FIFA WM 2026

Petković vor Österreich: „Das Glas ist mehr als halbvoll“

Vor dem entscheidenden Gruppenspiel gegen Österreich blickt Algerien mit einer Mischung aus Anspannung und Zuversicht auf den letzten Spieltag der Gruppe J. Nach der 0:3-Niederlage gegen Argentinien und dem 2:1-Sieg gegen Jordanien hält die Mannschaft von Vladimir Petković bei drei Punkten. Gegen das ÖFB-Team geht es nun um den Einzug in die KO-Phase. Wir haben die wichtigsten Aussagen der Pressekonferenz für euch zusammengefasst.

Petković sprach gleich zu Beginn von einem sehr wichtigen Spiel. Es gehe darum, den zweiten oder dritten Platz zu erreichen – oder aus dem Turnier auszuscheiden. Seine Mannschaft habe sich diese Ausgangslage selbst erarbeitet und könne nun aus eigener Kraft weiterkommen. „Die Mannschaft ist sich dessen bewusst, die Mannschaft ist bereit“, sagte der algerische Teamchef.

Amoura wohl weiter fraglich

Personell gibt es bei Algerien vor allem ein Fragezeichen. Mohamed Amoura konnte bereits gegen Jordanien nicht spielen und dürfte auch gegen Österreich ausfallen. Petković erklärte, man werde das Abschlusstraining noch abwarten, schränkte aber ein: „Wahrscheinlich schafft er es auch morgen nicht.“

Der Rest des Kaders sei bereit. Wichtig sei in den vergangenen Tagen gewesen, die Energie nach den ersten beiden Gruppenspielen wiederherzustellen und in den normalen Turnierrhythmus zurückzukehren. Seit dem Vortag habe man sich ruhig und gezielt auf Österreich vorbereitet. Petković erwartet einen starken Gegner mit Persönlichkeit und klarer Spielidee. Algerien müsse bereit sein, diesen Gegner anzunehmen – und „alles versuchen, um das Spiel zu gewinnen“.

Österreich mit klarer Handschrift

Petković wurde mehrfach nach der Spielweise der Österreicher gefragt. Er beschrieb die Mannschaft von Ralf Rangnick als Gegner mit vielen positiven Eigenschaften, aber auch mit kleinen anfälligen Punkten, die man nutzen müsse. Details wollte er naturgemäß nicht verraten. „Ich werde Ihnen jetzt sicher nicht sagen, wie wir Österreich wehtun wollen“, sagte der Teamchef sinngemäß und auf Deutsch.

Auffällig war seine Einschätzung zur österreichischen Fußball-DNA. Österreich habe eine klare „Red-Bull-Note“ im Spiel, sagte Petković. Diese Linie ziehe sich von Österreich und Salzburg bis nach Deutschland. Damit meinte er natürlich vor allem das intensive Pressing, die Athletik und das klare Anforderungsprofil vieler Spieler, die in dieses System passen. Algerien wisse, was auf die Mannschaft zukommt.

Gleichzeitig glaubt Petković, dass auch seine Spieler die Österreicher gut kennen. Mehrere Algerier sind oder waren in europäischen Ligen aktiv, einige kennen den deutschsprachigen Fußball aus der Nähe. Das könne ein Vorteil sein, allerdings gelte das auch umgekehrt. Entscheidend sei nicht nur das Wissen über einzelne Spieler, sondern die Umsetzung auf dem Platz.

Keine Rechenspiele um Platz drei

Ein zentrales Thema war auch aus algerischer Sicht die Tabellenkonstellation. Ein Unentschieden könnte beiden Teams reichen, Platz drei könnte im Turnierbaum möglicherweise sogar angenehmer sein als Platz zwei. Petković wollte diese Überlegungen aber nicht in den Mittelpunkt stellen.

Man werde das Spiel „mit großer Lust, es gut zu machen und mit großer Lust, zu gewinnen“ angehen. Was nach der Partie passiere, werde man sehen. Zunächst müsse Algerien sich das Weiterkommen verdienen. Auf die Frage, ob seine Mannschaft nicht eher auf den dritten Platz schauen könnte, antwortete Petković klar: Man müsse in erster Linie versuchen, das Spiel zu gewinnen.

Auch die bisherigen Ergebnisse der anderen Gruppendritten beeinflussen die Herangehensweise. Petković sagte, dass am dritten Spieltag bisher nicht viel in Algeriens Richtung gelaufen sei. Teams, die aus algerischer Sicht besser nicht gewinnen sollten, hätten gewonnen. Umso wichtiger sei es, sich nicht auf andere zu verlassen. Algerien müsse selbst entscheiden, wie es weitergeht.

Kritik? „Das Glas ist mehr als halb voll“

Petković wurde auch mit Kritik an seiner Mannschaft konfrontiert. Der Teamchef reagierte gelassen und betonte, dass er das Glas „mehr als halb voll“ sehe. Algerien habe zwei gute Spiele gezeigt. Gegen Argentinien habe man wenig zugelassen, sei aber von Messi dreimal bestraft worden. Gegen Jordanien sei der Gegner bis zum ersten Gegentor kaum in den algerischen Strafraum gekommen.

Für Petković geht es weniger um einzelne Personen oder um seine eigene Rolle. Entscheidend sei die algerische Mannschaft. „Nicht Petković ist wichtig, nicht ein anderer Spieler ist wichtig, wichtig ist die algerische Nationalmannschaft“, sagte er sinngemäß. Gerade jetzt müsse jeder im Land hinter dem Team stehen.

Der Trainer sprach auch über den Druck vor einem solchen Spiel. Eine gewisse Nervosität sei normal und sogar notwendig. Sie müsse aber kontrollierbar bleiben und in positive Energie umgewandelt werden.

Hoffnung auf „Heimvorteil“ in Kansas City

Algerien durfte bereits in Kansas City spielen und kennt daher Stadion und Umfeld. Petković hofft, dass sich daraus ein Vorteil ergibt. Gegen Argentinien seien viele gegnerische Fans im Stadion gewesen, was bei Argentinien aber normal sei. Gegen Jordanien habe man bereits viel Unterstützung gespürt. Nun hofft der Teamchef auf zahlreiche Algerier und auch auf neutrale Fans aus Kansas City.

Wir brauchen jede Stimme, um in die nächste Runde zu kommen“, sagte Petković. Die Unterstützung könne in einem engen Spiel wichtig werden.

Bankspieler als mögliche Waffe

Der Sieg gegen Jordanien wurde auch durch Einwechselspieler fixiert. Petković sieht darin eine Stärke seines Kaders. Spieler von der Bank könnten sofort ins Spiel finden, ihre Rollen erfüllen und den Druck auf den Gegner aufrechterhalten. Gegen Jordanien habe man gesehen, dass ein Gegner irgendwann unter diesem Rhythmus leiden könne.

Auch gegen Österreich könnten die Wechsel wichtig werden. Petković deutete aber keine Startelf an. Für ihn zählt, dass Algerien über mehrere Optionen verfügt und in der Lage ist, das Spiel über 90 Minuten intensiv zu halten.

Zum Abschluss sprach der Teamchef auch über die Bedeutung eines möglichen Aufstiegs für den afrikanischen Fußball. Es sei wichtig für die Spieler, für das Land, für die Fans und für den Kontinent. Afrika zeige bei dieser WM, dass es immer stärker werde. Algerien wolle seinen Beitrag leisten – idealerweise mit dem Einzug in die KO-Phase.