Dejan Ljubicic rückt für Christoph Baumgartner in den ÖFB-Kader nach
Dejan Ljubicic schaffte es etwas überraschend doch noch in den WM-Kader. Der Mittelfeldspieler des FC Schalke 04 wurde vom ÖFB für den verletzten Christoph Baumgartner nachnominiert und soll bereits am Freitag erstmals mit der Mannschaft trainieren.
Auslöser der Nachnominierung ist Baumgartners schwere Muskelverletzung. Der Leipzig-Legionär hatte sich am 1. Juni beim Aufwärmen vor dem Testspiel gegen Tunesien verletzt, als er bei einem Schuss einen Stich im Bereich des Hüftbeugers verspürte. Die MRT-Untersuchung bestätigte später, dass ein WM-Einsatz nicht möglich ist. Baumgartner wurde bereits operiert und dürfte rund fünf Monate ausfallen. Trotz des WM-Aus reist er ins ÖFB-Camp, um dort seine Reha zu absolvieren und die Mannschaft zu unterstützen.
Teamchef Ralf Rangnick hatte zunächst bewusst auf eine sofortige Nachnominierung verzichtet. Erst einige Tage später fiel die Entscheidung für Dejan Ljubicic. Nach FIFA-Regulativ ist ein Austausch verletzter Spieler bis 24 Stunden vor dem ersten WM-Spiel möglich. Österreich startet am 17. Juni in Santa Clara gegen Jordanien ins Turnier.
Ljubicic ist dabei kein direkter Ersatz für Baumgartner. Während Baumgartner im ÖFB-Spiel vor allem für seine offensiven Lichtblicke wichtig ist, bringt Ljubicic andere Qualitäten mit. Der 28-Jährige kann im zentralen und defensiven Mittelfeld eingesetzt werden, hat in seiner Karriere aber auch schon als Innenverteidiger und Außenverteidiger gespielt. Genau diese Vielseitigkeit dürfte für Rangnick ausschlaggebend gewesen sein.
Sportlich reist Ljubicic mit Rückenwind zur Endrunde. Im Jänner wechselte er von Dinamo Zagreb zu Schalke 04 und wurde dort sofort zu einem wichtigen Faktor im Aufstiegskampf. In 15 Zweitligaeinsätzen erzielte er vier Tore und bereitete drei weitere Treffer vor. Besonders wichtig war sein Doppelpack beim 3:2-Sieg in Paderborn, bei dem er in der Schlussphase den entscheidenden Treffer erzielte. Wenige Wochen später fixierte Schalke den Aufstieg in die Bundesliga.
Im Nationalteam spielte Ljubicic zuletzt keine große Rolle. Sein Debüt gab er im September 2021, insgesamt hält er bei neun Länderspielen und einem Tor. Der letzte Einsatz liegt fast drei Jahre zurück: Im September 2023 stand er beim 1:1 gegen Moldawien in Linz als Rechtsverteidiger in der Startelf, musste aber nach 35 Minuten verletzt ausgewechselt werden. Danach gehörte er nur noch im Oktober 2023 zum Kader.
Für Österreich verändert seine Nominierung die Zusammensetzung des Kaders eher in der Breite als in der Spitze. Baumgartners Rolle zwischen Mittelfeld und Angriff werden voraussichtlich andere Spieler auffangen müssen, etwa Romano Schmid, Marcel Sabitzer, Carney Chukwuemeka oder Paul Wanner – auch Sasa Kalajdzic könnte als hängende Spitze im Gegensatz zu Gregoritsch eine gute Option sein.
Einige Fans hätten auch Nikolaus Wurmbrand als möglichen Ersatz erwartet. Der Rapid-Flügelspieler bringt Tempo, Tiefgang und Explosivität im letzten Drittel mit, also Qualitäten, die Österreich nach Baumgartners Ausfall grundsätzlich gut gebrauchen könnte. Seine Formkurve zeigte in den vergangenen Monaten allerdings eher nach unten. Vor allem bei der Entscheidungsfindung rund um den Strafraum blieb zuletzt noch Luft nach oben. Bei einem jungen Spieler sind solche Schwankungen nicht ungewöhnlich, für eine WM-Nachnominierung waren seine Leistungen jedoch nicht ausreichend.
Anders liegt der Fall bei Sascha Horvath. Der LASK-Spielmacher steigerte sich in den vergangenen Monaten deutlich und hätte sich eine Nominierung durchaus verdient gehabt. Auch positionsspezifisch wäre Horvath interessant gewesen, weil er zwischen den Linien Lösungen findet, im letzten Drittel klare Aktionen setzen kann und Baumgartners Rolle zumindest vom Profil her näher gekommen wäre als Ljubicic. Hier hat man vielleicht eine Chance verpasst.
