England

Bei Bedarf zur Stelle – Kevin Wimmers erste Saison an der White Hart Lane

Vor ein paar Wochen träumte man bei Tottenham Hotspur noch von der ersten englischen Meisterschaft seit 1961. Bekannterweise wurde daraus nichts und Überraschungsteam Leicester City krönte sich zum Champion der Premier League. [spielerprofil spieler=“Kevin Wimmer“] musste somit seinem Kapitän im Nationalteam [spielerprofil spieler=“Christian Fuchs“] den Vortritt lassen. Die „Spurs“ gingen in den letzten Woche ein und holten an den letzten vier Spieltagen nur mehr zwei Punkte. Zum Abschluss der Saison verspielte man am vergangenen Sonntag gegen den Fixabsteiger Newcastle United sogar noch die Vizemeisterschaft und der ewige Nordlondoner Rivale Arsenal zog auf der Ziellinie vorbei.

Ziele zu Saisonstart

Nachdem man in den vergangenen drei Saisonen zwischen Platz fünf und sechs gependelt hatte, war die Qualifikation für die Europa League auch vor dieser Saison das Minimalziel an der White Hart Lane. Dennoch spekulierte man in der hart umgekämpften Premier League natürlich auch auf einen Platz unter den ersten vier und die Qualifikation für die UEFA Champions League. Dort waren die Nordlonder zuletzt in der Saison 2010/11 vertreten. 2011/12 erreichte man zwar den vierten Platz, da der FC Chelsea London als Titelverteidiger allerdings fix für die kommende Saison der Königsklasse qualifiziert war, musste Tottenham in die Europa League. Am Transfermarkt hielt man sich im Sommer einigermaßen zurück. Topneuzugang um 30 Millionen Euro war Heung-Min Son von Bayer 04 Leverkusen. Weiters erwähnenswert sind die Verpflichtungen des belgischen Innenverteidigers Toby Alderweireld und natürlich jene von [spielerprofil spieler=“Kevin Wimmer“], der nach einer starken Saison beim 1. FC Köln um sechs Millionen Euro nach England wechselte.

Saisonrückblick Tottenham Hotspur

Die Premier-League-Saison 2015/16 begann für Tottenham zwar mit einer Niederlage bei Manchester United, danach war man allerdings 14 Spiele lang ohne Niederlage. Nach dem 5:1 am 10. Spieltag beim AFC Bournemouth waren die „Spurs“ immer unter den Top 6 der Tabelle zu finden und ab dem 17. Spieltag stets auf einem Champions-League-Platz. Mit einer Siegesserie von sechs Siegen ab Mitte Jänner festigte sich die Mannschaft von Mauricio Pochettino im Spitzenfeld der Liga. Ab dem 25. Spieltag war man erster Verfolger von Leicester City und kam dabei den „Foxes“ zeitweise sogar bis auf zwei Punkte nahe. Die Mannschaft spielte in dieser Phase der Meisterschaft tollen Offensivfußball und ließ die Fans sogar vom Meistertitel träumen. Auf der Insel war man sich mittlerweile sicher, dass die Nordlondoner das einzige Team sind, die eine Sensations-Meisterschaft von Leicester verhindern können. Nachdem Leicester aber so gut wie keine Schwächen zeigte, brachten die Unentschieden der „Spurs“ gegen den FC Liverpool, West Bromwich Albion und den FC Chelsea die Entscheidung. Für Tottenham galt es in den letzten Runden noch den zweiten Platz gegen den Rivalen aus Nordlonden, den FC Arsenal, zu verteidigen. Nach einem peinlichen 1:5 am letzten Spieltag bei Fixabsteiger Newcastle United wurde die Pochettino-Elf jedoch von den „Gunners“ noch überholt. Tottenham ist somit die einzige Mannschaft, die heuer beide Duelle gegen Newcastle verloren hat. Der dritte Platz ist über die ganze Saison betrachtet dennoch ein toller Erfolg für den Verein und die Rückkehr in die Königsklasse des europäischen Fußballs ist nach sechs Jahren ebenfalls fix. Zudem stellt man mit Harry Kane den erfolgreichsten Torschützen der Premier League mit 25 Saisontoren. Mit einem Torverhältnis von 69:35 stellte Tottenham sowohl die zweitbeste Offensive als auch die zweitbeste Defensive der Liga.

In den nationalen Cupbewerben war jeweils frühzeitig Endstation. Im League Cup scheiterten die „Spurs“ in der dritten Runde am Erzrivalen Arsenal und im FA Cup unterlag man im Achtelfinale dem Finalisten Crystal Palace.

In der Europa League stieg der Klub von Kevin Wimmer in einer Gruppe mit dem RSC Anderlecht, dem AS Monaco und Qarabag Agdam als Gruppensieger auf. Nachdem im Sechzehntelfinale der AC Florenz durch einen 3:0-Heimsieg ausgeschaltet wurde, stand im Achtelfinale der Schlager gegen Borussia Dortmund bevor. Mauricio Pochettino sah in dieser Saisonphase aber die Meisterschaft aufgrund der Titelchancen als den wesentlich wichtigeren Bewerb an und rotierte in den beiden Duellen stark. Für viele Fans und Beobachter zu stark, wie auch das 0:3 in Dortmund und das 1:2 an der heimischen White Hart Lane bewiesen haben.

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Saisonrückblick Kevin Wimmer

Kevin Wimmer, vor der Saison aus der deutschen Bundesliga vom Stöger-Klub 1. FC Köln gekommen, musste in seiner Debütsaison auf der Insel viel Geduld aufbringen. Der argentinische Trainer Pochettino setzte in der Innenverteidigung auf das belgische Duo aus Toby Alderweireld und Jan Vertonghen. Der Österreicher kam in der ersten Saisonhälfte nur in den Cupbewerben zum Einsatz und stand in der Liga teilweise nicht einmal im Kader. Immerhin konnte der Oberösterreicher hier erstmals Europacup-Luft schnuppern. Nachdem er in der Gruppenphase zwei Mal randurfte und auch in den K.-o.-Duellen gegen Florenz und Dortmund durchspielte kam Wimmer in insgesamt sechs internationalen Partien zum Einsatz. Ebenso spielte der Sommer-Neuzugang in sämtlichen nationalen Cupspielen durch.

Die Einsätze in den Cups und persönlichen Gespräche mit dem Trainer zeigten Kevin Wimmer, dass er auch ohne Einsätze in der Liga ein wichtiger Teil der Mannschaft ist. Zudem wurde er von Teamchef Marcel Koller stets im Teamkader berücksichtigt. Und das sich Geduld auszahlt, merkte der ÖFB-Legionär am 23. Spieltag, leider nur aufgrund einer Verletzung eines Mitspielers. Jan Verthongen zog sich eine Knieverletzung zu und der Österreicher rückte als Partner von Toby Alderweireld nach. Der ehemalige Kölner absolvierte nun zehn Partien in Folge. Es war auch die Phase der Meisterschaft, in der sich die „Spurs“ dem Tabellenführer Leicester immer mehr näherten. Einerseits aufgrund der starken Offensive aber auch wegen der kompakten Defensive. In der Spielzeit in der Wimmer eingesetzt wurde, kassierte Tottenham lediglich sechs Gegentore und die Leistungen des Österreichers wurden auch von den Fans und Medien sehr positiv gesehen. Die Anhänger der Spurs kreierten für Wimmer sogar einen eigenen Chant. „The Wimmer takes the ball“, sangen die Fans in Anlehnung an den ABBA-Welthit „The winner takes it all“. Der Ausfall von Stamminnenverteidiger Vertonghen war in diesen Wochen dank des beim LASK ausgebildeten Österreichers nicht zu merken. Nach der Rückkehr des verletzten Belgiers am 33. Spieltag musste Wimmer aber leider wieder auf die Ersatzbank weichen.

Besonders im Passspiel zeigte sich der ÖFB-Nationalspieler in seinen Einsätzen extrem sicher. Mit 90% erfolgreich gespielten Pässen ist der gebürtige Welser ligaweit mit John Terry und Arsenal-Verteidiger Gabriel Paulista der beste Verteidiger in diesem Ranking. Sensationell, wenn man bedenkt, dass dieser Wert über einen Zeitraum von zehn Partien doch einiges an Aussagekraft hat.

Auch wenn im Laufe der Saison immer wieder über einen möglich Abgang spekuliert wurde, dieser scheint doch sehr unwahrscheinlich. Die Einsätze in den Cupspielen und nach der Verletzung von Vertonghen zeigten, dass Pochettino Wimmers Qualitäten durchaus schätzt. Die „Spurs“ werden durch die Champions League auch kommende Saison viele intensive Monate erleben. Gerade in England, wo es keine Winterpause gibt, ist ein großer und ausgeglichener Kader von großer Bedeutung. Kevin Wimmer ist in der momentanen Hierarchie der Innenverteidiger auf Platz drei und wird in der Sommervorbereitung alles daran setzen, um an dieser Hierarchie etwas zu rütteln.

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Die Highlights der Saison von Tottenham Hotspur:

 

 

Sebastian Sohm

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Sebastian SOHM
(Redakteur, Nachwuchsfußball)

Bei 12terMann seit: 09/2015

M: sebastian.sohm@12termann.at

 

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