FIFA WM 2026

Spanische Medien: „Die fehlende Erfahrung Österreichs ist offensichtlich“

Österreich trifft am 2. Juli 2026 im SoFi Stadium von Los Angeles auf Spanien. Wir waren gespannt, was die spanische Presse vor dem Duell gegen die Mannschaft von Ralf Rangnick sagt. Wie schätzen die Medien unsere Mannschaft ein? Vor allem die dramatische Qualifikation der ÖFB-Auswahl, das aggressive Pressing und die eigenen Probleme der Spanier stehen im Mittelpunkt der Berichterstattung.

Auch Spanier sind über das 3:3 gegen Algerien verblüfft

Für großes Aufsehen sorgte in Spanien vor allem die Art und Weise, wie Österreich den Einzug in die K.o.-Phase schaffte. Mundo Deportivo hob den kuriosen Verlauf hervor und schrieb: „Österreich wird nach dem verrücktesten Ausgang der Weltmeisterschaft Spaniens Gegner.“ 20 Minutos stellte ebenfalls fest, dass die Österreicher „innerhalb von nur drei Minuten vom Ausscheiden zum Gegner Spaniens im Sechzehntelfinale wurden.“

Ralf Rangnick wurde von mehreren spanischen Medien mit einem der prägnantesten Sätze des bisherigen Turniers zitiert: „Ich kann immer noch nicht glauben, was in diesen 90 oder 120 Sekunden passiert ist. Wenn Alfred Hitchcock so ein Drama geschrieben hätte, hätte man ihn wahrscheinlich für verrückt erklärt.“

Gegenpressing als österreichische Waffe

Taktisch sehen die spanischen Medien vor allem das Gegenpressing als größte Gefahr. El Diario veröffentlichte eine ausführliche Analyse unter dem Titel: „Das Gegenpressing: Österreichs Geheimwaffe gegen die spanische Nationalmannschaft.“

Darin heißt es, Österreich sei in der Qualifikation jene europäische Nation gewesen, „die mit insgesamt 739 die meisten Pressingaktionen im letzten Drittel durchführte.“ Zudem habe die Mannschaft „den niedrigsten PPDA-Wert gehabt, nämlich 7,1, was bedeutet, dass sie dem Gegner nicht mehr als sieben Pässe erlaubte, bevor sie den Ball zurückeroberte.“

Auch Marca widmete Österreich eine ausführliche Analyse unter dem Titel: „So spielt Österreich, Spaniens Gegner im Sechzehntelfinale: Stärken, Schwächen, Trainer und Spieler, auf den man achten muss.“

Rangnick wird darin als „Schöpfer des modernen Gegenpressings, jenes intensiven Pressingstils, den später Klopp und andere populär machten“ beschrieben.

Gleichzeitig sieht das Blatt auch Schwachstellen: „Aus ihrer Stärke entsteht auch ihre Schwäche: der extreme körperliche Verschleiß, den ihr Ansatz verlangt. Außerdem haben sie große Schwierigkeiten gegen Gegner, die ihnen die Initiative überlassen. Es fehlt ihnen an Tiefe im Kader. Österreich war 28 Jahre lang bei keiner Weltmeisterschaft dabei, seit 1998, als sie in der Gruppenphase ausschieden. Die fehlende Erfahrung auf der größten Bühne ist offensichtlich.

Ein Taktikporttal beschrieb den möglichen österreichischen Matchplan so: „Österreichs beste Option dürfte wohl darin bestehen, mit einem kompakten Block zu verteidigen, schnell umzuschalten, Standardsituationen zu nutzen und Spanien in breite Zonen zu zwingen, wo sich die körperlichen Probleme stärker bemerkbar machen.“

Das erste K.o.-Spiel auf Leben und Tod

Der Grundton in Spanien ist klar: Man ist der klare Favorit, muss aber wachsam sein. Marca bezeichnete das Duell als „das erste K.o.-Spiel auf Leben und Tod“ gegen „eine robuste und disziplinierte österreichische Nationalmannschaft.“

Das Medium sieht Spanien zwar klar vorne, warnt aber: „In einem einzigen Spiel können Struktur und Intensität den Außenseiter viel länger am Leben halten, als es die Quoten vermuten lassen.“

ESPN Deportes formulierte die spanischen Sorgen noch deutlicher und veröffentlichte einen Artikel mit dem Titel: „Die fünf Sorgen Spaniens vor dem Spiel gegen Österreich.“ Genannt wurden die fehlenden Flügelspieler wegen Verletzungen, Rodris schwächeres Niveau im Vergleich zur Europameisterschaft, Pedris Unbeständigkeit, die mangelnde Chancenverwertung und der fehlende Rhythmus wichtiger Spieler.“

Über Rodri schrieb das Medium, er sei „sehr weit von jener Version entfernt, die Spanien zum europäischen Ruhm führte.“ Zwar habe er „328 Pässe bei der Weltmeisterschaft gespielt, mehr als jeder andere im Turnier“, es sei ihm aber nicht gelungen, „den Unterschied zu machen.“

„Ich konzentriere mich auf Österreich“

Auch im spanischen Lager wird Österreich ernst genommen. Marcos Llorente sagte laut Mundo Deportivo und AS, dass sie aktuell nicht daran denken, wen man im Achtelfinale bekommen könnte: „Ich konzentriere mich auf Österreich, es wäre ein Fehler, die ganze Zeit an den nächsten Gegner zu denken. Man muss Schritt für Schritt gehen.“

Zum Niveau der Gegner bei dieser Weltmeisterschaft erklärte Llorente: „Jede Nationalmannschaft macht dir heutzutage Schwierigkeiten, wenn du keinen guten Tag hast. Das hat man schon gesehen.“

Spaniens Teamchef Luis de la Fuente zeigte sich in einem Interview mit TVE, das von RTVE aufgegriffen wurde, drei Tage vor dem Spiel ruhig und selbstbewusst. Über seine Mannschaft sagte er: „Dieses Team ist sehr geschlossen, kassiert sehr wenige Tore und ist in der Lage, viele Tore zu erzielen. Sie überraschen mich jeden Tag.“