Rangnick nach Spanien-Aus: „Eine Klasse für sich“
Österreichs WM-Reise ist Donnerstagabend im Sechzehntelfinale zu Ende gegangen. Nach dem 0:3 gegen Spanien zog Ralf Rangnick auf der Pressekonferenz Bilanz, sprach über die Qualität des Gegners, den Verlauf des Turniers, die Zukunft des ÖFB-Teams und den emotionalen Abschied von Marko Arnautovic. Wir haben die wichtigsten Aussagen der Pressekonferenz für euch zusammengefasst.
Spanien als möglicher Weltmeister
Rangnick wollte die Niederlage nicht schönreden, stellte aber vor allem die Qualität des Gegners in den Vordergrund. Schon bei der Auslosung sei klar gewesen, dass Österreich eine extrem schwierige Gruppe erwischt habe und bei einem Weiterkommen als Zweiter mit großer Wahrscheinlichkeit auf Spanien treffen würde.
„Wer das Spiel heute gesehen hat, muss einfach anerkennen, wie schwer es ist, diesen Gegner zu Fehlern zu zwingen“, erklärte der Teamchef. Spanien habe im Ballbesitz praktisch keine einfachen Fehler gemacht. Rangnick sprach in diesem Zusammenhang von „unforced errors“ und meinte, darauf könne man gegen diese Mannschaft nicht hoffen.
Für den ÖFB-Teamchef war Spanien an diesem Abend auf einem außergewöhnlichen Niveau. Die Mannschaft habe aus seiner Sicht die beste Leistung des bisherigen Turniers gezeigt. „Ich würde mich nicht wundern, wenn wir heute nicht nur auf den amtierenden Europameister getroffen sind, sondern auch auf den zukünftigen Weltmeister“, sagte Rangnick. Wenn Spanien so spiele, müsse erst einmal jemand gegen diese Mannschaft gewinnen.
Österreich bis zum 0:2 im Spiel
Trotz des klaren Ergebnisses sah Rangnick sein Team nicht von Beginn an chancenlos. Bis zum 0:2 sei Österreich im Spiel gewesen. Mit einem „Lucky Punch“ hätte man vielleicht noch einmal zurückkommen können. Die klarste Möglichkeit hatte Michael Gregoritsch beim Stand von 0:0, dessen Kopfballchance Rangnick als einzige richtig große österreichische Gelegenheit einordnete.
Im Spiel nach vorne wäre laut Rangnick dennoch mehr nötig gewesen. Österreich habe Spanien immer wieder attackiert und phasenweise mutig agiert, konnte das Kombinationsspiel des Gegners aber nicht dauerhaft unterbinden. Nach Ballgewinnen sei es schwer gewesen, in stabile eigene Angriffe zu kommen. Das lag für Rangnick auch am spanischen Gegenpressing, das er als sehr stark bewertete.
Besonders beeindruckt zeigte er sich von Rodri. Wenn er selbst den Spieler des Spiels hätte wählen müssen, wäre es für ihn eindeutig der spanische Mittelfeldspieler gewesen. „So eine Leistung von einem Spieler auf dieser Position habe ich live so noch nie erlebt“, sagte Rangnick.
Hindernisse während des Turniers
In der Gesamtbilanz verwies Rangnick auch auf mehrere Rückschläge, mit denen Österreich während der WM umgehen musste. Der Ausfall von Christoph Baumgartner habe die Ausgangslage schon früh verändert. Dazu kamen die Verletzung von Phillipp Mwene vor dem Spanien-Spiel und der Kieferbruch von Stefan Posch, der laut Rangnick nur mit großem Aufwand weiterspielen konnte.
Trotz dieser Hindernisse habe die Mannschaft gezeigt, wie sehr sie zusammenhält. Die Gruppe sei mit vier Punkten und Platz zwei überstanden worden und vor dem Turnier hätte Rangnick dieses Szenario sofort unterschrieben, auch wenn der weitere Weg durch das (auch zu erwartende) Duell mit Spanien besonders schwierig wurde.
Auf die Frage, was er im Rückblick anders machen würde, nannte Rangnick im Grunde nur einen Punkt: Christoph Baumgartner hätte er im Test gegen Tunesien nicht mehr eingesetzt beziehungsweise ihm vielleicht noch einen Tag Pause gegeben. Dass sich Baumgartner bei einem Torschuss schwer verletzen würde, habe aber niemand vorhersehen können. Ansonsten sah Rangnick keine großen Fehlentscheidungen in der Vorbereitung.
Arnautovic-Abschied bewegt die Kabine
Ein besonders emotionales Thema war Marko Arnautovic. Für den langjährigen ÖFB-Stürmer war das Spiel gegen Spanien das letzte im Nationalteam. Rangnick berichtete von einer berührenden Atmosphäre in der Kabine. Er selbst habe zur Mannschaft gesprochen, danach habe Arnautovic bewegende Worte an das Team gerichtet.
„Wer Mäuschen hätte spielen können, ich möchte nicht wissen, wie viele Spieler und Staff-Mitglieder Tränen in den Augen hatten“, sagte Rangnick. Das zeige, welchen Stellenwert Arnautovic innerhalb der Mannschaft habe.
Rangnick betonte, dass er nur über die vergangenen vier Jahre sprechen könne. Arnautovic habe selbst mehrfach gesagt, dass er ursprünglich nicht mehr damit gerechnet habe, noch einmal für Österreich zu spielen. Ohne seine Tore wäre Österreich möglicherweise weder zur EM nach Deutschland gefahren noch bei dieser WM dabei gewesen.
Kein großer Umbruch angekündigt
Die Frage nach einem möglichen Umbruch beantwortete Rangnick vorsichtig. Bei Arnautovic sei klar, dass er nicht mehr zur Verfügung stehen werde. Bei anderen Spielern müsse man abwarten. Gleichzeitig sieht der Teamchef genügend Spieler im besten Fußballalter oder jüngere Akteure, die weiterhin Teil der Mannschaft sein können.
Ein großes Ziel formulierte Rangnick aber deutlich: Österreich soll künftig regelmäßig bei Europa- und Weltmeisterschaften dabei sein. Das sei in der Vergangenheit nicht selbstverständlich gewesen. Solange er Teamchef sei, werde man alles dafür tun, auch bei der EM in zwei Jahren und bei der nächsten WM wieder vertreten zu sein. Dazu komme der Wunsch, in der Nations League wieder in die A-Liga aufzusteigen.
Im Angriff sieht Rangnick nach dem Arnautovic-Abschied allerdings keine schnelle Verjüngung. Auf der zentralen Stürmerposition nannte er Sasa Kalajdzic und Michael Gregoritsch als Optionen für die nächsten Jahre. Einen jungen Spieler, der kurzfristig in Arnautovics Fußstapfen treten könnte, sehe er derzeit nicht.
Eine emotionale WM
Auf die Frage, mit welchem Wort er diese Weltmeisterschaft zusammenfassen würde, antwortete Rangnick: „emotional“. Er lobte die Stadien und die Organisation in den USA ausdrücklich. Gleichzeitig falle es ihm schwer, die nächsten Spiele anzuschauen, weil Österreich gerne noch dabei gewesen wäre.
Das 0:3 gegen Spanien beendet eine WM, in der Österreich mit großen Widerständen umgehen musste und dennoch die Gruppenphase überstand. Rangnicks Fazit blieb deshalb zweigeteilt: Stolz auf den Zusammenhalt und das Weiterkommen, aber auch die klare Erkenntnis, dass Spanien an diesem Abend eine Klasse für sich war.
