Bosniens Team: Jede Menge Österreich-Bezug und eine trügerische Bilanz
Mit vier Siegen aus vier Qualifikationsspielen lacht Bosnien-Herzegowina in der Österreich-Gruppe aktuell von der Tabellenspitze. Effizient präsentierte sich die Mannschaft rund um Altstar Edin Dzeko also, aber blickt man etwas genauer hinter die Statistiken, so sieht man, dass der Schein ein wenig trügt.
Im Jahr 2025 waren die beiden Aufeinandertreffen Bosniens mit San Marino die einzigen, in denen die Mannschaft von Sergej Barbarez einen höheren Expected-Goals-Wert aufwies als der Gegner. Beim mühevollen 1:0-Heimsieg über den Underdog betrug der xG-Wert am Ende 2.62 : 0.47, was zeigt, dass Bosnien mit dem knappen Sieg recht deutlich unter Erwartung lief.
Das 6:0 vom vergangenen Samstag war mit einem xG-Wert von 3.93 : 0.11 allerdings etwas zu hoch. Hinzu kommt, dass San Marino bereits ab der 16. Minute mit einem Mann weniger spielte, nachdem Golinucci nach einer Notbremse die rote Karte sah. Sowohl beim 2:1-Sieg über Zypern als auch beim 1:0 in Rumänien hatte Bosnien den niedrigeren xG-Wert, präsentierte sich aber jeweils effizienter als der Gegner.
Wenig gesprochen wird zudem über das Freundschaftsspiel in Slowenien am 10. Juni dieses Jahres, das mit 1:2 und einem xG-Wert von 1.37 : 2.35 verloren wurde.
Umbruch – aber weiterhin rund um Altstar Dzeko
Die bosnische Nationalmannschaft befindet sich nach schwierigen Zeiten aktuell unter Barbarez am Beginn eines Umbruchs. So werden aktuell zahlreiche junge Spieler eingebaut und um einige wenige Routiniers an größere Aufgaben herangeführt. Der große Star im Team ist natürlich Kapitän Edin Dzeko, der es in 142 Länderspielen auf 70 Tore brachte und der im Juli Fenerbahce verließ, um einen Einjahresvertrag bei der AC Fiorentina zu unterschreiben. Im Falle einer WM Teilnahme wäre Dzeko bereits 40 Jahre alt.
Demirovic mit Ladehemmung
Dzeko bildet bei den Bosnien ein spannendes Stürmer-Duo mit dem 27-jährigen Stuttgart-Legionär Ermedin Demirovic. Der gebürtige Hamburger ist sicher einer der höchst veranlagten Spieler in der bosnischen Nationalmannschaft und entschied sich im Sommer für einen Verbleib in Stuttgart und gegen einen Wechsel in die Premier League oder die Serie A.
Dennoch kam der Rechtsfuß in der bosnischen Nationalelf bisher nicht allzu gut zur Geltung und brachte es in 35 Länderspielen erst auf vier Tore und zwei Assists.
Alajbegovic als Zukunftshoffnung
Exemplarisch für den neuen jungen bosnischen Weg steht natürlich Red Bull Salzburgs Jungstar Kerim Alejbegovic. Der gebürtige Kölner, der bei den Salzburgern im Juli einen Vertrag bis Sommer 2028 unterschrieb, konnte schon bei seinem Nationalmannschaftsdebüt gegen San Marino einen Treffer erzielen und soll im bosnischen Team auf lange Sicht zu einer absoluten Stütze reifen.
Seine Dynamik und sein Trickreichtum sind für jeden Gegner nur schwer zu verteidigen, weshalb es gerade in jener Zone wichtig sein wird, dem Jungstar möglichst wenig Platz zu geben. Auf der anderen Offensivseite wird mit dem invers agierenden Haris Hajradinovic vom türkischen Klub Kasimpasa ein routinierterer Akteur auflaufen, dessen Bewegungsabläufe geradliniger und weniger überraschend ausfallen.
Für die Absicherung im Mittelfeldzentrum werden wohl Bröndby-Legionär Benjamin Tahirovic sowie Astana-Legionär Ivan Basic sorgen.
Jede Menge Österreich-Bezug
Hierzulande ebenfalls bestens bekannt sind die beiden Rechtsverteidiger der Bosnier, die beide im Land Salzburg geboren wurden. Gegen San Marino spielte der einstige Sturm-Akteur Jusuf Gazibegovic durch und der langjährige Salzburger Amar Dedic, mittlerweile Legionär bei Benfica Lissabon, saß nur auf der Bank.
Auch für die Innenverteidigung gibt es einen hochveranlagten jungen Spieler mit Österreich-Bezug. Der 22-jährige Tarik Muharemovic wurde im slowenischen Ljubljana geboren, wuchs aber in Kärnten auf und durchlief zunächst den Nachwuchs von Austria Klagenfurt, danach die Akademie des Wolfsberger AC, ehe er im Alter von 18 Jahren in den Nachwuchs von Juventus Turin wechselte.
Mittlerweile spielt der sechsfache Nationalspieler für die US Sassuolo in Italiens Beletage und ist nach dem Aufstieg auch in der Serie A im Begriff zur Stütze für sein Team zu werden.
Ebenfalls im Kader, aber ohne ernsthafte Chancen auf Einsätze, ist der Ex-Austrianer Osman Hadzikic, der mittlerweile in Kroatien für Slaven Belupo spielt. Der gebürtige Klosterneuburger spielte bis zur U21 noch für Österreich und wurde bereits mehrmals in die bosnische Auswahl einberufen, wartet dort aber noch auf sein Debüt.
Zahlreiche Deutschland- und Schweiz-Legionäre
Hinzu kommen mehrere Deutschland- und Schweiz-Legionäre, wie etwa Torhüter Nikola Vasilj von St. Pauli, Adrian Leon Barisic von Basel, Nikola Katic von Schalke, Armin Gigovic von den Young Boys Bern, Denis Huseinbasic von Köln oder Dzenis Burnic vom Karlsruher SC.
Und auch der Ex-Austrianer Haris Tabakovic, mittlerweile bei Borussia Mönchengladbach, und der ehemalige Salzburger Smail Prevljak vom NK Istra sind Mitglieder im bosnischen Teamkader. Heute Abend kann auf dem Feld also reichlich deutsch gesprochen werden.
