FIFA WM 2026

WM-Gegner Algerien reicht nach Afrika-Cup-Aus Beschwerde ein

Algeriens Ausscheiden beim Afrika Cup endete nicht ohne Kontroversen. Nach der 0:2-Niederlage im Viertelfinale gegen Nigeria kam es zu heftigen Protesten, Tumulten und einer formellen Beschwerde bei den internationalen Verbänden.

Suspendierung gefordert

Der algerische Fußballverband reichte offizielle Proteste bei der Confederation of African Football und der FIFA ein. Gefordert wurden Sanktionen gegen den senegalesischen Schiedsrichter Issa Sy, dessen Entscheidungen laut Verband die „Glaubwürdigkeit der afrikanischen Schiedsrichter untergraben“ hätten. Eingereicht wurde ein Dossier mit Videomaterial, verbunden mit der Forderung nach sofortiger Suspendierung des Referees.

Auslöser der Eskalation war eine Szene in der 12. Minute. Nach einer Hereingabe von Farès Chaïbi traf der Ball den Arm des nigerianischen Verteidigers Semi Ajayi, nachdem er zuvor dessen Oberschenkel berührt hatte. Issa Sy ließ weiterspielen und verzichtete auch auf eine VAR-Überprüfung. Die algerischen Spieler protestierten umgehend.

Nach den aktuellen IFAB-Auslegungen war die Entscheidung regelkonform: Da der Ball zuerst vom Bein an den Arm sprang, liegt kein strafbares Handspiel vor. Ein Schiedsrichter-Ausbildner erklärte, Ajayis Arm habe sich zwar nach der Ballberührung bewegt, entscheidend sei jedoch der vorherige Kontakt mit dem Bein. Für den algerischen Verband blieb die Szene dennoch der zentrale Punkt der Beschwerde, dort wird von einem „klaren Elfmeter“ gesprochen.

Tumulte nach Schlusspfiff

Nach dem Schlusspfiff eskalierte die Situation. Fernsehbilder zeigten, wie frustrierte algerische Spieler den Schiedsrichter bis in den Spielertunnel verfolgten. Sicherheitskräfte mussten eingreifen, Issa Sy wurde schließlich unter Polizeischutz aus dem Stadion gebracht.

Auf dem Feld kam es ebenfalls zu Auseinandersetzungen. Torhüter Luca Zidane geriet unmittelbar nach Spielende mit dem nigerianischen Mittelfeldspieler Raphael Onyedika aneinander, weitere Spieler und Betreuer beider Teams mischten sich ein. Auch auf den Rängen blieb es nicht ruhig: Mehrere Zuschauer versuchten, den Innenraum zu betreten, andere hielten dem Schiedsrichter Geldscheine entgegen, um Korruptionsvorwürfe zu insinuieren.

Die Unruhen hatten rechtliche Folgen. Marokkanische Behörden nahmen mehrere Personen fest, darunter Kameraleute algerischer Fernsehsender sowie Mitarbeiter der staatlichen Nachrichtenagentur. Ihnen wird Sachbeschädigung im Stadionbereich vorgeworfen. Auch mehrere algerische Fans wurden wegen Ordnungswidrigkeiten festgesetzt. Die Vorfälle setzten sich in der Mixed Zone fort. Dort kam es zu Handgreiflichkeiten zwischen algerischen und nigerianischen Journalisten.

Mehrere Kritikpunkte

In ihrer offiziellen Beschwerde führte die algerische Föderation drei Hauptpunkte an: neben dem nicht gegebenen Elfmeter die aus ihrer Sicht unverhältnismäßige Verteilung von sechs Gelben Karten gegen Algerien sowie ein angeblich respektloses Verhalten des Schiedsrichters, der nach Spielende keinen Handschlag angeboten habe. Zusätzlich wird behauptet, nigerianische Spieler hätten provoziert und algerische Journalisten seien im Tunnel angegriffen worden.

Brisant war auch die kurzfristige Umbesetzung des Schiedsrichterteams. Ursprünglich sollte der somalische Referee Omar Abdulkadir Artan, kürzlich als CAF-Schiedsrichter des Jahres ausgezeichnet, das Viertelfinale leiten. Wenige Stunden vor Anpfiff wurde er abgezogen, nachdem festgestellt worden war, dass er in einem früheren Spiel Schuhe eines nicht genehmigten Ausrüsters getragen hatte. Issa Sy rückte als Ersatz nach, was in algerischen Medien zusätzliche Spekulationen auslöste.

Rein sportlich eine klare Angelegenheit

Sportlich gab es hingegen wenig zu diskutieren. Nigeria dominierte die Partie mit 13:3 Schüssen und einem Expected-Goals-Wert von 2,9 zu 0,13. Algerien brachte über 90 Minuten keinen einzigen Schuss auf das Tor. Erst in der 80. Minute verzeichnete das Team den ersten Abschluss überhaupt. Nigeria hatte 58 Prozent Ballbesitz und blieb zum zweiten Mal in der K.-o.-Phase ohne Gegentor. Victor Osimhen traf kurz nach der Pause per Kopf zur Führung und bereitete wenig später das 2:0 von Akor Adams vor. Folgerichtig wurde zum Spieler des Spiels gewählt.

Trotz der scharfen Tonlage des Verbands äußerten sich die algerischen Protagonisten deutlich zurückhaltender. Kapitän Riyad Mahrez erklärte, die Spielleitung sei „nicht perfekt“ gewesen, aber nicht der alleinige Grund für das Ausscheiden. Man sei auf eine stärkere Mannschaft getroffen. Trainer Vladimir Petković gratulierte Nigeria offen zum verdienten Sieg und sprach von physischen und spielerischen Defiziten seines Teams. Auch auf nigerianischer Seite blieb der Ton sachlich. Trainer Eric Chelle lobte Disziplin und Geduld seiner Mannschaft, Osimhen verwies auf die kollektive Leistung.

Die CAF reagierte am 12. Januar mit der Ankündigung einer formellen Untersuchung. Gesammelt würden Spielberichte und Videobeweise zu „potenziell inakzeptablem Verhalten“ von Spielern und Offiziellen. Die Fälle wurden an das Disziplinarkomitee weitergeleitet. Untersucht wird auch ein separater Vorfall beim Spiel Marokko gegen Kamerun.

Der Fall reiht sich in eine Serie von Schiedsrichterdebatten bei diesem Turnier ein. Bereits zuvor hatte Mali erfolgreich gegen eine Rote Karte Einspruch erhoben, andere Verbände kritisierten kurzfristige Ansetzungen und Umbesetzungen.