Österreichs WM-Auftaktgegner Jordanien zeigt bekannte Schwächen
Am 17. Juni trifft Österreich im ersten WM-Spiel auf Jordanien. Der WM-Debütant absolvierte am Sonntag in St. Gallen ein Testspiel gegen die Schweiz. Das Ergebnis fiel deutlich aus: Österreichs Gruppengegner verlor mit 1:4. War das Ergebnis so klar wie der Spielverlauf? Und welche Erkenntnisse kann Österreich daraus mitnehmen?
Klare Führung vor der Pause
Die Schweiz stellte die Weichen bereits in der ersten Halbzeit klar auf Sieg. Breel Embolo brachte die Mannschaft von Murat Yakin in der 28. Minute per Foulelfmeter in Führung. Fünf Minuten später erhöhte Dan Ndoye auf 2:0. In der zehnten Minute der Nachspielzeit der ersten Halbzeit traf Kapitän Granit Xhaka per zweitem Elfmeter zum 3:0.
Nach der Pause veränderte sich das Bild. Yakin wechselte großflächig durch und tauschte im Laufe des Spiels insgesamt elfmal. Mit den Wechseln verlor die Schweiz an Kontrolle. Der eingewechselte Odeh Al-Fakhouri verkürzte in der 52. Minute auf 1:3. Um die 70. Minute war Jordanien phasenweise sogar die etwas bessere Mannschaft. Erst Christian Fassnacht stellte in der 79. Minute nach einem Konter den 4:1-Endstand her.
Jordanien offensiv limitiert
Trainer Jamal Sellami ließ Jordanien in einem 5-3-2 spielen. Die Grundidee war keine Überraschung: kompakt stehen, das Zentrum absichern, im Mittelfeld Drucksituationen erzeugen und nach Ballgewinnen schnell umschalten. Gegen den Ball wirkte Jordanien über längere Phasen gut geordnet, wobei es natürlich bitter war, dass der Außenseiter selbst ein Kontertor zulassen musste.
Das größere Problem bei der jordanischen Nationalmannschaft liegt weiterhin im Spiel nach vorne. Österreichs Gruppengegner wurde erst gefährlicher, nachdem die Schweiz fast die gesamte Stammelf ausgetauscht hatte.
In Jordanien wird das 1:4 als Warnsignal gesehen
In Jordanien gab es nach der klaren Niederlage durchaus Kritik. Medien sprachen von einem „Weckruf“ vor der Weltmeisterschaft. Im Zentrum der Kritik stand vor allem die Offensive. Ohne Al-Naimat fehlt Jordanien im Angriff ein klarer Bezugspunkt, der Bälle festmachen und im Strafraum Präsenz zeigen kann.
Gleichzeitig versucht das jordanische Lager, Selbstvertrauen auszustrahlen. Offensivspieler Al-Tamari hatte bereits vor der Partie betont, dass man bei der WM sehen werde, wer Jordanien wirklich sei.
Yakin sieht Fortschritte bei der Schweiz
Für die Schweiz war das Spiel ebenfalls Teil der WM-Vorbereitung. Yakin hatte Jordanien schon vor der Partie als ernstzunehmenden Gegner bezeichnet. Auch taktisch passte der Gegner in die Vorbereitung: Yakins Mannschaft trifft bei der WM zum Auftakt auf Katar, dessen Spielweise mit Jordanien vergleichbar ist.
Nach dem Spiel fiel Yakins Fazit grundsätzlich positiv aus. Die Offensive funktionierte vor der Pause gut, nach der großflächigen Rotation ging aber ein Teil des Zugriffs verloren. Für die Schweiz war es der erste Sieg im WM-Jahr. Danach reist die Mannschaft ins WM-Camp nach San Diego, ehe am 6. Juni der letzte Test gegen Australien folgt.
Was Österreich aus dem Test mitnehmen kann
Jordanien zeigte beim Testspiel gegen die Schweiz einige Schwächen, die auch für Österreich relevant sein können. Der WM-Debütant hatte Probleme, wenn der Gegner konsequent Druck aufbaute und individuelle Fehler provozierte. Jordanien konnte zwar immer wieder das Zentrum gut verdichten, doch wenn die Schweiz nachsetzte und ihre individuelle Qualität ausspielte, wurde es gefährlich.
Im Angriff fehlt ohne Al-Naimat die Durchschlagskraft. In der ersten Halbzeit gab es zu wenige Entlastungsangriffe, wodurch Jordanien kaum längere Phasen mit Ballbesitz hatte. Al-Tamari bleibt der Schlüsselspieler in der Offensive, die Abhängigkeit von ihm wirkt entsprechend groß.
Die zweite Halbzeit gegen eine stark veränderte Schweizer Mannschaft zeigt aber auch, dass Jordanien nicht unterschätzt werden darf. Wenn der Gegner an Zugriff verliert, kann Sellamis Team das Spiel besser kontrollieren und auch nach schnellem Umschaltspiel Akzente setzen.
