Kommentar

Nachruf: Alexander Manninger – Österreichs Torhüter-Legende ist tot

Er kam aus Salzburg, spielte für Arsenal, Juventus und Liverpool. Er wurde nur 48 Jahre alt.  Alexander Manninger verunglückte am 16. April 2026 bei einem Zusammenstoß mit der Salzburger Lokalbahn tödlich.

Manninger wuchs im Salzburger Stadtteil Liefering in einfachen Verhältnissen auf, das Elternhaus war früh getrennt, er ein Einzelkind. Mit 15 machte er seinen Pflichtschulabschluss und begann eine Tischlerlehre — weil damals niemand garantieren konnte, dass der Fußball sein Beruf werden würde. Den ersten großen Moment in seiner außergewöhnlichen Karriere hatte er mit 18 Jahren, noch im Trikot des Grazer AK: Am 15. Oktober 1996 sprang er kurzfristig für Stammkeeper Franz Almer ein — auswärts, in San Siro, gegen Inter Mailand. Der GAK verlor 0:1 gegen ein Ensemble aus Bergomi, Djorkaeff, Zanetti und Zamorano. Manninger machte eine gute Figur. Im Rückspiel schied Graz erst im Elfmeterschießen aus. Arsenal hatte genug gesehen und holte den jungen Torhüter auf die Insel.

Erster Österreicher in der Premier League

Arsenal zahlte 15 Millionen Schilling für den damals 20-Jährigen. Kein Österreicher hatte vor ihm den Sprung in die Premier League geschafft. Sein erstes Pflichtspiel in der höchsten englischen Liga bestritt er am 31. Jänner 1998 beim 3:0-Sieg gegen Southampton. In den Wochen darauf ließ er in sieben Ligaspielen in Serie kein Tor zu, hielt unter anderem in Old Trafford beim 1:0-Erfolg gegen Manchester United. Die englische Boulevardpresse taufte ihn „Alex, the Cat“. Arsenal wurde Meister, gewann den FA Cup — und Manninger war Teil des Doubles. Als einziger Reservetorhüter überhaupt wurde er in jener Saison mit dem „Player of the Month“ ausgezeichnet, ein Rekord, der bis heute steht.

Was folgte, war eine Karriere, die alles andere als üblich verlief. Arsène Wenger hatte ihn als Nachfolger von David Seaman aufgebaut, doch als Manningers Leistungen in der Saison 2000/01 schwankten, verwarf er diesen Plan wieder. Manninger wechselte nach Italien. Florenz, dann der Konkurs des Klubs mitten in der Saison 2002. Espanyol Barcelona, Auflösung des Vertrags nach wenigen Wochen. Turin, Bologna, Siena — Jahre, in denen er von Klub zu Klub zog und manchmal kaum spielte. Dreimal hielt er mit Siena die Klasse, zweimal davon in der letzten Runde. „Diese Momente bleiben ein Leben lang„, sagte er später. Nicht die großen Titel, nicht die berühmten Gegenspieler — sondern die Abende, an denen es wirklich drauf ankam.

Wechsel zu Juventus

2008 verpflichtete ihn Juventus für 2,5 Millionen Euro, als Nummer zwei hinter Gianluigi Buffon. Als Buffon verletzt pausierte, spielte Manninger eine halbe Saison auf Weltklasseniveau und wurde von der Gazzetta dello Sport zum besten Torhüter der Hinrunde der Serie A gewählt. Juventus wurde am Ende seiner Zeit dort Meister — da war Manninger jedoch längst nicht mehr Stammkeeper. Er sagte darüber: „Dazu habe ich weniger beigetragen, da Gianluigi Buffon die meiste Zeit zwischen den Pfosten stand.“

Abstiegskampf mit Augsburg

Mit 35 Jahren wechselte er zum FC Augsburg in die Bundesliga — ein Klub, der sich gegen den Abstieg wehrte. Vier Jahre verbrachte er dort, wurde Fanliebling, parierte entscheidende Elfmeter, hielt eine Mannschaft oben, die nach der Hälfte aller gespielten Partien nur neun Punkte erspielen konnte. Jürgen Klopp holte ihn schließlich mit 39 Jahren zum Liverpool FC – als erfahrenen Ruhepol hinter Karius und Mignolet, als jemanden, der weiß, wie große Klubs funktionieren und kein Problem damit hat, dass er sich hinten anstellen muss. Es war die letzte Station einer 22-jährigen Profikarriere.

Kein Einsatz bei der Heim-EM 2008

Für das österreichische Nationalteam bestritt Manninger 33 Länderspiele — eine Zahl, die gemessen an seiner Vereinskarriere bescheiden wirkt. Dabei war das Verhältnis zum ÖFB-Team nie ein einfaches. Sein Debüt gab er 1999 unter Otto Barić, jenem Trainer, der ihn einst bei Austria Salzburg gefördert hatte. Die folgenden Jahre brachten Schulterprobleme, wechselnde Teamchefs und auch das Gefühl, im eigenen Land weniger geschätzt zu werden als auf Vereinsebene. Den tiefsten Stich lieferte die Heim-EM 2008: Manninger saß auf der Bank, hinter Jürgen Macho — obwohl er zu diesem Zeitpunkt gerade dabei war, sich als einer der besten Torhüter der Serie A zu etablieren. Er selbst sagte dazu: „Bei der Heim-EM sprach sportlich gesehen viel für mich. Ich bin rückblickend keinem böse, jedoch konnte ich die Entscheidung nicht nachvollziehen. Ich war sehr enttäuscht, weil es als Österreicher die einzige Chance war, bei einem internationalen Turnier dabei zu sein.“ Im Jahr 2009 zog er die Konsequenzen und beendete die Teamkarriere — mit 33 Länderspielen, aber ohne einen Einsatz bei einem Großereignis.

Er selbst sagte über das Ende seiner Profikarriere: „Ich war der erste Österreicher in der Premier League, der erste junge Torhüter bei Arsenal — es war alles neu und eine großartige Erfahrung. Ich habe großartige Spieler getroffen, mit Weltmeistern gespielt. Es waren großartige 22 Jahre. Ich fühle mich gut, ich höre auf einem hohen Level auf, was ich mir nie erträumt hätte.“