FIFA WM 2026

WM-Qualifikation September 2025: Südamerikas Top-Nationen im Rückblick

In der vergangenen Länderspielpause beendeten die südamerikanischen Länder den Qualifikationsprozess für die Weltmeisterschaft 2026 ab. Während Argentinien, Ecuador und Brasilien ihre Teilnahme bereits fixierten, waren noch drei weitere direkte Plätze zu vergeben und auch der Play-Off-Platz musste entschieden werden. Der Rückblick auf die Länderspiele im September.

Spieltag 17

Argentinien 3:0 Venezuela

Bei Argentinien stand das Spiel gegen Venezuela im Zeichen des Abschieds von Lionel Messi. Der Anfang vom Ende kommt immer näher und der Inter Miami-Legionär stand vor seinem letzten Pflichtspiel im himmelblau und weißen Trikot auf argentinischem Boden. Doch während eines der größten Kapitel in der argentinischen Nationalmannschaft zu Ende geht, stehen andere erst am Anfang. So nominierte Argentiniens Teamchef Lionel Scaloni auch den ein oder anderen Spieler ohne große Länderspielerfahrung. In der Abwehr ist hier Bournemouth-Linksverteidiger zu nennen, während sich im Mittelfeld mit Neo-Leverkusener Claudio Echeverri und Real Madrid-Neuzugang Franco Mastantuono zwei sehr große Talente tummeln. Die spannendste Nominierung gab es allerdings im Namen von José Manuel López.

Der 24-jährige Mittelstürmer spielt für den brasilianischen Top-Klub Palmeiras, die ihn im Juli 2022 für 9,5 Millionen Euro von Lanús aus der heimischen Liga verpflichtet haben. Seitdem gewann „Flaco“ López (dt. „der Dünne“) in Brasilien je zweimal die Meisterschaft und Staatsmeisterschaft von Sao Paulo sowie einmal den Superpokal. Spannend ist er vor allem durch sein physisches Profil, denn mit einer Größe von 1,90 Metern ist er deutlich größer als seine Sturmkollegen Julián Alvarez (1,70m) und Lautaro Martínez (1,73m) und bringt damit eine neue Komponente in den argentinischen Angriff, die so bisher nicht im Kader vertreten war.

Zwar nicht in der Liste vertreten, doch ebenfalls mit an Bord ist Real Madrid-Jugendspieler Alber Castelau. Der 16-jährige Keeper wurde zwar in Spanien geboren, hat aber auch die argentinische Staatsbürgerschaft und spielte bereits für die U15 und U17 der Albiceleste. Er wurde als Sparringtorhüter mitgenommen und durfte in den Trainingseinheiten mit den Stars mittrainieren. Diese Rolle ist keineswegs neu. Bereits beim WM-Sieg 2022 bekleidete Fede Gomes Gerth, der zwischenzeitlich bei Hoffenheim-Partnerklub Académico Viseu unter Vertrag stand, diesen Posten.

Ganz anders ging Venezuela in die Septemberspiele, ging es schließlich noch um die direkte Qualifikation für die WM, die Gastgeber Argentinien bereits längst erreicht hat. In Schlagdistanz befand sich jedoch noch der sechste und niedrigste Platz für eine direkte Teilnahme. Sollte man diesen nicht erreichen, gäbe es immer noch den Weg über das Play-Off zur WM. Die Mannschaft von Fernando Batista galt es aber nicht zu unterschätzen, erarbeitete sich die Vinotinto beim letzten Aufeinandertreffen ein 1:1 gegen den Weltmeister.

Passend zum Messi-Abschied wurde mit dem Estadio Monumental, der Heimstätte von River Plate, das größte Stadion des Kontinents ausgewählt. Ein letztes Mal führte der Weltstar seine Truppe zuhause auf den Platz, während im Mittelfeld Franco Mastantuono seinen ersten Startelfeinsatz für die Albiceleste bekam und somit bereits den Generationenwechsel durchschimmern ließ.

Wie erwartet bestimmte die Albiceleste die Anfangsphase, musste Vinotinto-Keeper Rafael Romo bereits nach vier Minuten einen Alvarez-Schuss festhalten. Im Anschluss bewies Franco Mastantuono sein Talent, als er Cristian Romero einen Kopfball zur Führung auflegte, doch der Tottenham-Kapitän befand sich im Abseits und der Treffer wurde zurecht aberkannt.

Romo war weiterhin gefordert und zeigte mit zwei Paraden, wie wichtig er für sein Team war. In Minute 22 ist er mit dem Knie rechtzeitig für einen flachen Abschluss von Linksverteidiger Nicolás Tagliafico zur Stelle und klärt vier Minuten später einen Messi-Abschluss aus über 20 Metern zur Seite.

Der Bann war erst sechs Minuten vor Ende des ersten Spielabschnitts gebrochen. Botafogos Jefferson Savarino verstolpert sich im Mittelkreis, wo Boca-Rückkehrer Leandro Paredes lauert und den Ball aufnimmt. Nach ein paar Metern findet er Alvarez mit einem großartigen Außenristpass im Halbraum. Der Atleti-Angreifer zieht in den Strafraum ein und legt auf seinen Kapitän auf, der Romo und drei weitere Verteidiger in bester Manier zum 1:0 überlupft. Die verdiente Führung.

In Halbzeit zwei ergab sich für Venezuela die erste nennenswerte Gelegenheit, Savarinos Schuss kurz vor dem Strafraum blieb aber ungefährlich. Folglich war Argentinien wieder mehrfach vor dem venezolanischen Tor, doch Mastantuonos Fernschuss sowie Almadas unsauberer Abschluss im Strafraum endeten neben der Stange, während Romo die Privatduelle gegen Messi und Nico González für sich entscheiden konnte. Es hätte schon 3:0 oder 4:0 stehen können für Argentinien, einzig dem 35-jährigen Schlussmann der Vinotinto ist das Gegenteil zu verdanken.

Während die Gäste in der 73. Minute sich durch Mittelfeldspieler Jorge Yriarte annäherten, war es drei Spielminuten später Joker Lautaro Martínez, dem es gelang, die venezolanische Wand erneut zu durchbrechen. Mit dem schnell ausgeführten Freistoß war Lionel Messi allen einen Schritt voraus und fand Nico González per Steilpass im Strafraum. Dieser musste nur in die Mitte auf Inter Mailands Kapitän flanken, der per Flugkopfball für das 2:0 sorgte. Romo war zwar noch dran, konnte Martínez ersten Treffer seit November 2024 allerdings nicht verhindern.

Quasi spiegelverkehrt ereignete sich die nächste Situation. Im rechten Halbraum nahm Almada den Ball auf und findet seinen Kapitän im Zentrum, der gewissermaßen vom Elfmeterpunkt den dritten Treffer erzielte und seinen Doppelpack schnürte. Kurz vor Spielende klingelte es sogar erneut und der Hattrick wäre perfekt gewesen, doch Messi befand sich beim Zuspiel in der verbotenen Zone und musste sich mit einem Doppelpack begnügen. Nichtsdestotrotz war der Sieg perfekt und der Abschied geglückt. Ein Sahneabend für Argentinien, einer zum Vergessen für Venezuela.

Mit 72 Spielen (36 Tore, 14 Vorlagen) in der WM-Qualifikation zog Lionel Messi nicht nur mit Rekordhalter Iván Hurtado aus Ecuador gleich, sondern holte sich auch die Torjägerkanone der Qualifikation. Seine acht Tore sollten auch am letzten Spieltag nicht überboten werden.

Für Venezuela bedeutete die Niederlage nun, dass es am letzten Spieltag um alles oder nichts geht. Ein Schlüsselmoment für die erste WM-Teilnahme.

Uruguay 3:0 Peru

Als Viertplatzierter ging Uruguay in die Länderspiele des Septembers, womit man den höchsten Platz in der Tabelle einnahm, der noch nicht qualifiziert war. Die Mannschaft von Marcelo Bielsa weist seit der Copa América mit zwei Siegen, fünf Remis und drei Niederlagen eine mittelmäßige Bilanz auf, musste aber keine Angst haben, die Endrunde in Nordamerika zu verpassen, betrug der Unterschied zum dritten Platz nur ein Punkt. Zuhause bot sich nun die Chance, alles klarzumachen.

Demgegenüber hatte Peru zwar eine mathematische Minimalchance auf das Play-Off, doch das Verpassen der WM war so gut wie fix. Mit zwei Remis gegen Kolumbien und Ecuador bewies die Truppe von Interimscoach Oscar Ibáñez aber Kämpfergeist.

Besser in die Partie im legendären Estadio Centenario von Montevideo startete die Heimmannschaft. Zuerst verfehlte ein Abschluss von Flamengos Giorgian de Arrascaeta das Tor, bevor er selbst den Pre-Assist zur Führung gab. Aus dem rechten Halbraum fand er seinen Vereinskollegen Guillermo Varela am rechten Flügel, der direkt ins Zentrum flankte, wo América-Stürmer Rodrigo Aguirre nach einer knappen Viertelstunde für die Führung sorgte.

Im Anschluss blieb Uruguay am Drücker und Arrascaeta nahm eine immer wichtigere Rolle ein, doch seinen Chancen fehlte es an Präzision. Die erste gefährlichere Gelegenheit ergab sich für Peru in der 29. Minute als Kevin Quevedo eine Kombination über mehrere Station nicht entscheidend vollenden konnte. Weitere Arrascaeta-Annäherungen sowie Ungenauigkeiten bei Peru sorgten für unzufriedene Gesichter in Montevideo. Die uruguayische 1:0-Pausenführung ging in Ordnung.

In der zweiten Halbzeit zeichnete sich ein ähnliches Bild ab, war Peru per Kopfball von Kopenhagen-Linksverteidiger Marcos López in Minute 54 dem Ausgleich sehr nahe. Kurz darauf schoss sich Arrascaeta den Frust von der Seele und baute die uruguayische Führung aus. Am zweiten Pfosten legte Aguirre eine Varela-Flanke auf den Routinier auf, der den Ball mit einem strammen Rechtsschuss unter die Querlatte ins Netz zum 2:0 knallte.

Fortan nahm Uruguay das Zepter in die Hand, hatte gleich mehrere Chancen und drängte Peru zurück. So war es Oviedo-Stürmer Federico Viñas, der in der 80. Minute den Deckel drauf machte. Ein letztlich ausgeglichenes Spiel fiel zugunsten Uruguays, die mit diesen drei Punkten die fünfte WM-Teilnahme in Folge unter Dach und Fach brachte und die Lücke zur sechsten Teilnahme schloss. 2030 ist die Celeste schließlich als Gastgeber des Jubiläumsspiels dabei, womit die längste Serie an WM-Teilnahmen fix ist.

Kolumbien 3:0 Bolivien

Das interessanteste Spiel des 17. Spieltages fand in Barranquilla statt. Der Negativtrend Kolumbiens war weiterhin nur schwer aufzuhalten, scheint seit dem verlorenen Finale der Copa América 2024 die Luft raus zu sein. Die Mannschaft von Néstor Lorenzo konnte die letzten sechs Spiele allesamt nicht gewinnen, doch mit zuletzt drei Remis in Serie, darunter gegen Weltmeister Argentinien, gelang es, den Niederlagen vorerst ein Ende setzen. Für die WM qualifiziert war man vor dem Spiel nicht, stand aber kurz davor. Nun wartete mit Bolivien ein interessanter Gegner, der noch Außenseiterchancen auf die direkte Qualifikation hat, aber auch über das Play-Off von der WM-Teilnahme träumt. Ein Sieg wäre also für beide Mannschaften enorm wichtig.

Dementsprechend motiviert startete die Heimmannschaft in die Partie und eine Chancenflut fegte über die bolivianische Abwehr. So ergaben sich in der Anfangsviertelstunde aussichtsreiche Möglichkeiten für Ex-Bundesliga-Spieler Jhon Córdoba, Bayern-Neuzugang Luis Díaz, Wolves-Angreifer Jhon Arias und Benficas Mittelfeldmann Richard Ríos, doch allesamt waren sie nicht von Erfolg gekrönt. Bolivien klopfte das erste Mal mit einem listigen Freistoß von Miguel Terceros, der auch als „Miguelito“ bekannt ist, an, der Ball landete dabei aber am Außennetz.

Im Anschluss waren die Cafeteros wieder am Drücker, was sich mit einem Ballbesitzanteil von 72% ausdrückte, und Kapitän James Rodríguez zeigte seinen Teamkollegen, wie man Tore schießt. War er zuvor per Kopfball noch erfolglos geblieben, stand er in der 31. Minute genau richtig im Strafraum, als der das flache Zuspiel des Ex-Leverkuseners Santiago Arias zum 1:0 ummünzte.

Ein schneller Freistoß zehn Minuten später hätte den zweiten Scorerpunkt für James bedeuten können, doch Türkei-Legionär Davinson Sánchez bekam nicht den nötigen Druck hinter seinen Kopfball und Keeper Carlos Lampe konnte ohne große Probleme zupacken. Mit dem kleinstmöglichen Unterschied ging es in die Kabinen.

Die zweite Hälfte begann mit der gefährlichsten Chance der Gäste. Linksverteidiger Roberto Fernández stellte Kolumbien-Schlussmann Camilo Vargas in der 53. Minute mit einem strammen Linksschuss von außerhalb des Strafraums das erste Mal vor Probleme, doch im Nachfassen hielt der 35-Jährige den Ball in den Armen.

Boliviens nächste hochkarätige Chance ergab sich in der 71. Minute. Ein langer Ball auf den linken Flügel reichte, um die kolumbianische Hintermannschaft zu überspielen. Den anschließenden Ball in die Mitte traf Mittelfeldspieler Gabriel Villamil nicht richtig und Vargas konnte entscheidend dazwischengehen.

Es bestätigte sich die alte Fußballweisheit: Wenn du sie vorne nicht machst, kassierst du sie hinten. Der eingewechselte Juanfer Quintero bewies seine Klasse mit einem Steilpass auf Jhon Córdoba, der über rechts in den Strafraum einzog und Lampe ohne Chance ließ. Das 2:0 in der 74. Minute. Das goldene Händchen von Néstor Lorenzo bewies sich neun Minuten später. Vom Mittelpunkt aus findet Quintero Luis Díaz auf dem linken Flügel, der das Spiel bis in den Strafraum treibt. Mit einem Haken schaltet er die bolivianische Hintermannschaft aus und gewinnt genau die Zeit, die Quintero zum Einlaufen brauchte. Mit links vollendete er das, was er angefangen hatte, und setzte dem Spiel mit dem 3:0 den Hut auf. Game Over.

Nach einer anfangs wackligen zweiten Halbzeit zeigte Kolumbien mentale Stärke und läutete den Turnaround ein. Mit dem Sieg konnten die Cafeteros nun endlich wieder Aufatmen und den ersten Dreier seit Oktober 2024 einfahren. Damit war der Bann der sieglosen Spiele nun endlich gebrochen und die Rückkehr auf die fußballerische Weltbühne fix, nachdem man die letzte Endrunde verpasste.

Für Bolivien hingegen ist die Niederlage ein enttäuschendes Resultat, hätte sich angesichts der venezolanischen Niederlage die Chance ergeben, zwischenzeitlich auf Platz sieben vorzurücken, und das mit einer guten Ausgangslage. Nichtsdestotrotz die Chance, doch damit war auch ein wahrer Showdown für den letzten Spieltag angesagt. Die Entscheidung um den Play-Off-Platz wurde vertagt.

Paraguay 0:0 Ecuador

Unter Gustavo Alfaro erlebte Paraguay wahrlich einen fußballerischen Aufschwung. Der argentinische Trainer musste erst im vergangenen Juni seine erste Niederlage als Teamchef der Albirroja im zehnten Spiel hinnehmen. Der direkten WM-Teilnahme stand durch die guten Resultate also nur noch wenig im Weg. Mit Ecuador wartete aber ein starkes Team, das unter Sebastián Beccacece auch nur einmal verlor. Beide Trainer eint, dass ihre einzige Niederlage ein 0:1 auswärts gegen Brasilien war. Ein Spiel auf Augenhöhe war erwartbar.

Die ersten Großchancen im Spiel lagen bei der Heimmannschaft, als Palmeiras-Neuzugang Ramón Sosa gleich zweimal vor dem Tor auftauchte. In der 12. Minute entwischte er Milans Pervis Estupiñán, während er kurz darauf nach einem langen Ball vor dem ecuadorianischen Schlussmann Hernán Galíndez stand, nur um in ihm in beiden Situationen seinen Meister zu finden. In der 30. Minute schrieben die Gäste zum ersten Mal an, doch Nilson Angulos Versuch, den Ball um Paraguay-Schlussmann Roberto Fernández zu zirkeln, landete in dessen Hände. Eine maue erste Halbzeit bot nicht mehr als diese Gelegenheiten, womit sich beide zufriedengeben konnten.

Zu einem fußballerischen Leckerbissen wandelte sich die Begegnung auch im zweiten Spielabschnitt nicht. Erst in der 67. Minute flackerte vor einem Tor Gefahr auf. Paraguay erarbeitete sich nach Balleroberung eine Doppelchance, in welcher Bahia-Stürmer Antonio Sanabria sich per Flachschuss probierte, bevor Vancouver-Mittelfeldspieler Andrés Cubas einen missglückten Klärversuch aus gut 30 Metern an das Lattenkreuz knallte.

Für Ecuadors Megatalent Kendry Páez ergab sich kurz danach eine große Möglichkeit, das Netz zappeln zu lassen, als er einen perfekt gespielten Ball im Halbraum bekam. Mit einem Kontakt ließ er Ex-Herthaner Omar Alderete ins Leere laufen und hatte nur noch Fernández vor sich, doch die Trinkflaschen waren an diesem Tag nicht mit Zielwasser gefüllt und der Ball landete ungefährlich auf der Südtribüne des Estadio Defensores del Chaco.

Das Spiel verlief gewissermaßen im Sande, doch mehr brauchte Paraguay auch nicht um die verhoffte Teilnahme an der WM 2026 klarzumachen. Das für Ecuador unbedeutende torlose Remis wurde in Asunción mit Pyrotechnik auf den Zuschauerrängen gefeiert. Die Freude war riesengroß, darf schließlich zum ersten Mal seit 2010 wieder zum Weltturnier anreisen, was den Präsidenten Santiago Peña dazu veranlasste, den Tag darauf zum Nationalfeiertag zu erklären. In Südafrika erreichte die Albirroja mit dem Viertelfinale das bisher beste Ergebnis. Mit Erfolgscoach Gustavo Alfaro hat man jeden Grund zur Hoffnung, die kaum für möglich gehalten wurde.

Spieltag 18

Ecuador 1:0 Argentinien

Der 18. und finale Spieltag der südamerikanischen WM-Qualifikation bot noch drei interessante Spiele. Im ersten trafen Ecuador und Argentinien aufeinander, was ein interessantes Trainerduell zu liefern schien. Auf der einen Seite Sebastián Beccacece, auf der anderen Lionel Scaloni. Beide waren sie Teil von Jorge Sampaolis Trainerstab der argentinischen Nationalmannschaft bei der WM 2018. Beccacece war allerdings gar nicht an der Seitenlinie, verhinderte eine Gelbsperre schließlich das Wiedersehen mit Scaloni.

Nach dem Turnier in Russland wandte sich Beccacece schließlich dem Klubfußball zu, während Scaloni die A-Nationalmannschaft übernahm und mit ihr Geschichte schrieb. Eine Geschichte, die Lionel Messi zu lang ersehnten Titeln mit der Albiceleste führte. Messi selbst war aus Gründen der Schonung nicht mit nach Guayaquil gereist.

Dort zeigten sich beide Teams zu Spielbeginn erstmals nach Standardsituationen, die aber von beiden Teams per Kopf von Gonzalo Plata für Ecuador und Lautaro Martínez für Argentinien aber nicht genutzt wurden. Folglich nahm El Tri das Zepter des Spiels in der Hand und brachte Argentiniens Hintermannschaft ordentlich ins Wanken.

Aston Villa-Torwart Emiliano Martínez war so gleich zu zwei Paraden gezwungen. Zuerst stand sein Fuß bei einem Abschluss aus kurzer Distanz (7.) von Enner Valencia goldrichtig, bevor Anderlechts Nilson Angulo seinem Nachnamen alle Ehre machen wollte. Martínez war in der 14. Minute rechtzeitig am Boden und verhinderte das Gegentor. Die Zeichen standen dennoch schlecht für die Albiceleste und in der 31. Minute zog Kapitän Nicolás Otamendi die Notbremse. Als letzter Mann stoppte er sein ecuadorianisches Pendant Enner Valencia, die richtige Entscheidung: Rot.

In Unterzahl musste Argentinien nun durchhalten, doch es war nur eine Frage der Zeit, bis Ecuador die Führung spät in der Nachspielzeit gelang. Nach einem Foul von Nicolás Tagliafico verwandelte Enner Valencia den fälligen Strafstoß souverän und erzielte sein 47. Tor für El Tri.

Im zweiten Spielabschnitt drehte sich das Momentum und Argentinien holte sich verlorene Spielanteile zurück. Dabei profitierte man auch von der gelb-roten Karte, die sich Chelsea-Mittelfeldmann Moisés Caicedo in der 50. Minute einfing, doch Abschlüsse machten sich für die Albiceleste rar. Eine gefährliche Gelegenheit ergab sich erst in der 70. Minute, als der eingewechselte Giovani Lo Celso zusehen musste, wie sein Abschluss im Strafraum entscheidend ins Aus abgefälscht wurde. Kevin Rodríguez von Union Saint-Gilloise hatte im Anschluss die größte Chance auf das 2:0, doch Martínez parierte mit jenem Fuß, der auch Randal Kolo Muanis 3:3 im WM-Finale 2022 verhinderte. Argentinien zeigte sich erneut durch Lo Celso, sein verzweifelter Fernschuss führte allerdings zu nichts und Argentinien verlor mit 0:1.

Das Spiel war für beide Teams sportlich zwar unbedeutend, doch Ecuador siegte damit zum ersten Mal seit 2009 wieder zuhause gegen Argentinien. Das jedoch nicht ohne Verluste, ist schließlich das erste WM-Gruppenspiel nächste reguläre Pflichtspiel, wodurch Moisés Caicedo den Auftakt der Endrunde verpassen wird. Dasselbe gilt für Nicolás Otamendi, der ein wichtiger Baustein in der argentinischen Hintermannschaft ist. Um dies zu kompensieren, haben beide Teams aber nun neun Monate Zeit.

Venezuela 3:6 Kolumbien

Im Fernduell ging es nun um alles oder nichts für Venezuela. Zuhause empfing die Mannschaft von Fernando Batista Kolumbien, die mit ihrem Sieg wieder auf die Gewinnerstraße zurückfanden. Die große Aufgabe für die Vinotinto: Die Teilnahme am Play-Off fixieren. Kolumbien hingegen konnte Venezuela mit einem Sieg die Stimmung gehörig vermiesen.

Ein Torfestival bahnte sich an und nahm bereits früh Fahrt auf. Inter Miamis Telasco Segovia brachte das Estadio Monumental de Maturín gleich in der dritten Minute zum Beben, als er sich aus dem Mittelfeld in den Strafraum wagte, wo er von Kapitän Salomon Rondón den Ball erhielt, und per Schuss ins Kreuzeck für die venezolanische Führung sorgte. Kolumbien blieb unbeeindruckt und antwortete in Form von Cagliaris Innenverteidiger Yerry Mina, der nach Ecke in der zehnten Minute zum Ausgleich einköpfte.

Prompt zeigte Venezuela eine Reaktion. Einen Abschluss aus spitzem Winkel von Segovia konnte Vargas-Ersatz Kevin Mier nicht entscheidend festhalten, wodurch Josef Martínez dazwischenfunkte und den Ball über die Linie spitzelte. Trotz Miers schneller Reaktion überschritt der Ball die weiße Rasenmarkierung laut den Adleraugen des Linienrichters bereits vollständig und die alte Führung war in der zwölften Minute wieder hergestellt.

Das heitere Fußballfest gedeiht im Anschluss mit zwei Top-Gelegenheiten. Einerseits fand der stramme Fernschuss von Mexiko-Legionär James Rodríguez in Venezuelas Rafael Romo seinen Meister. Andererseits zeigte Josef Martínez mit einem Fallrückzieher seine Akrobatik, die Querlatte verhinderte allerdings den Torjubel.

Erst kurz vor Ende der ersten Halbzeit klingelte es wieder, Luis Suárez fand freien Raum im Strafraum vor sich und vollendete eine saubere Kombination seiner Kollegen zum 2:2-Ausgleich. Damit deute der Mittelstürmer von Sporting Portugal seinen Torriecher an, der in der zweiten Halbzeit vollends aufblühen sollte.

So dauerte es nur fünf Minuten, bis er erneut zum Jubel ansetzte. Links im Strafraum dribbelte er nach James-Zuspiel seinen Gegner mittels zweier Übersteiger aus, zog in die Mitte und erzielte das 3:2. Venezuela drängte auf den Ausgleich und verpasste im Namen von Yeferson Soteldo auch jenen dritten Treffer, den nun Suárez für sich machte und auf 4:2 stellte. Im Laufduell gegen Juventude-Verteidiger Wilker Ángel bewies er mit Ball am Fuß die Oberhand und überwand Romo.

Dass dieses Spiel ein wahrer Kracher war, beweisen selbst die Chancen, die nicht zum Torerfolg führten. So konnte Romo das 5:2 von Luis Díaz verhindern, nachdem dieser einen Abwehrfehler ausnutze. Auf der anderen Seite wäre der Anschlusstreffer beinahe durch den eingewechselten Kevin Kelsy gefallen, dessen zarter Kopfball nach Soteldo-Flanke in den Armen Miers landete.

Somit war wieder ein Mann gefragt. Luis Suárez‘ setzte dem Sahneabend mit dem 5:2 in der 67. Minute und seinem vierten Tor die Krone auf. Dieses Mal profitierte er von der Vorarbeit von Richard Ríos, der sich durch die venezolanische Abwehr arbeite und nach Doppelpass mit Luis Díaz nur querlegen musste. Ein Leichtes für Suárez, der in seinen fünf Länderspielen davor kein einziges Tor schoss.

Die Vinotinto gab sich nicht geschlagen und kam sogar noch zum 5:3 in der 76. Minute. Einen Fernschuss von Jefferson Savarino parierte Kevin Mier, der nicht seinen besten Abend hatte, zentral, was Salomon Rondón ausnutzte, um zu verkürzen. Ergebniskosmetik nennt man das 6:3, das Jhon Córdoba nur zwei Minuten später machte und dem Spiel damit den Hut aufsetzte.

Aus neutraler Sicht bot diese Partie feinste Fußballkost, für Venezuela ist die Enttäuschung jedoch riesengroß. Mit der Niederlage stehen die Chancen auf eine WM-Teilnahme schlecht, war man vom Ergebnis Boliviens abhängig. Böses stand bevor, was später in der Entlassung des Teamchefs Fernando Batista mündete. Kolumbien hingegen sichert sich Platz drei mit dem letzten Dreier und schafft zum Ende des Qualifikationszyklus den Turnaround. Das Ausrufezeichen mit den ersten beiden Siegen in Serie seit der Copa América 2024 ist gesetzt.

Bolivien 1:0 Brasilien

Eine Mammutaufgabe wartete auf Bolivien im letzten Spiel der WM-Qualifikation. Zuhause galt es, Brasilien unter Neo-Teamchef Carlo Ancelotti zu schlagen, um den angestrebten siebten Platz für das Play-Off zu erreichen. Auf der anderen Seite stand ein personalveränderter Rekordweltmeister.

Ohne Neymar, Vini Jr. und Rodrygo, doch dafür mit anderen interessanten Namen ging Brasilien in diese Länderspielpause. So durfte Angreifer Kaio Jorge, der mit Cruzeiro eine fantastische Saison spielt und Top-Torschütze der brasilianischen Liga ist, sein Debüt im Nationaltrikot feiern. Gegen Chile am 17. Spieltag bekam er 19 Minuten, musste im Anschluss aber verletzt abreisen.

Interessante Neulinge waren zudem Keeper Hugo Souza, der Stammtorhüter an der Seite von Memphis Depay bei Corinthians ist, sowie Bahias Mittelfeldspieler Jean Lucas und Botafogos Vitinho, die es über Nachnominierungen in den Kader schafften. Kritik erntete Ancelotti aber auch für die Nominierung von Zenit-Linksverteidiger Douglas Santos, der gegen Chile nach neun Jahren Abstinenz durchspielte, sowie für manche Nicht-Nominierungen.

Eine Einberufung verdient hätten sich Matheus Pereira, der neben Kaio Jorge der wichtigste Offensivspieler bei Cruzeiro ist, Luciano Juba, der auf der linken Abwehrposition einer der besten in des Brasileirão ist, sowie Santos-Keeper Gabriel Brazão.

Liverpools Alisson bewies aber gleich bei der ersten Gelegenheit, warum es keines anderen Torwarts bedurfte, und parierte nach sieben gespielten Minuten den Weitschuss von Boliviens Kapitän Luis Haquín, der bei Al-Tai in Saudi-Arabien aktiv ist. Brasilien überließ dem Heimteam das Spiel und so war es an der Zeit für Miguelito, das Spiel an sich zu reißen. In der 17. Minute forderte er Alisson erneut heraus, aus spitzem Winkel meisterte dieser die Aufgabe jedoch.

Nach weiteren Gelegenheiten Miguelitos zeigte sich der fünffache Weltmeister erst in der 40. Minute zum ersten Mal vor dem gegnerischen Kasten. Ein gescheiterter Klärungsversuch der bolivianischen Abwehr landet über Umwege bei Zenit-Legionär Luiz Henrique im Strafraum, dessen Linksschuss Keeper Carlos Lampe allerdings vor keine große Herausforderung stellt.

Wenn es aus dem Spiel heraus nicht funktionierte, musste für Bolivien ein Elfmeter her. Kurz vor Ende der ersten Spielhälfte beging Bruno Guimarães ein Foul im eigenen Strafraum, was den chilenischen Schiedsrichter Cristian Garay nach Videostudium zur Elfmeterentscheidung veranlasste. Obwohl er die Ecke erriet, gelang es Alisson nicht, Miguelitos achten Länderspieltreffer zu verhindern. Mit 1:0 führte Bolivien zur Pause.

Als blass wäre wohl die zweite Halbzeit zu beschreiben, denn trotz einem Ballbesitz von 74% fehlte Brasilien jegliche Durchschlagskraft. Zu anderen Zeiten wäre wohl die Dampfwalze gefahren, der heutige Auftritt gleicht eher einem luftlosen Schaulaufen. Angesichts der Tatsache, dass sich das Estadio Municipal de El Alto allerdings auf 4.088 Metern über Meereshöhe befindet, ist dies wenig verwunderlich.

Bestens kennt diese Arena das 18-jährige Talent Moises Paniagua, der sich auf bolivianischer Seite präsentieren konnte. Mit Always Ready spielt er regelmäßig in diesen Höhen, womit möglicherweise auch der Grund für seinen Erfolg in der Liga zu erklären sei. So gelangen ihm bisher bereits zwölf Tore und vier Vorlagen in 24 Einsätzen in der laufenden Saison. Vereinsintern überbietet dies nur Efmamjjasond González, dessen wirrer Vorname sich durch die Anfangsbuchstaben der zwölf Monate ergibt, was die besten Fußballkenner aber ohnehin im Hinterkopf haben.

Kopf ist ein gutes Stichwort, war Carmelo Algarañaz in der 86. Minute durch einen Kopfball dem Torerfolg wieder richtig nahe. Alisson fischte die Kugel allerdings aus dem Eck und verhinderte das Gegentor des Stürmers von PS Kalamata aus der zweiten griechischen Liga.

Mehr gab es nicht zu sehen und Bolivien vollbrachte mit einer Schussdifferenz von 23:10 ein scheinbares Fußballwunder. Mit dem unerwarteten Sieg hievte man sich in die Play-Offs und besiegelt das Schicksal Venezuelas, das weiterhin auf die erste WM-Teilnahme seiner Fußballgeschichte warten muss. Bolivien hingegen war bereits dreimal dabei, noch nie jedoch im 21. Jahrhundert. Nun steht das Play-Off-Turnier aus, in welchem auch noch fünf weitere Teams auf einen Platz in Nordamerika hoffen.

Einen Gegner kennt man bereits. Die ozeanische Inselgruppe Neukaledonien, politisch Teil von Frankreich, kam über das verlorene Konföderationsfinale gegen Neuseeland in das Entscheidungsturnier. In der FIFA-Weltrangliste steht man auf Rang 152, zwischen St. Kitts & Nevis und Guyana. Zwei weitere Teilnehmer stoßen aus Nordamerika und jeweils einer aus der afrikanischen und der asiatischen Konföderation dazu.

Für Brasilien war es hingegen ein Auftritt, der wohl den wenigsten in Erinnerung bleiben wird. Sollte sich dennoch jemand in den Geschichtsbüchern verirren und auf der Seite mit diesem Spiel landen, so sei es wohl als erste Niederlage von Carlo Ancelotti mit der brasilianischen Nationalmannschaft gekennzeichnet. Erstmals seit 2009 verlor Brasilien wieder gegen Bolivien. Damals standen unter anderem Adriano, Maicon, Dani Alves und Julio César auf dem Platz.

Große Kritik hagelte es von brasilianischer Seite nach der Partie. So kündigte Sportdirektor Rodrigo Caetano eine Beschwerde bei der CONMEBOL und der FIFA aufgrund mehrerer Missstände an. Das unsportliche Verhalten von Balljungen, die Bälle verschwinden ließen, und Zuschauern, die mit zweiten Bällen auf dem Spielfeld das Spiel stören wollten, wird angeprangert. Weiters werden Fehlverhalten der örtlichen Polizei, fehlende Sicherheitsvorkehrungen und unzufriedenstellende Infrastruktur kritisiert.

Ergebnisse

Spieltag 17

Uruguay 3:0 Peru

Kolumbien 3:0 Bolivien

Paraguay 0:0 Ecuador

Argentinien 3:0 Venezuela

Brasilien 3:0 Chile

Spieltag 18

Ecuador 1:0 Argentinien

Venezuela 3:6 Kolumbien

Chile 0:0 Uruguay

Bolivien 1:0 Brasilien

Peru 0:1 Paraguay

Tabelle

  1. Argentinien, 38 Punkte, qualifiziert

  2. Ecuador, 29 Punkte, qualifiziert, 3 Punkte Abzug wegen Byron-Castillo-Fall

  3. Kolumbien, 28 Punkte, qualifiziert, vorgereiht wegen größerer Anzahl an erzielten Toren

  4. Uruguay, 28 Punkte, qualifiziert, vorgereiht wegen Tordifferenz

  5. Brasilien, 28, Punkte, qualifiziert, vorgereiht wegen Tordifferenz

  6. Paraguay, 28 Punkte, qualifiziert,

  7. Bolivien, 20 Punkte, Play-Off-Platz

  8. Venezuela, 18 Punkte

  9. Peru, 12 Punkte

  10. Chile, 11 Punkte