorgestellt und bleibt damit in der Premier League. Beim Traditionsklub aus den East Midlands folgt Glasner auf Vitor Pereira, der nach nur wenigen Monaten wieder gehen musste.

Für Glasner ist es der nächste spannende Schritt in einer ohnehin bemerkenswerten Trainerkarriere. Nach Stationen bei der SV Ried, dem LASK, dem VfL Wolfsburg, Eintracht Frankfurt und Crystal Palace übernimmt er nun einen Verein mit großer Geschichte, aber zuletzt auch viel Unruhe. Nottingham Forest beschäftigte in der vergangenen Saison mehrere Trainer und rettete sich am Ende in der Premier League. Gleichzeitig erreichte der Klub das Halbfinale der Europa League, was zeigt, dass im Kader durchaus Qualität vorhanden ist bzw. zuletzt war.

Über die Vertragslaufzeit machte Nottingham zunächst keine Angaben. In britischen Medien ist von einer Zusammenarbeit bis 2029 die Rede. Dem Vernehmen nach soll Glasner zudem zu einem der bestbezahlten Trainer der Premier League aufsteigen. Die „Sun“ berichtete von einem Jahresgehalt von rund 13 Millionen Pfund, was umgerechnet etwa 15 Millionen Euro wären.

Glasner sieht „klare Vision“

In seinem ersten Statement betonte Glasner vor allem die Gespräche mit Eigentümer Evangelos Marinakis und der Klubführung. „Schon bei meinen ersten Gesprächen mit dem Eigentümer und der Führungsriege wurde mir klar, dass sie eine klare Vision für diesen Fußballverein haben und volles Vertrauen in mich und meinen Stab setzen, um gemeinsam langfristig eine starke Zukunft aufzubauen“, sagte der Oberösterreicher.

Dieses Vertrauen, das gemeinsame Engagement und das Potenzial im Kader seien entscheidende Faktoren für seine Zusage gewesen. Glasner formulierte auch gleich das Ziel: „Unser Ziel ist es, eine Mannschaft aufzubauen, die den Verein in den kommenden Jahren auf die nächste Stufe führen kann und auf die unsere Fans stolz sein können.“

Auch Klub-Boss Marinakis fand deutliche Worte. „Oliver ist ein Gewinner“, sagte der Forest-Eigentümer. Er verwies auf Glasners Führungsstärke, seine Persönlichkeit und den Fußball, den seine Mannschaften spielen. Nottingham wolle nicht nur mithalten, sondern gewinnen und wieder um große Titel mitspielen.

Erfolgreiche, aber emotionale Palace-Zeit

Dass Nottingham überhaupt die Chance auf eine Glasner-Verpflichtung bekam, war vor wenigen Monaten noch kaum absehbar. Im Jänner hatte der Österreicher überraschend angekündigt, seinen auslaufenden Vertrag bei Crystal Palace nicht zu verlängern. Er sprach damals von einer neuen Herausforderung, löste damit aber auch Unruhe rund um den Klub aus.

Das Verhältnis zu Teilen der Palace-Fans und zur Klubführung war zwischenzeitlich belastet. Sportlich endete seine Zeit in Südlondon dennoch spektakulär. Glasner führte Crystal Palace zum FA-Cup-Sieg, gewann anschließend den Community Shield und holte mit den „Eagles“ im Mai auch die Conference League. Für Palace waren es historische Erfolge, die Glasner in der Klubgeschichte einen besonderen Platz sichern.

Vor seinem Abschied sprach Glasner davon, dass er als Fremder gekommen sei und sich nach zwei Jahren wie ein Südlondoner fühle. Umso überraschender ist nun für viele, dass seine neue Herausforderung ausgerechnet bei Nottingham Forest wartet – also erneut in der Premier League und nicht bei einem der zuvor gehandelten Topklubs auf dem Kontinent.

Ein Trainer mit klarer Handschrift

Sportlich weiß Forest ziemlich genau, was es bekommt. Glasner steht für intensiven, klar strukturierten Fußball, schnelle Umschaltmomente und häufig für eine Dreierkette im Aufbau, die gegen den Ball zu einer Fünferkette werden kann. Seine Mannschaften müssen bereit sein, viel zu laufen, konsequent gegen den Ball zu arbeiten und nach Ballgewinnen schnell nach vorne zu spielen.

Bei Crystal Palace funktionierte dieser Ansatz besonders gut gegen Gegner, die selbst gestalten wollten. Gegen tiefstehende Teams hatte seine Mannschaft dagegen immer wieder Probleme. Auch bei Nottingham wird daher entscheidend sein, ob Glasner seinem Spiel eine größere Flexibilität geben kann.

Der Österreicher gilt als detailversessen, anspruchsvoll und ungeduldig. Ein zentraler Satz in seiner Arbeit lautet: „Nicht in Problemen denken, sondern in Lösungen.“ Diese Denkweise prägte schon seine früheren Stationen. Bei Eintracht Frankfurt gewann er 2022 die Europa League, bei Palace führte er einen Klub ohne große Titeltradition zu mehreren historischen Erfolgen.

Herausforderung bei einem unruhigen Klub

Nottingham Forest ist allerdings kein einfacher Arbeitsplatz. In der vergangenen Saison saßen nacheinander Nuno Espirito Santo, Ange Postecoglou, Sean Dyche und Vitor Pereira auf der Trainerbank. Pereira führte den Klub zwar zum Klassenerhalt und ins Europa-League-Halbfinale, wurde aber dennoch entlassen. Medienberichten zufolge erhielt er die Nachricht kurz vor Ablauf einer vertraglichen Klausel per E-Mail.

Glasner kommt also zu einem Klub, der ambitioniert ist, aber zuletzt wenig Kontinuität ausgestrahlt hat. Der Erfolgscoach braucht Vertrauen, klare Abläufe und einen Kader, der seine Ideen trägt. Gleichzeitig ist bekannt, dass seine Beziehungen zu Klubführungen bei früheren Stationen nicht immer reibungslos verliefen, wenn er sich in sportlichen Fragen nicht ausreichend unterstützt fühlte. Eine schwierige Voraussetzung für einen schwierigen Klub wie „Forest“.

Mögliche Wiedersehen und große Erwartungen

Interessant wird auch, ob Nottingham die Fühler nach Spielern ausstreckt, die Glasner bereits kennt. Immer wieder wurde Daichi Kamada als möglicher Neuzugang genannt. Der Japaner arbeitete mit Glasner bei Eintracht Frankfurt und Crystal Palace zusammen und gehört zu den Spielern, denen der Trainer besonders vertraut. Auch Maxence Lacroix, den Glasner aus Wolfsburg kennt und später zu Palace holte, zeigt, dass der Österreicher gerne mit vertrauten Profilen arbeitet.

Für Nottingham Forest ist Glasner jedenfalls eine große Ansage. Der Klub holt keinen Verwalter, sondern einen progressiven Trainer mit klarer Idee, großen Ansprüchen und nachweisbaren Erfolgen. Für Glasner ist es die Chance, nach Frankfurt und Crystal Palace ein weiteres Projekt auf ein neues Niveau zu heben. Gelingt ihm das, könnte Nottingham tatsächlich wieder näher an jene Zeiten heranrücken, in denen der Klub nicht nur vom großen Namen lebte, sondern auch sportlich große Spuren hinterließ.