Noch nie 90 Minuten auf Profiniveau: Carney Chukwuemekas kuriose Statistik
Carney Chukwuemeka steht seit seinem Wechsel zum ÖFB-Team im Fokus der österreichischen Fußballöffentlichkeit. Der 22-jährige Mittelfeldspieler von Borussia Dortmund soll dem Nationalteam vor der WM 2026 mehr Qualität im Offensivspiel geben. Dabei fällt eine Statistik auf, die man bei einem Spieler mit seinem Lebenslauf nicht erwarten würde: Chukwuemeka hat in seiner gesamten Profikarriere noch kein einziges Mal 90 Minuten auf dem Platz gestanden.
Das klingt zunächst unglaubwürdig. Chukwuemeka hat bei Aston Villa, Chelsea und Borussia Dortmund insgesamt rund 100 Pflichtspiele auf Kampfmannschaftslevel absolviert. Chelsea bezahlte 2022 rund 18 Millionen Euro für den damals 18-Jährigen, Dortmund verpflichtete ihn im Sommer 2025 für etwa 20 Millionen. Der längste Einsatz seiner Profikarriere dauerte 82 Minuten – sowohl bei Chelsea gegen Manchester United in der Premier League als auch bei Dortmund gegen den Hamburger SV in der Bundesliga. Über volle 90 Minuten spielte er nur in den englischen Juniorennationalteams und in der EFL Trophy für die U21 von Aston Villa, also nicht im Kampfmannschaftsbetrieb.
Warum kam es nie zu einem vollen Einsatz?
Die Gründe dafür sind vielschichtig. Bei Aston Villa kam Chukwuemeka als junger Spieler nur sporadisch zum Einsatz und sammelte in der Premier League in der Saison 2021/22 gerade einmal 294 Minuten in zwölf Partien. Bei Chelsea spielte er in seiner ersten Saison 14 Ligaspiele, stand dabei aber nur zweimal von Beginn an auf dem Platz. Dann warfen ihn Verletzungen zurück: Eine Knieoperation beschränkte ihn in der Saison 2023/24 auf nur neun Ligaeinsätze mit insgesamt 223 Minuten. In der ersten Saisonhälfte 2024/25 spielte er bei Chelsea in fünf Pflichtspielen nur etwas mehr als 120 Minuten, bevor er im Jänner 2025 leihweise zu Dortmund wechselte. Auch dort wird er aktuell vor allem als Joker eingesetzt. In der laufenden Bundesliga-Saison 2025/26 kommt er auf 22 Einsätze, aber nur sechs davon von Beginn an, bei insgesamt 694 Spielminuten.
Was Chukwuemeka dem ÖFB-Team bringen kann
Trotz dieser kuriosen Statistik bringt Chukwuemeka Fähigkeiten mit, die im österreichischen Mittelfeld bisher so nicht vorhanden sind. Sein Spiel lebt von Vertikalität und Dynamik. Er empfängt den Ball gerne zwischen den Linien, dreht auf und trägt ihn dann in Richtung letztes Drittel. Anders als etwa ein Paul Wanner, der Situationen eher kontrolliert über Pässe und Kombinationen auflöst, ist Chukwuemeka häufiger selbst derjenige, der den Raum attackiert. Seine Torgefahr entsteht durch späte Läufe in den Strafraum und durch Aktionen aus seinem hohen Tempo heraus. Auch sein Dribbling ist auf Progressivität ausgerichtet – er sucht nicht den nächsten Pass, sondern den direkten Weg nach vorne. Borussia Dortmund beschreibt ihn offiziell als Box-to-Box-Spieler mit Dynamik und Zug zum Tor.
Auch im ÖFB-Team große Konkurrenz
Die fehlende Spielzeit über 90 Minuten ist kein Qualitätsmerkmal, sondern das Ergebnis von Verletzungen, Trainerwechseln und großer Konkurrenz bei Chelsea und beim BVB. Bei Dortmund hat Chukwuemeka in dieser Saison immerhin regelmäßig Einsatzzeit bekommen, wenn auch meist als Einwechselspieler. Für das ÖFB-Team wird entscheidend sein, wie belastbar er ist und wie Rangnick ihn in eine Mannschaft integriert, in der Laimer, Schlager, Seiwald und Baumgartner derzeit die erste Wahl im Mittelfeld sind und mit Wanner ein zusätzlicher Konkurrent hinzu kam. Die Konkurrenz ist also groß und das Teamgefüge gewachsen. Chukwuemeka ist mit seinen 22 Jahren aber ein Spieler, der das österreichische Nationalteam über die WM 2026 hinaus prägen könnte – wenn er gesund bleibt und endlich regelmäßig über die volle Distanz gehen kann.
