Rangnick vor Algerien: „Bei Gijon war ich 24 Jahre alt…“
Österreich steht vor dem entscheidenden Gruppenspiel gegen Algerien. Nach dem Sieg gegen Jordanien und der Niederlage gegen Argentinien reicht dem ÖFB-Team ein Remis zum Aufstieg, mit einem Sieg wäre das Weiterkommen ohnehin fix. Ralf Rangnick und Konrad Laimer sprachen auf der Pressekonferenz über die besondere Ausgangslage, den Gegner, mögliche Rechenspiele und die Bedeutung des Spiels. Wir haben die wichtigsten Aussagen der Pressekonferenz für euch zusammengefasst.
Rangnick machte gleich zu Beginn klar, dass ihn die Brisanz der Partie nicht überrascht. Schon bei der Auslosung sei klar gewesen, dass Österreich in einer der schwierigsten Gruppen gelandet sei. „Wir wussten schon in dem Moment, wo die Auslosung feststand, dass das die schwierigste Gruppe von allen ist“, erklärte der Teamchef. Dass es im letzten Gruppenspiel für Österreich und Algerien direkt um den Aufstieg geht, sei daher keine große Überraschung.
Kein Plan auf Remis
Ein großes Thema bei der Pressekonferenz war naturgemäß die Tabellenkonstellation. Österreich würde ein Unentschieden reichen, auch Algerien hätte mit einem Punkt sehr gute Chancen auf die KO-Phase. Gleichzeitig könnte Platz zwei im Sechzehntelfinale einen schwereren Gegner bringen als Platz drei. Rangnick wollte sich auf solche Gedankenspiele aber nicht einlassen.
„Du kannst natürlich nicht in ein Fußballspiel gehen mit dem Vorsatz: Wir spielen jetzt am Ende Unentschieden“, sagte der ÖFB-Teamchef. Das gelte für Österreich genauso wie für Algerien. Wie sich die Partie in den letzten Minuten entwickle, könne niemand vorhersagen. Aber die Mannschaft werde sicher nicht mit der Vorgabe ins Spiel geschickt, auf ein Remis zu spielen.
Auf die direkte Frage, ob Österreich plane, nicht zu gewinnen, um einem möglichen Duell mit Spanien aus dem Weg zu gehen, antwortete Rangnick knapp: „Nein, planen wir nicht.“ Auch später betonte er, Spekulationen würden im Moment nichts bringen. Entscheidend sei, dass Österreich mit einem Sieg oder einem Remis weiterkomme – und genau so werde man die Mannschaft vorbereiten.
Algerien als komplettes Team
Sportlich erwartet Rangnick einen anspruchsvollen Gegner. Algerien sei unter Vladimir Petkovic weiterentwickelt worden und bringe ein sehr gutes Gesamtpaket mit. „Es ist nicht so einfach, gegen sie Torchancen herauszuspielen und Tore zu schießen“, sagte Rangnick. Die Mannschaft könne technisch gut Fußball spielen, habe viele Spieler bei europäischen Topklubs und werde Österreich auch körperlich fordern.
Auch gegen Argentinien habe Algerien phasenweise gezeigt, welche Qualität in der Mannschaft steckt. Rangnick erinnerte daran, dass eine ordentliche Leistung gegen den Weltmeister nicht reicht. Gegen Argentinien müsse fast alles perfekt sein, um etwas mitzunehmen. Für das direkte Duell geht der ÖFB-Teamchef davon aus, dass Algerien seine bestmögliche Leistung abrufen wird.
Konrad Laimer sieht die Ausgangslage ähnlich. Algerien habe „ein ordentliches Spiel gemacht in beiden Spielen“, sagte der Bayern-Legionär. Es werde ein schwieriges Spiel gegen eine gute Mannschaft, „wo beide einfach probieren werden, weiterzukommen in der Gruppe“.
Laimer: „Wir wollen unser Spiel durchziehen“
Laimer betonte mehrfach, dass Österreich den Blick vor allem auf sich selbst richten müsse. Natürlich kenne man mehrere algerische Spieler aus der Bundesliga, und die individuelle Qualität sei hoch. Dennoch gehe es darum, den eigenen Fußball auf den Platz zu bringen. „Wir konzentrieren uns auf uns. Wir wollen unser Spiel durchziehen, unseren Fußball spielen und am Ende einfach weiterkommen.“
Der Mittelfeldspieler sprach auch über die Bedeutung des Turniers. Eine Weltmeisterschaft sei etwas Besonderes, gerade weil man das eigene Land vertrete. Man spüre die Energie rund um die Mannschaft seit der Ankunft. „Wir wollen was Besonderes schaffen, besondere Leistungen bringen“, sagte Laimer. Ziel sei es, so lange wie möglich im Turnier zu bleiben.
Was für Österreich spricht? Laimer verwies auf die eigene Spielweise und das Vertrauen in die Mannschaft. Wenn Österreich seine Dinge auf den Platz bringe, könne man gegen jeden Gegner gewinnen. Gleichzeitig sei allen bewusst, dass dafür eine sehr gute Leistung nötig sei. In den ersten beiden Spielen habe man vieles gut gemacht, aber auch Dinge gesehen, die noch besser werden müssen.
Baumgartner-Ausfall bleibt Thema
Rangnick wurde auch gefragt, ob Österreich in den ersten beiden Spielen bereits sein volles Gesicht gezeigt habe. Der Teamchef verwies auf die unterschiedlichen Anforderungen gegen Jordanien und Argentinien. Schon seit Ende Mai sei klar gewesen, dass Christoph Baumgartner ausfalle. Diesen Ausfall müsse man bestmöglich kompensieren.
Gegen Jordanien und Argentinien habe es deshalb unterschiedliche Ansätze gegeben, auch in der Aufstellung. Nun gehe es darum, für Algerien wieder die richtigen Lösungen zu finden. Rotation ist laut Rangnick kein Thema. Auch die Gelb-Vorbelastung einzelner Spieler werde bei der Startelf keine entscheidende Rolle spielen, weil Österreich noch nicht qualifiziert sei. „Wir werden das Spiel genauso angehen, wie wenn es eben in diesem Spiel um alles geht. Und das ist der Fall.“
Gijon spielt für Rangnick keine Rolle
Auch die historische Dimension wurde angesprochen. Das Thema „Gijon 1982“ begleitet das Duell Österreich gegen Algerien zwangsläufig. Rangnick wollte daraus aber keinen Faktor für das aktuelle Spiel machen. Damals sei kein aktueller Spieler beider Mannschaften überhaupt auf der Welt gewesen. Er selbst sei zu diesem Zeitpunkt 24 Jahre alt gewesen. „Ich glaube nicht, dass das morgen irgendeinen Einfluss hat auf das Spiel“, sagte Rangnick.
Viel wichtiger sei, wie Österreich die aktuellen Aufgaben löst. Gegen Algerien werde man wieder als Mannschaft verteidigen müssen. Rangnick sprach davon, dass Österreich viele Dinge gegen den Ball „im Schwarm“ erledige, also kompakt, kollektiv und mit klarer Raumaufteilung. Einzelspieler wie Mahrez, Maza oder Chaïbi seien zwar gefährlich, aber Österreichs Ansatz bleibe ein mannschaftlicher.
Lob für die Fans, Kritik am VAR
Zum Abschluss sprach Rangnick auch über die österreichischen Fans. Er erzählte von Anhängern aus Reutte in Tirol, die über München und Seattle insgesamt 26 Stunden angereist seien. Diese Unterstützung sei bei einer WM etwas Besonderes. Besonders positiv hob er auch den friedlichen Umgang der Fans hervor. Es gebe keine Pyrotechnik, keine feindselige Stimmung, sondern eine andere Art von Unterstützung. „Da können sich die deutsche Bundesliga und auch die österreichische erste Liga mal ein paar Scheiben davon abschneiden“, meinte Rangnick.
Kritisch äußerte sich der Teamchef erneut zum VAR. Mit Blick auf mehrere Szenen im bisherigen Turnier, darunter das Foul an Xaver Schlager gegen Argentinien, wünschte sich Rangnick eine einheitlichere Anwendung. Es dränge sich der Verdacht auf, dass man sich in manchen Situationen nicht immer traue, gegen größere Nationen zu entscheiden.
Vor Algerien bleibt der Fokus dennoch klar: Österreich will nicht rechnen, sondern schlichtweg weiterkommen. Ein Punkt reicht, ein Sieg beendet alle Diskussionen. Rangnick und Laimer machten deutlich, dass die Mannschaft genau mit diesem Anspruch in das entscheidende Gruppenspiel geht.
