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Mehr Trainer, einheitliche Spielweise: ÖFB krempelt Nachwuchsteams um

Es tut sich etwas, beim ÖFB.

[spielerprofil spieler=“Ralf Rangnick“] hat versprochen und bewiesen, sich als Teamchef der A-Nationalmannschaft nicht nur um seinen direkten Einflussbereich kümmern zu wollen. Der 64-Jährige mischte sich in der Vergangenheit unter anderem in die Stadionthematik ein und kritisierte die ÖFB-Trainerausbildung.

Am Donnerstag gibt der Österreichische Fußball-Bund nun eine „Neuausrichtung seiner Nachwuchs-Nationalteams“ vor, die durchaus die Handschrift Rangnicks trägt.

So wird unter anderem der Pool an Nachwuchs-Teamchefs erhöht. Darüber hinaus soll eine einheitliche Spiel- und Arbeitsweise für alle ÖFB-Nachwuchsteams implementiert werden. Der Perspektivspielerlehrgang, der im vergangenen November erstmals durchgeführt wurde, soll in Zukunft zudem ein fixer Bestandteil des Länderspieljahres sein.

Titelbild: Steffen Prößdorf, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons, Originaldatei bearbeitet von 12terMann.at


Die ÖFB-Aussendung im Wortlaut:

Die Evaluierung und Weiterentwicklung der Direktion Sport schreitet weiter voran. 2019 wurde das Spitzen-Talentefördermodell „Projekt12“ überarbeitet und neu aufgesetzt, im vergangenen Jahr die Einführung des Zwei-Stufen-Modells im Akademie-Alterssegment auf den Weg gebracht, das zur neuen Saison mit dem Pilotjahr startet. Im Bereich des Kinderfußballs wurden 2022 die kleinen Wettbewerbsformen eingeführt und auch in der ÖFB-Trainerakademie sowie im Frauenfußball fanden in den vergangenen Jahren Anpassungen statt. Nun kommt es auch bei den Nachwuchs-Nationalteams zu einigen wesentlichen Neuerungen.

Eine Maßnahme betrifft dabei den Trainerzyklus. Aktuell begleitet ein Teamchef einen Spieler-Jahrgang von der Sichtung in der U15 bis zu einer möglichen Teilnahme an der FIFA U20 Weltmeisterschaft. Künftig wird dieser Zyklus auf zwei Jahre verkürzt. Somit wird es je zwei Trainer für die Altersbereiche U16/U17, beziehungsweise U18/U19 geben. Der Teamchef-Wechsel nach zwei Jahren soll für die Spieler neue Impulse und Reize setzen. Da die ÖFB-Spielidee bei allen Teams erkennbar sein soll, geht es dabei um Trainingsmethoden, Ansprachen und Herangehensweisen. Die Maßnahme wird die Zusammenarbeit aller Nachwuchsteams im ÖFB weiter intensivieren. Der neue Trainerzyklus startet ab der Saison 2024/25.

Ponweiser wird U15-Teamchef

Die Maßnahme ermöglicht, ab sofort den Pool an Nachwuchs-Teamchefs von aktuell vier auf fünf zu erweitern. Franz Ponweiser wird ab Herbst 2023 das U15-Nationalteam betreuen. Seine Agenden in der ÖFB-Trainerakademie wird er unverändert beibehalten.

Ponweiser wird sich um das Scouting, den so wichtigen Erstkontakt zu den Talenten eines Jahrgangs, die Sichtungen und die generelle Weiterentwicklung der Prozesse in der U15 kümmern. Die Jahresplanung des U15-Teams wird zudem etwas entzerrt, damit sich die Talente intensiver auf ihren Einstieg in die Akademien konzentrieren können und sich in dem neuen System aus Schule und Training zurechtfinden.

Für die Länderspielsaison 2023/24, die im Herbst startet, ergeben sich folgende Teamchef-Besetzungen: U15 (JG 2009) Franz Ponweiser, U16 (JG 2008) Hermann Stadler, U17 (JG 2007) Martin Scherb, U18 (JG 2006) Manfred Zsak, U19 (JG 2005) Oliver Lederer.

Neo-U15-Teamchef Ponweiser verspürt „große Dankbarkeit für das Vertrauen, unheimlichen Stolz, hohes Verantwortungsbewusstsein und eine riesige Vorfreude“. „Nach fast drei Jahren beim ÖFB bin ich sehr glücklich, als U15-Teamchef eine weitere Aufgabe zu bekommen. Neben meiner Tätigkeit als Bereichsleiter in unserer Trainerakademie, war es immer mein Wunsch, wieder als Trainer mit einer Mannschaft zu arbeiten. In der Trainerakademie arbeiten wir am Puls der Zeit, der Zugang zu Wissen ist unheimlich hoch. Wir arbeiten – unterstützt von vielen Expert:innen aus diversen Kompetenzbereichen – stets mit neuen Erkenntnissen. Darum ist in der elitären Ausbildung unserer Trainer:innen der Bezug zur Praxis ein wesentlicher Faktor. Meine beiden Aufgaben schaffen Synergien, davon bin ich fest überzeugt. Mein Anspruch ist es, die richtigen Spieler mit hohem Potential im Zuge von vielen Beobachtungen, einem intensiven Austausch mit den Akademietrainern und -leitern und einem adaptieren Scoutingprozess zu finden und auf die nächsten Aufgaben vorzubereiten. Wer mich kennt, weiß, wie offen, kommunikativ und teamorientiert ich bin und arbeite. Auf dieser Reise kein Talent zu übersehen oder zu verlieren, sehe ich als gemeinsame Challenge“, sagt er weiter.

ÖFB-Sportdirektor Peter Schöttel sagt: „Ich freue mich sehr, dass wir mit Franz Ponweiser eine Ideallösung für die Position des U15-Teamchefs gefunden haben. Franz bringt nicht nur die Erfahrung als Bundesligatrainer mit, sondern war viele Jahre in der Fußballakademie Burgenland tätig und weiß genau, worauf es in der Arbeit mit Talenten ankommt. Er ist die perfekte Ergänzung zu unseren bisherigen Nachwuchs-Teamchefs. Durch die Umstellung des Teamchef-Zyklus bieten wir den Talenten nach zwei Jahren auch neue Impulse und eine neue Ansprache.“

Gemeinsame Linie

Neben dem Trainerzyklus soll künftig eine noch einheitlichere Spiel- und Arbeitsweise in allen ÖFB-Nationalteams implementiert werden. Diese sieht eine proaktive Spielweise vor, die jedoch Platz für Individualität bietet und sich an die Kadergegebenheiten anpasst. Die Spielidee soll für alle ÖFB-Teams zum Wiedererkennungszeichen werden. Zudem wird der Austausch zwischen den Teamchefs untereinander, aber auch mit den Akademien, weiter intensiviert. In regelmäßigen Arbeitstreffen soll gemeinsam an Fragestellungen gearbeitet werden.

Für eine direktere Kommunikation wird es künftig eine Schnittstelle für jeden Nachwuchs-Teamchef in Form eines unmittelbaren Ansprechpartners aus dem sportlichen Betreuerteam von Teamchef Ralf Rangnick geben. Außerdem soll der sehr erfolgreiche Perspektivspielerlehrgang, der im vergangen November Premiere feierte, ein jährlicher Fixpunkt werden.

Doch nicht nur bei der Spielidee soll noch intensiver an einem Strang gezogen werden. Auch der sportliche Staff der Nationalteams soll künftig verschiedene Expertisen miteinander verbinden. So sollen sich verschiedene Rollen und Charaktere in den Trainerteams wiederfinden. Durch die Diversität des Trainerteams soll den Spielern ein möglichst breites Spektrum an Expertise zur Verfügung stehen.

„Unser Anspruch ist es, uns immer wieder zu hinterfragen und zu schauen, wo es noch Optimierungsmöglichkeiten gibt. Wir haben Verbesserungspotenzial erkannt und sind davon überzeugt, dass wir mit diesen Schritten wichtige Adaptierungen vornehmen, um für die Zukunft bestmöglich aufgestellt zu sein“, so Sportdirektor Schöttel.