FIFA WM 2026

Algerien-Coach Petković: „Ein Spiel an der Grenze des Erträglichen“

Algerien steht nach dem dramatischen 3:3 gegen Österreich in der KO-Phase der WM. Die Mannschaft von Vladimir Petković traf in der 94. Minute völlig überraschend zum 3:2, musste aber noch den österreichischen Ausgleich hinnehmen. Nach dem Spiel sprach der algerische Teamchef über die wilden Schlussminuten, den Aufstieg, die Mentalität seiner Mannschaft und das kommende Duell mit der Schweiz. Wir haben die wichtigsten Aussagen der Pressekonferenz für euch zusammengefasst.

Gleich zu Beginn wurde Petković mit der Frage konfrontiert, ob Algerien in der Schlussphase wirklich auf Sieg gespielt habe oder ob manche Spieler mit dem Unentschieden zufrieden gewesen seien. Der Teamchef widersprach dieser Darstellung klar. „Ich denke, wir haben gezeigt, dass wir gewinnen wollten“, sagte Petković. Gleichzeitig ordnete er das Endergebnis nüchtern ein: Am Ende sei dieses Resultat wohl „für alle gerechter“ gewesen.

„Ein bisschen verrückt“

Petković gratulierte seiner Mannschaft zunächst zum erreichten Ziel. Algerien habe nach der Qualifikation für die WM nun auch das nächste Ziel geschafft und den Sprung in die Runde der letzten 32 erreicht. „Große Komplimente an alle Spieler und an die gesamte Mannschaft“, sagte der Trainer.

Das Spiel selbst beschrieb er als „ein bisschen verrückt“. Phasenweise sei die Partie an die Grenze des Erträglichen gegangen, vor allem emotional. Algerien musste mehrmals reagieren, zeigte aber genau darin aus Sicht des Trainers seine Qualität. Petković verwies besonders auf die erste Halbzeit, in der er „die Arbeit einer großen Mannschaft“ gesehen habe. Seine Spieler hätten Qualität gezeigt und bewiesen, dass sie von Tag zu Tag und von Spiel zu Spiel wachsen.

Die letzten Minuten waren das große Thema der Pressekonferenz. Algerien erzielte spät das 3:2 und stand damit kurz vor dem Sieg. Österreich kam aber noch einmal zurück und glich zum 3:3 aus. Petković sah darin keinen Beleg für einen Nichtangriffspakt, sondern für das Gegenteil. „Ich bin sehr froh, dass am Ende der Fußball gewonnen hat“, erklärte er. Die Reaktionen auf das 3:2 und das 3:3 würden alles sagen.

Balance statt Absicherung

Auch die Frage nach der letzten Trinkpause wurde gestellt. Hatte Petković seinen Spielern gesagt, sie sollen das Remis absichern? Oder war der Plan, in der Nachspielzeit noch auf den Sieg zu gehen? Der Algerien-Teamchef blieb bei seiner Linie: Seine Idee sei immer, gewinnen zu wollen. Auch gegen Österreich sei es darum gegangen, das Spiel mit Kopf und Intelligenz auf die eigene Seite zu ziehen.

Petković räumte ein, dass es eine Phase von rund 15 Minuten gegeben habe, in der beide Mannschaften „etwas passiver“ wurden. Das habe aber nicht daran gelegen, dass niemand mehr verlieren wollte. Vielmehr sei es darum gegangen, den Gegner zu testen, die richtige Möglichkeit zu finden und dann zuzuschlagen. Algerien habe das mit dem dritten Tor getan, Österreich dann mit dem späten Ausgleich.

In der Pause habe er von seiner Mannschaft verlangt, sehr ausgeglichen, aber auch sehr kooperativ zu bleiben. Genau das habe Algerien bis zum Schluss versucht. Der späte Ausgleich war für Petković daher ärgerlich, änderte aber nichts an der positiven Grundbewertung.

Mahrez findet „seine Beine wieder“

Ein großes Thema war Riyad Mahrez. Der Routinier war an allen drei algerischen Toren beteiligt und erzielte zwei Treffer selbst. Petković freute sich nicht nur über die Tore, sondern vor allem über den körperlichen Eindruck seines Führungsspielers. „Es freut mich, dass er seine Beine wiedergefunden hat“, sagte der Teamchef sinngemäß. Mahrez sei über 90 Minuten omnipräsent gewesen.

Auch Farès Chaïbi erhielt Lob. Petković betonte, dass Chaïbi bereits im dritten Spiel in Folge auf sehr hohem Niveau agiert habe. Insgesamt hätten beide Spieler vom guten Mannschaftsauftritt profitiert. Algerien sei physisch und psychisch an die Grenzen gegangen, habe aber alles gegeben.

Die sieben Gegentore aus drei Gruppenspielen wollte Petković nicht zu stark gewichten. Natürlich seien Gegentore immer ein Thema, aber die nackten Zahlen dürfe man nicht isoliert betrachten. Algerien verlor das erste Spiel gegen Argentinien deutlich, holte danach aber vier Punkte. „Ich habe lieber Punkte als weniger Gegentore“, machte der Teamchef deutlich.

Noch kein Fokus auf die Schweiz

In der Runde der letzten 32 trifft Algerien nun auf die Schweiz, also ausgerechnet auf Petković’ frühere Mannschaft. Der Trainer wollte sich unmittelbar nach dem Österreich-Spiel aber noch nicht ausführlich mit diesem Duell beschäftigen. Er habe nach dem Abpfiff weder Zeit noch Lust gehabt, sofort an den nächsten Gegner zu denken.

Natürlich kenne er die Schweiz gut. Viele Spieler hätten schon unter ihm gespielt und die Schweiz sei seit vielen Jahren regelmäßig bei großen Turnieren vertreten. Die genaue Analyse werde aber erst in den kommenden Tagen beginnen. Zunächst gehe es darum, Energie zurückzugewinnen, zu feiern und anschließend wieder an die Arbeit zu gehen.

Petković sieht den Aufstieg nicht als Endpunkt, sondern als Ausgangspunkt. Algerien habe eine Mentalität entwickelt, die von Spiel zu Spiel wachsen soll. Jetzt dürfe man den Erfolg kurz genießen. Danach beginnt die Vorbereitung auf die Schweiz – mit dem Gefühl, in einem dramatischen Spiel gegen Österreich nicht nur weitergekommen zu sein, sondern auch Charakter gezeigt zu haben.